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IW-Kurzbericht Nr. 77 30. Oktober 2026 Lydia Malin / Philipp Deschermeier / Dirk Werner Ausländische Auszubildende halten Ausbildung auf stabilem Niveau

Die Alterung der Bevölkerung wird den Fachkräftemangel in Deutschland weiter verschärfen. Schon heute bremst dieser die wirtschaftliche Entwicklung zusätzlich zur aktuellen Konjunktur- und Strukturkrise der deutschen Wirtschaft.

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IW-Kurzbericht 77/2026
IW-Kurzbericht Nr. 77 30. Oktober 2026 Lydia Malin / Philipp Deschermeier / Dirk Werner

Ausländische Auszubildende halten Ausbildung auf stabilem Niveau

Lydia Malin / Philipp Deschermeier / Dirk Werner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Die Alterung der Bevölkerung wird den Fachkräftemangel in Deutschland weiter verschärfen. Schon heute bremst dieser die wirtschaftliche Entwicklung zusätzlich zur aktuellen Konjunktur- und Strukturkrise der deutschen Wirtschaft.

Besonders betroffen sind Engpassberufe, für die typischerweise eine duale Ausbildung vorausgesetzt wird. Da zugleich die Zahl junger Menschen mit deutscher Nationalität sinkt, gewinnen ausländische Auszubildende an Bedeutung, um Lehrstellen in Deutschland besetzen zu können.
Fachkräftebedarf trifft auf schrumpfendes Ausbildungspotenzial

Zwischen Juli 2025 und Juni 2026 konnten von den insgesamt 1.062.236 offenen Stellen für qualifizierte Fachkräfte 340.242 rechnerisch nicht besetzt werden, weil es bundesweit keine Arbeitslosen mit passendem Suchprofil gab. Gut sechs von zehn dieser vakanten Stellen richteten sich an Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung. Damit bleibt die berufliche Ausbildung zentral für die Fachkräftesicherung. Sie bildet zudem die Grundlage für spätere Weiterqualifizierungen, etwa zu Meistern und Technikern (BIBB, 2025), und ist damit auch Voraussetzung für die Übernahme und Weiterführung von Betrieben.

Im Jahr 2025 blieben erneut viele angebotene Ausbildungsstellen unbesetzt, zugleich sank die Zahl neu 
abgeschlossener Ausbildungsverträge. Besetzungsprobleme auf dem Ausbildungsmarkt entstehen dabei nicht nur durch Passungsprobleme, sondern auch durch ein demografisch schrumpfendes Bewerberpotenzial – und zwar ausschließlich bei deutschen Jugendlichen (BIBB, 2025).

Ausbildungsmarkt wird internationaler

Der Ausbildungsmarkt ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten daher deutlich internationaler geworden. Die Zahl deutscher Auszubildender zwischen 15 und unter 35 Jahren erreichte 2008 mit rund 1,7 Millionen ihren Höchststand und sank bis 2025 um 23 Prozent auf nur noch rund 1,3 Millionen. Die Zahl ausländischer Auszubildender dieser Altersgruppe stieg dagegen seit ihrem Tiefpunkt 2004 von rund 71.338 auf inzwischen rund 254.967. Ihr Anteil an allen Auszubildenden erhöhte sich damit von 5,3 Prozent im Jahr 1999 auf 16,3 Prozent im Jahr 2025. Er hat sich also mehr als verdreifacht. Die Zunahme ausländischer Auszubildender konnte den Rückgang deutscher Auszubildender zwar nicht vollständig ausgleichen, hat dessen Wirkung aber spürbar abgefedert und hielt die Ausbildung in den letzten zehn Jahren auf einem vergleichsweise stabilen Niveau (Abbildung).

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Entwicklung seit der Jahrtausendwende

Die steigende Bedeutung ausländischer Auszubildender für den Ausbildungsmarkt ist nicht allein ein Spiegel wachsender Zuwanderung, sondern das Ergebnis mehrerer aufeinanderfolgender Entwicklungen:

Mit der Wirtschafts- und Finanzkrise ab 2009 schwächte sich die Dynamik eines sehr hohen Ausbildungsangebots ab. Gleichzeitig wurden die schrumpfenden Jahrgangsstärken deutscher Jugendlicher immer sichtbarer, sodass sich das inländische Bewerberpotenzial zunehmend verringerte (Jansen et al., 2023).

In der Folge gewann die Rekrutierung aus dem Ausland an Bedeutung. Dabei nahm zunächst die Ausbildungsmobilität aus EU-Staaten zu, auch im Umfeld der europäischen Finanzkrise und des Sonderprogramms MobiPro-EU, das zwischen 2013 und 2020 gezielt die grenzüberschreitende Ausbildungsmobilität fördern sollte (Studthoff et al., 2024). Parallel fehlten am Arbeitsmarkt schon zu dieser Zeit insbesondere Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung (Tiedemann et al., 2026).

