Auf den ersten Blick entwickelt sich die Wirtschaft in Bochum nur mäßig. Die Arbeitslosenquote liegt bei 8,9 Prozent (Deutschland 5,1, NRW 6,7), die Langzeitarbeitslosenquote ist mit 3,2 Prozent doppelt so hoch wie im Bundesdurchschnitt (NRW 2,5) und auch das BIP pro Kopf liegt mit 33.000€ deutlich unter der bundesweiten pro-Kopf Wertschöpfung von 38.000€ (NRW 37.000€; Bundesagentur für Arbeit, 2019b; Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2019b). Die Bochumer Bevölkerung schrumpfte zwischen 2000 und 2017 um 6,5 Prozent, während sie in Deutschland leicht gewachsen ist (Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2019a). Diese Befunde sind nicht überraschend. So weist auch die IW Regionalstudie auf Probleme der wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt hin (Hüther, Südekum, Voigtländer, 2019). Bochum erscheint damit auf den ersten Blick eine typische Stadt des Ruhrgebiets zu sein.

Ein Blick auf die Branchenstruktur der Wirtschaft ändert diesen Eindruck (s. Abbildung). Einerseits ist der industrielle Rückbau gemessen am Anteil des produzierenden Gewerbes an der Bruttowertschöpfung (BWS) in Bochum noch ausgeprägter. Andererseits bildet der langfristig angestiegene Anteil des Gesundheitswesens und der öffentlichen Dienstleistungen an der BWS mit inzwischen 34,9 Prozent einen deutlich ausgeprägteren Trend ab als im übrigen Ruhrgebiet. Tatsächlich hat sich das Gesundheitswesen mit 10,2 Prozent der Beschäftigten in Bochum zum zweitwichtigsten Wirtschaftszweig der Stadt entwickelt, noch vor dem verarbeitenden Gewerbe und nur knapp hinter dem Handel (Bundesagentur für Arbeit, 2018). Die wichtigsten Berufe der Branche sind die Gesundheits-, Kranken- und Altenpflegenden.