Deindustrialisierung mit Ausnahmen

Der Anteil des Industriesektors an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung geht in der gesamten OECD seit der Jahrtausendwende zurück. Unter den OECD-Mitgliedstaaten zeichnen sich jedoch unterschiedliche Entwicklungen ab. Eine akzentuierte und konstante Reduktion des Industrieanteils ist in den angelsächsischen Ländern eingetreten. Diese Deindustrialisierung war dort schon in den vergangenen fünf Dekaden zu beobachten. In den USA belief sich der Anteil des Verarbeitenden Gewerbes an der gesamtwirtschaftlichen Wertschöpfung im vergangenen Jahr auf nur noch knapp 12 Prozent. Dagegen konnten einige aufstrebende Länder in Mittel- und Osteuropa einen leichten Bedeutungsgewinn ihrer Industrie im gesamtwirtschaftlichen Branchengefüge verzeichnen. Deutschland gilt als ein Land, das sich eine solide industrielle Basis erhalten hat. Vor allem infolge der starken Investitionsgüternachfrage der Entwicklungs- und Schwellenländer in den letzten zwei Dekaden hat sich der Anteil des Industriesektors nach dem Einbruch in den frühen 1990er Jahren wieder leicht erhöht. In den vergangenen beiden Jahren befand sich die deutsche Industrie jedoch in einer anhaltenden Rezession, was sich auch in einem Rückgang des Industrieanteils auf gut 21 Prozent niederschlug. Als Gründe hierfür gelten die nachlassende Weltkonjunktur, was teilweise durch geopolitische Anspannungen und Protektionismus bedingt ist, möglicherweise aber auch strukturelle Änderungen im Gefolge der Digitalisierung und Dekarbonisierung reflektiert.

Im Folgenden wird gezeigt, wie sich die unterschiedliche strukturelle Entwicklung der deutschen und amerikanischen Wirtschaft in der Zusammensetzung von Aktienindizes widerspiegelt. Dabei werden der Anteil von Industrie- und Dienstleistungsunternehmen sowie die Struktur innerhalb dieser beiden Sektoren betrachtet.

Aktienindizes und Strukturwandel

Die Indizes, deren Zusammensetzung im Folgenden dargestellt werden, sind auf deutscher Seite der Deutsche Aktienindex (DAX) und der Dow Jones Industrial Average (Dow) auf amerikanischer Seite. Der Vergleich bietet sich an, da beide Indizes etabliert sind, um die Entwicklung des jeweiligen Aktienmarktes abzubilden: