Deutschland erlebt im letzten Jahrzehnt einen bemerkenswerten Arbeitsmarktboom, die Zahl der Erwerbstätigen steigt von Jahr zu Jahr. In Deutschland waren im 2. Quartal 2019 über 45 Millionen Menschen erwerbstätig, was einem Plus von rund 400.000 gegenüber dem Vorjahresquartal entspricht. Ein Großteil der zusätzlichen Beschäftigung entsteht in den Großstädten und dort vor allem in Bereichen wie IT-Dienstleistungen, unternehmensnahen Dienstleistungen oder auch Beratung. Damit steigt zum einen die Nachfrage nach Büroräumen, da für eine Vielzahl dieser Tätigkeiten Büroarbeitsplätze benötigt werden, als auch das Konsumpotenzial, da gutverdienende Angestellte mehr Güter konsumieren – was sich positiv auf die lokale Nachfrage nach Einzelhandelsimmobilien in Ballungsräumen auswirkt.

In den letzten 10 Jahren sind die Büromieten in Berlin mit durchschnittlich 7,2 Prozent pro Jahr am stärksten gestiegen. Zur Einordnung: 7,2 Prozent pro Jahr bedeutet eine Verdopplung der Angebotsmieten im Zeitraum von 10 Jahren (101%). Auch die Mieten für Einzelhandelsflächen sind mit 5,4 Prozent pro Jahr deutlich gestiegen (69% in 10 Jahren). Dabei lagen im letzten Jahr die Mietsteigerungen in Berlin mit 13,1 Prozent im Einzelhandel und 17,3 Prozent für Büros sogar noch deutlich oberhalb des schon hohen langfristigen Trends. Im Vergleich der Mietsteigerungen seit 2009 folgt Leipzig an zweiter Stelle mit jeweils 4,9 Prozent (61% in 10 Jahren) für Einzelhandels- und Büroflächen. Weitere Standorte mit im 10 Jahresvergleich überdurchschnittlich hohen Mietsteigerungen sind Stuttgart mit 4,0 Prozent Steigerung pro Jahr (knapp 49% in 10 Jahren) bei Einzelhandelsobjekten und 3,3 Prozent pro Jahr (42% in 10 Jahren) bei Büros, München mit 3,3 bzw. 3,6 Prozent pro Jahr (39 bzw. 42% in 10 Jahre), sowie Dresden bei Büromieten mit 3,8 Prozent pro Jahr (45 Prozent in 10 Jahren).

Im letzten Halbjahr hat Leipzig jedoch Berlin an der Spitze der Mietsteigerungsraten für Gewerbemieten abgelöst. So betrugen die Mietsteigerungen in der ersten Jahreshälfte 2019 in Leipzig 10,1 Prozent für Einzelhandelsflächen und 8,9 Prozent für Büroflächen. Im Vergleich sind es in Berlin 7,0 bzw. 8,3 Prozent für Einzelhandel bzw. Büroflächen. Betrachtet man jedoch die Entwicklung gegenüber dem Vorjahreswert, liegt Berlin nur bei der Büromietentwicklung mit 17,3 Prozent vor Leipzig mit 12,5 Prozent, während bei Einzelhandelsmieten die Preise zuletzt in Leipzig mit 16,7 Prozent stärker gestiegen sind als in Berlin mit 13,1 Prozent.

Im Einzelhandelsmarkt sind die Mieten ansonsten im letzten Jahr (zum 1. Halbjahr 2018) besonders stark in Stuttgart gestiegen. Dort lag der Mietpreisanstieg bei 18,9 Prozent, darauf folgen dann aber Leipzig und Berlin. Diese drei Standorte weisen auch langfristig die höchsten Steigerungsraten auf (Abbildung). Ansonsten lagen die Mietsteigerungen im letzten Jahr nur noch in Dresden mit 7,8 Prozent zum Vorjahr deutlich oberhalb des zehnjährigen Trendwachstums. An 7 von 12 untersuchten Standorten schwächten sich die Preissteigerungen ab und lagen unterhalb der jährlichen Wachstumsrate seit 2009. In 5 Standorten ist die Miete im Vergleich zum Vorjahr sogar zurückgegangen, in Frankfurt und Köln um 2,7 Prozent, in Düsseldorf, Hannover und Dortmund um etwa 1 Prozent.