Viele Unternehmen und Beschäftigte sind davon überzeugt, dass der digitale Wandel die Vereinbarkeit von Beruf und Familie verbessern kann (BMFSFJ, 2016, 28). Internet und mobile Endgeräte machen es möglich, Arbeitszeit und Arbeitsort zu flexibilisieren und damit ein neues Gleichgewicht zwischen beruflichen und privaten, insbesondere familiären Anforderungen zu finden. Es ist daher wenig überraschend, dass zum Beispiel im Fall des Homeoffices viele Beschäftigte den Wegfall von Fahrzeiten und eine bessere Vereinbarkeit als Vorzüge dieser Form des mobilen Arbeitens im Alltag erleben (Arnold et al., 2015, 13). Ob dies dazu führt, dass alle Beschäftigten mit Vereinbarkeitswünschen am liebsten mobil arbeiten möchten, ist jedoch mit einem Fragezeichen zu versehen. Denn egal ob Homeoffice oder sonstige Formen des mobilen Arbeitens – wer internetgestützt räumlich und zeitlich flexibel arbeitet, hat zwar mehr Zeitsouveränität im beruflichen Alltag, erfüllt aber auch im Gegenzug während der Freizeit beziehungsweise in den Tageszeiten, die ansonsten üblicherweise für private Aktivitäten reserviert sind, signifikant häufiger berufliche Aufgaben (Hammermann/Stettes, 2017a, 13).

Diese Vermischung bleibt nicht ohne Folgen, wie eine ergänzende Auswertung auf Basis des European Working Conditions Survey (EWCS 2015) signalisiert. Mobile Computerarbeiter – das sind Arbeitnehmer, die mehrmals im Monat oder häufiger außerhalb des Betriebes arbeiten und mindestens 25 Prozent ihrer Arbeitszeit am PC, Laptop oder Smartphone verbringen – berichten hierzulande, aber auch in der Europäischen Union insgesamt deutlich häufiger von sogenannten Beruf-Familie-Konflikten oder Familie-Beruf-Konflikten.

Flexibles Arbeiten erhöht die Wahrscheinlichkeit von Beruf-Familie-Konflikten, …

Zwei Drittel der mobilen Computerarbeiter in Deutschland und sogar drei Viertel dieser Beschäftigten in der Europäischen Union haben meistens oder immer das Gefühl, dass ihre Arbeit sie davon abhält, ihrer Familie so viel Zeit zu widmen, wie sie es wollten (s. Grafik). Dieses Gefühl tritt zwar auch bei anderen Beschäftigtengruppen auf, aber zum Teil deutlich seltener. Die Unterschiede sind für die europäische Stichprobe auch robust, wenn man um persönliche und berufliche Merkmale kontrolliert. In der deutschen Stichprobe sind die Differenzen zwischen mobilen und nicht-mobilen Computerarbeitern sowie zwischen mobilen Computer- und Offline-Arbeitern allerdings dann nicht mehr signifikant.