Der wissenschaftliche Beirat im Bundeswirtschafts­ministerium (BMWi) hat für eine Anhebung des Rentenzugangsalters votiert. Anfang der 2040er Jahre läge es bei etwa 68 Jahren (BMWi, 2021, 25 ff.) Damit sollen die hinzugewonnenen Lebensjahre im Verhältnis von 2:1 auf Beitrags- und Rentenbezugszeiten aufgeteilt werden. Die Ratio: Im Umlageverfahren müssen die Rentenanwartschaften aus dem aktuellen Beitragsaufkommen (zuzüglich Bundeszuschuss) finanziert werden. Je länger die Ruheständler Rente beziehen, desto mehr Rentner sind gleichzeitig zu versorgen. Auch deshalb steigt der Rentnerquotient nach 2040 weiter, selbst wenn dann die Mitglieder der geburtenstarken Jahrgänge in den Ruhestand gewechselt sind (Kommission Verlässlicher Generationenvertrag, 2020, 55).

Die politischen Reaktionen erscheinen drei Monate vor der Bundestagswahl reflexhaft: Für Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier ist das Renteneintrittsalter derzeit kein Thema, Bundesfinanzminister Olaf Scholz hält den Vorschlag des wissenschaftlichen Beirats gar für falsch gerechnet. Die SPD argumentiert in ihrem Wahlprogramm, eine weitere Anhebung der Regelaltersgrenze komme einer Rentenkürzung gleich (SPD, 2021, 35). Doch das würde umgekehrt bedeuten, dass jüngere Versicherte bei einer fixierten Regelaltersgrenze und weiter steigender Lebenserwartung einen Anspruch auf eine immer längere Rentenbezugsdauer erwerben. Ein derartiges Leistungsversprechen ist aber weder im Rentenrecht angelegt, noch ließe es sich ohne zusätzliche Anpassungen von Beitragssatz und/oder Rentenniveau finanzieren (Pimpertz/Schüler, 2021a).

Die Auswirkungen unterschiedlicher rentenpolitischer Maßnahmen lassen sich auf der Basis eines Generationenkonten-Modells berechnen (Berger et al., 2021; 2019). Gegeben eine langfristige Entwicklung des Wirtschaftswachstums, der Erwerbsbeteiligung und der Erwerbseinkommen können damit die demografischen Veränderungen nachvollzogen und notwendige Anpassungen von Beitragssatz und Sicherungsniveau simuliert werden. Da die Simulationen auf Annahmen beruhen, dürfen die Ergebnisse allerdings nicht im Sinne einer Prognose interpretiert werden.

Unter Status-quo-Bedingungen, also bei einer „Rente mit 67“ ab 2031, ergibt die Simulation einen Anstieg des Beitragssatzes zur gesetzlichen Rentenversicherung auf 22,1 Prozent bis zum Jahr 2040 und weiter bis auf 23,6 Prozent im Jahr 2060. Gleichzeitig sänke das ​Sicherungsniveau vor Steuern regelgebunden von 48,2 Prozent im Basisjahr 2019 auf 45,8 Prozent in 2040 und danach weiter bis auf 44,4 Prozent in 2060.