Die deutsche Wirtschaft ist im zweiten Quartal 2019 leicht geschrumpft. Dabei konnten die Zuwächse bei den konsumorientierten Branchen den Rückgang der industriellen Wertschöpfung nahezu kompensieren. Die deutsche Industrie befindet sich schon seit Anfang des Jahres 2018 in der Rückwärtsbewegung. Als Grund für diese Entwicklung wird das weltweit hohe Ausmaß an Verunsicherungen genannt.

Unsicherheit kann aus ganz unterschiedlichen Quellen resultieren, zum Beispiel aus erratischen Schwankungen von wichtigen Rohstoffpreisen infolge von natürlichen Ereignissen (z. B. Hurrikan) oder kriegerischen Auseinandersetzungen (z. B. im Persischen Golf). Wichtig ist es, die eigentlichen Quellen oder Auslöser von Verunsicherung zu erkennen. In der Institutionenökonomik wird hier zwischen der Umweltunsicherheit und der Verhaltensunsicherheit unterschieden (Picot, 1982). Diese Unterscheidung ist insofern bedeutsam, als die Identifikation der Auslöser von Unsicherheit wichtig sein kann für die Gestaltung von institutionellen Vorkehrungen und wirtschaftspolitischen Reaktionen.

  • Die Umweltunsicherheit bezieht sich auf die künftigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Hierzu zählen tatsächliche Umwelt- oder Klimabedingungen, die etwa über ein Erdbeben (Fukushima) oder unwetterbedingte Infrastrukturbeeinträchtigungen international aufgestellte Wertschöpfungsketten beeinträchtigen. Auch die natürliche Verfügbarkeit von Rohstoffen, technologische Veränderungen wie die digitale Revolution oder Arbeitskräfteengpässe können hier genannt werden.
  • Bei der Verhaltensunsicherheit geht es um das konkrete Verhalten besonders von politischen Entscheidungsträgern. Als Beispiele können Protektionismus, ein ungeordneter Brexit oder bestimmte Ausprägungen der Klimapolitik aufgeführt werden.

Diese Risiken beeinflussen die Kostenstruktur der Unternehmen, ihre Absatzchancen und damit die Investitionsneigung. Ausgeprägte und vor allem verhaltensbedingte Verunsicherungen belasten nicht nur kurzfristig die wirtschaftliche Entwicklung.

Wie hoch die mit bestimmten Ereignissen verbundene Unsicherheit ist, kann in der Regel nicht direkt gemessen werden. Um das Ausmaß an Unsicherheit abzuschätzen, wird eine Reihe von unterschiedlichen Ansätzen – wie Börsenkurse, Medienanalysen oder Prognoseunterschiede – herangezogen (siehe Bloom, 2014; Deutsche Bundesbank, 2018). Hierzu gehören auch Befragungen, die ein direktes Meinungsbild und Risikoprofil der Unternehmen wiedergeben sollen. Anders als die vorgenannten Methoden können Umfragen auch konkrete Erklärungen für die Verunsicherung liefern.