Die COVID-19-Pandemie hat zu einem bislang ungekannten Stillstand in Deutschland geführt und prägt auch dem Verkehr ihren Stempel auf. Dieser hat für eine moderne Gesellschaft eine ähnliche Funktion wie der Blutkreislauf für den Körper. Er vernetzt Produzenten und Verbraucher, versorgt sie mit allem Nötigen und stellt damit die Funktionsfähigkeit der Gesamtheit sicher. Zu beachten ist dabei aber, dass der Verkehr eben immer nur eine abgeleitete Größe aus den Bedürfnissen seiner Nutzer darstellt. Aufgrund dieser besonderen Rolle ist er auch ein guter Frühindikator für die Entwicklung einer Volkswirtschaft (Statistisches Bundesamt, 2019). Aktuell ähnelt die Situation auf den Verkehrswegen einem Winterschlaf, selbst der alljährliche Osterstau ist ausgefallen. Die drastischen Rückgänge im Verkehr erklären sich daraus, dass die Volkswirtschaft von einem doppelten Schock getroffen wurde.

Zum einen gab es einen Angebotsschock, der dadurch induziert wurde, dass Lieferketten gestört wurden. Wirtschaftlich eng verflochtene Regionen wie Norditalien erfuhren im März eine komplette Stilllegung und auch die Wege nach Osteuropa wurden durch Grenzschließungen gestört. In der Folge mussten zahlreiche Fabriken ihre Fertigung herunterfahren oder ganz einstellen. Besonders betroffen hiervon ist die Automobilindustrie, deren Transportbedarf sich je nach Verkehrsträger um bis zu 90 Prozent reduziert hat. Der europäische Herstellerverband schätzt, dass allein die Autoindustrie in Deutschland durch das Coronavirus bislang einen Produktionsausfall von etwa 603.000 Fahrzeugen erlitten hat. Der Produktionsausfall in der Industrie schlägt sich bei allen Verkehrsträgern wieder. Der Schienengüterverkehr reduzierte sich laut Fachmedien bis Anfang April um etwa 20 Prozent und auch die Luftfracht verzeichnete Rückgänge von etwa 23 Prozent.

Zum anderen gibt es einen Schock auf der Nachfrageseite. Zahlreiche Menschen sind in Kurzarbeit oder im Homeoffice, die Schulen waren beziehungsweise sind ebenso wie viele Geschäfte und Freizeiteinrichtungen geschlossen. Entsprechend sind die Konsummöglichkeiten eingeschränkt und mit Ausnahme des Lebensmittelhandels melden fast alle Branchen Nachfragerückgänge. Das wiederum wirkt sich stark auf den Personenverkehr im Land aus. So machen Fahrten zum Zwecke von Freizeitaktivitäten und Erledigungen laut einer im Jahr 2017 durchgeführten Erhebung im Auftrag des Verkehrsministeriums (Mobilität in Tabellen, 2019) bereits etwa 32 Prozent des Pkw-Verkehrs in Deutschland aus. Diese Fahrten entfallen derzeit weitestgehend. Deutlich eingeschränkt sind Fahrten zur Arbeit (23 Prozent) und dienstliche Fahrten (19 Prozent). Damit ist ein Großteil des Pkw-Verkehrs von den Maßnahmen gegen die Pandemie betroffen.

Bislang war die empirische Erfassung solcher Vorgänge im Verkehr mit größeren zeitlichen Verzögerungen verbunden. Zwar werden Daten wie die Fahrten mautpflichtiger Lkws und auch die Verkehrsmenge an Hunderten Zählstellen – insbesondere im Netz der Bundesfernstraßen – erfasst, aber die Auswertung erforderte einige Zeit. So werden Mautdaten typischerweise monatlich veröffentlicht. Im Zuge der Corona-Krise sind Teile der Mautdaten auf einen täglichen Veröffentlichungsrhythmus umgestellt worden. Aber auch hier liegt eine Verzögerung von 5 bis 9 Tagen vor. Für den Pkw-Verkehr sind die üblichen Verzögerungen bis zur Veröffentlichung der Fahrleistungsdaten noch deutlich länger.

In Anbetracht der angespannten Lage wäre in diesem Fall eine Beschleunigung der Datenbereitstellung wünschenswert. Hier setzt eine Auswertung der automatischen Zählstellen in NRW an, deren Ergebnisse in Real-Time über den Mobilitäts Daten Marktplatz (MDM-Portal) ausgelesen werden können.

Neben den Real-Time-Daten werden Daten von Dauerzählstellen der Bundesanstalt für Straßenwesen verwendet. Die Daten der beiden Anbieter sind vergleichbar, da die Zuordnung, welches Fahrzeug als LKW und welches als PKW gezählt wird, jeweils nach der gleichen Methode erfolgt (BASt, 2012). Die Schnittmengen der Zählstellen beider Datensätze gehen in die Analyse ein. Somit können diese Daten verwendet werden, um die Auswirkungen der Corona-Pandemie abzuschätzen.