Während zahlreiche Epidemiologen angesichts hochansteckender Mutationen vor einer dritten Corona-Welle warnen, wird in Berlin und den Landesregierungen um Öffnungsperspektiven gerungen. Denn insbesondere die Bereiche Handel, Verkehr und Gastgewerbe sowie sonstige Dienstleister wie Kulturschaffende sind von den Einschränkungen wirtschaftlich stark betroffen. Trotz des einsetzenden Aufholprozesses hinken auch das Verarbeitende Gewerbe und Unternehmensdienste (zum Beispiel Steuer- und Rechtsberatung) dem Vorkrisenniveau hinterher (Grömling, 2021). Einmal mehr steht die Politik vor der Aufgabe, epidemiologisch begründete Einschränkungen gegen die wirtschaftlichen und sozialen Folgen abzuwägen.

Eine Fortsetzung des partiellen Lockdowns wird unter anderem mit den Inzidenzzahlen des Robert Koch-Instituts begründet (RKI, 2021). Nach dessen aktuellem Wochenbericht (7. Kalenderwoche) sind vor allem hochbetagte Menschen besonders stark vom Infektionsgeschehen betroffen:

  • Bei über 85-Jährigen betrug die 7-Tage-Inzidenz 91,6, bei 90-Jährigen und Älteren sogar 130,5.
  • Jüngere Ruheständler ab einem Alter von 65 Jahren scheinen mit Werten von rund 43 bis 60 dagegen gut geschützt - der Bevölkerungsdurchschnitt lag bei 62,7.
  • Auch Kinder und Jugendliche bis zu einem Alter von 14 Jahren sind nicht zuletzt aufgrund geschlossener Kindertagesstätten und Schulen mit Inzidenzen von 34,5 bis 42,2 seltener betroffen.
  • Anders das Bild bei den Personen im Erwerbsalter: In der Altersgruppe der 15- bis 59-Jährigen liegen die Inzidenzen zwischen 65,8 und 85,4, also über dem Bevölkerungsdurchschnitt. Den Höchstwert in dieser Gruppe weisen die 20- bis 24-Jährigen auf. Eine Interpretation dieses Werts ist allerdings ohne weitere empirische Studien nicht möglich.

Die Daten mögen erklären, warum in der Abwägung möglicher Öffnungsperspektiven auf die Infektionsgefahren bei der Berufsausübung hingewiesen wird. Misslich ist dabei allerdings, dass empirisch nicht geklärt ist, ob sich die Betroffenen im beruflichen Kontext, auf dem Weg von und zur Arbeit oder im privaten Umfeld infiziert haben.