Die Einnahmen des Fiskus aus der Einkommensteuer und dem Solidaritätszuschlag sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Während das nominale Bruttoinlandsprodukt zwischen 2010 und 2017 um ungefähr 26,5 Prozent gewachsen ist, ist das kassenmäßige Aufkommen der Einkommensteuer um 56,7 Prozent und das des Solidaritätszuschlags um 53,3 Prozent gestiegen (BMF, 2018). Zum Aufkommen der Einkommensteuer gehören neben den Einnahmen aus der Lohnsteuer, das Aufkommen der veranlagten Einkommensteuer, der nicht veranlagten Steuern vom Ertrag und der Abgeltungsteuer. Im Jahr 2017 erreichte das Einkommensteueraufkommen ein Volumen von über 283 Milliarden Euro, was 38,6 Prozent der gesamtstaatlichen Steuereinnahmen ausmachte. Der Solidaritätszuschlag, der als Zuschlag sowohl auf die Einkommensteuerzahlung der Privatpersonen als auch auf die von den Kapitalgesellschaften gezahlte Körperschaftsteuer erhoben wird, kam auf ein Volumen von etwa 18 Milliarden Euro im Jahr 2017. Hiervon zahlten die Privatpersonen knapp 15 Milliarden Euro.

Der starke Aufkommenszuwachs der Einkommensteuer ergibt sich aus dem progressiven Tarifverlauf. Der Grenzsteuersatz auf einen zusätzlichen Euro Einkommen steigt mit höherem Einkommen, was zu einem steigenden Durchschnittssteuersatz führt. Somit führt eine Einkommenssteigerung zwangsläufig zu einem überproportionalen Anstieg der Steuerlast.

Dadurch ergibt sich selbst bei einer Steigerungsrate der Einkommen, die nur in Höhe der Inflationsrate liegt – also nur das höhere Preisniveau ausgleicht - eine reale Mehrbelastung der Steuerpflichtigen. Hierbei spricht man von der „kalten Progression“ (Beznoska, 2016a). Da die Tarifgrenzen starr sind und nicht mit der Preissteigerungsrate mitwachsen, liegt es an der Bundesregierung, den Effekt der kalten Progression aufzuheben. Seit dem Jahr 2016 wurde der Tarif jährlich an die Inflationsentwicklung nachträglich angepasst und die kalte Progression ab diesem Zeitpunkt ausgeschaltet. Auf weitere steuerliche Entlastungen bei der Einkommensteuer wurde jedoch in den letzten Jahren verzichtet, wodurch die wachsenden Realeinkommen weiterhin zu einem überproportional wachsenden Aufkommen führten. Die Steuerzahler „rutschten“ in der Verteilung der Steuerlast nach oben.

Anhand der Mikrodaten des Sozioökonomischen Panels (SOEP), die die Bevölkerung in Deutschland repräsentativ abbilden und detaillierte Einkommens- und Haushaltsinformationen enthalten, lässt sich die Verteilung der Einkommensteuer und des Solidaritätszuschlags berechnen. Mithilfe des IW-Mikrosimulationsmodells STATS werden die Einkommensinformationen der aktuellen Welle 33 des SOEP, die sich auf das Jahr 2015 beziehen, auf das Jahr 2018 fortgeschrieben (Beznoska, 2016b). Anschließend lassen sich die steuerpflichtigen Einkünfte und steuerlichen Abzüge wie zum Beispiel die Vorsorgeaufwendungen ermitteln. Auf die sich ergebenden zu versteuernden Einkommen wird der Einkommensteuertarif für das Jahr 2018 angewendet, aus dem sich die Einkommensteuerbelastung für die Alleinveranlagten und die zusammenveranlagten Ehepaare ergibt.