Ab 2015 kamen zusätzliche Impulse durch Fluchtmigration und die Westbalkanregelung beziehungsweise die damit verbundene erleichterte Zuwanderungsmöglichkeit für Staatsangehörige aus den Westbalkan-Staaten hinzu. Dass sich dies nicht unmittelbar in höheren Ausbildungszahlen niederschlug, lag daran, dass zwischen Zuwanderung von Geflüchteten und deren Ausbildungsbeginn meist mehrere Zwischenschritte liegen: Sprachförderung, Berufsorientierung, Berufsvorbereitung, Aufenthaltsklärung und die Suche nach einem passenden Ausbildungsbetrieb. Daher stieg die Zahl ausländischer Auszubildender erst zeitverzögert und nicht im Jahr der Zuwanderung selbst (BIBB, 2025). Es ist somit festzuhalten, dass auch die Fluchtmigration seit 2015 einen Beitrag zur Stabilisierung des deutschen Ausbildungsmarktes geleistet hat.

Die Coronapandemie unterbrach diese Entwicklung nur vorübergehend. Kontaktbeschränkungen erschwerten Berufsorientierung und Bewerbungsverfahren, während sich Betriebe angesichts wirtschaftlicher Unsicherheit bei Neueinstellungen zurückhielten. Seit 2023 steigt die Zahl ausländischer Auszubildender wieder deutlich. Parallel zum Ende der Pandemie haben sich die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Ausbildungsmigration mit dem novellierten Fachkräfteeinwanderungsgesetz und seiner Weiterentwicklung 2023/2024 weiter gelockert (Studthoff et al., 2024).

Insgesamt zeigt sich damit: Die Internationalisierung des Ausbildungsmarktes ist zu einem nennenswerten Teil eine Reaktion auf den demografischen Rückgang und die anhaltenden Fachkräfteengpässe. Ausländische Auszubildende können diese Entwicklung aber bislang nicht vollständig kompensieren (BIBB, 2025).

Ausländische Auszubildende werden immer wichtiger für die Fachkräftesicherung

Ausländische Auszubildende sind inzwischen eine wichtige Zielgruppe am deutschen Ausbildungsmarkt. Ihre Partizipationsquote bei den 15- bis unter 35-Jährigen stieg seit 2004 von 2,6 Prozent auf 6,2 Prozent im Jahr 2025. Sie liegt damit zwar weiterhin unter der Quote deutscher Auszubildender von 7,4 Prozent im Jahr 2025; der Abstand hat sich jedoch deutlich verringert, auch weil die Partizipationsquote der deutschen Jugendlichen seit 2009 tendenziell rückläufig ist (Abbildung).

Allerdings reicht Zuwanderung zur Fachkräftesicherung allein nicht aus (Deschermeier/Schäfer, 2026). Entscheidend sind verlässliche Rahmenbedingungen entlang der gesamten Prozesskette: gezielte Anwerbung, Sprachförderung, Berufsorientierung, Unterstützung bei der Ausbildungsplatzsuche, erfolgreiche Übergänge in Ausbildung, klare Aufenthalts- und Verwaltungsverfahren sowie Begleitung in Betrieb und Berufsschule, um einen erfolgreichen Ausbildungsabschluss und anschließenden Verbleib im deutschen Arbeitsmarkt zu fördern (Studthoff et al., 2024; BIBB, 2025). Die nach wie vor bestehende Partizipationslücke zeigt zugleich, dass bei ausländischen Jugendlichen noch zusätzliches Ausbildungspotenzial erschlossen werden kann. Hierzu ist vor allem die Berufsorientierung und Motivation bei bereits hier lebenden ausländischen Jugendlichen und deren Eltern zu intensivieren.

Ein zunehmend wichtiger Kanal wird künftig die Anwerbung von Auszubildenden aus dem Ausland sein. Hierzu soll die von der Bundesregierung geplante Work-and-Stay-Agentur (WSA) beitragen, um mehr Jugendliche aus dem Ausland für eine Ausbildung in Deutschland zu gewinnen und diese langfristig zu halten. Dabei könnte beispielsweise eine Überleitungsregel bei bestandener Abschlussprüfung den nahtlosen Übergang von Ausbildungs- in Erwerbstitel ermöglichen und die derzeitigen hohen Unsicherheiten, Verzögerungen und administrativen Hürden beim Wechsel von Ausbildung in Beschäftigung abbauen (Stippler et al., 2026).

DOI: 10.67087/19.21662

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IW-Kurzbericht 77/2026
IW-Kurzbericht Nr. 77 30. Oktober 2026 Lydia Malin / Philipp Deschermeier / Dirk Werner

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