Besonders von Engpässen betroffen sind:

  • Berufe, die entweder überwiegend von Frauen oder überwiegend von Männern ausgeübt werden. Der überwiegende Teil der Stellen in Engpassberufen wird in männertypischen oder frauentypischen Berufen ausgeschrieben. Nur knapp 16 Prozent aller Stellen in Engpassberufen werden in geschlechts- untypischen Berufen gemeldet.
  • Männertypische Berufe, die eine gewerblich- technische Ausbildung voraussetzen. Fast alle Top-10-Engpassberufe für Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung sowie für Akademiker sind männertypische Berufe aus dem gewerblich-technischen beziehungsweise naturwissenschaftlichen Bereich. Bei den Top-10-Engpassberufen für Spezialisten mit Fortbildungsabschluss sind insbesondere männertypische Berufe in der Ver- und Entsorgung, im Tiefbau und der spanenden Metallbearbeitung zu finden.
  • Frauentypische Berufe für Spezialisten im Gesundheitsbereich. Unter den Top-10-Engpassberufen für Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung zählt lediglich die Altenpflege zu den frauentypischen Berufen. Dieser Beruf gehört allerdings schon sehr lange zu den Engpassberufen und weist mittlerweile flächendeckend einen Mangel auf. Die Top-10-Engpassberufe für Spezialisten mit Fortbildungsabschluss sind hingegen überwiegend frauentypische (Gesundheits-)Berufe.

Identifizierte Potenziale, um Fachkräfteengpässen entgegenzuwirken

  • Qualifizierte Frauen in qualifizierte Jobs bringen. Arbeitslose Frauen und Männer verfügen im Durchschnitt etwa über den gleichen Bildungsstand. Beim Suchverhalten auf dem Arbeitsmarkt unterscheiden sie sich jedoch. Frauen suchen häufiger als Männer einen Job, der unterhalb ihres formalen Qualifikationsniveaus liegt. So suchen mehr arbeitslose Frauen eine Helfertätigkeit als es arbeitslose Frauen ohne Berufsabschluss gibt. Auch ein Teil der arbeitslosen Akademikerinnen sucht eine Tätigkeit, für die kein akademischer Abschluss erforderlich ist: So suchen 28.638 Akademikerinnen eine Tätigkeit unterhalb ihres Qualifikationsniveaus. Unternehmen können diese Frauen durch Weiterbildungsangebote und gezielte Ansprache in Stellenangeboten für sich gewinnen. Mit diesen hochqualifizierten Frauen ließe sich ein Teil der 62.653 gemeldeten offenen Stellen für akademisch Qualifizierte besetzen. Im Gegensatz zu den Frauen strebt ein Teil der arbeitslosen Männer eine Tätigkeit an, die oberhalb ihres formalen Qualifikationsniveaus liegt. So haben 625.659 arbeitslose Männer keinen berufsqualifizierenden Abschluss (51,0 Prozent aller arbeitslosen Männer), jedoch suchen lediglich 559.413 (45,6 Prozent aller arbeitslosen Männer) eine Tätigkeit als Helfer. Das bedeutet, 66.246 Männer ohne formalen Abschluss suchen eine Tätigkeit als Fachkraft. Eine Ursache hierfür kann sein, dass Männer häufiger als Frauen ihre non-formal und informell erworbenen Kompetenzen bei der Jobsuche nutzen.