Bis 2038 werden die Kapazitäten zur Kohleverstromung in Deutschland zunehmend verringert. Ziel der Studie ist es, die nationale Versorgungssituation im Hinblick auf Energierohstoffe im globalen Kontext zu beschreiben und die Versorgungsrisiken für Deutschland mithilfe eines Energie-Rohstoff-Risiko-Index zu messen.

Eine geringe Anzahl an Ländern mit sehr großem Energiehunger bestimmen den globalen Energiekonsum. Im Jahr 2018 verbrauchten fünf Staaten die Hälfte der globalen Primärenergie: China (24 Prozent) und die USA (17 Prozent) sind bei weitem die wichtigsten Konsumenten. Allerdings haben sich gleichwohl in den letzten beiden Jahrzehnten die Gewichte bei der globalen Energienachfrage zugunsten der Entwicklungs- und Schwellenländer verschoben.

Fossile Brennstoffe dominieren weiterhin den weltweiten Energieverbrauch, obgleich erneuerbare Energieträger zunehmend wichtiger werden. Die fossile Nachfrage wird künftig von den Entwicklungs- und Schwellenländern getrieben, während sich in den OECD-Ländern der Trend Richtung erneuerbare Energieträger fortsetzt. Die zunehmende Elektrifizierung sorgt auch künftig für steigende Stromerzeugungsmengen. Bis 2040 werden feste Brennstoffe voraussichtlich ihre Bedeutung als wichtigste Energieträger imglobalen Stromerzeugungsmix mit erneuerbaren Energieträgern tauschen. Dennoch wird die Einsatzmenge fossiler Energierohstoffe, vor allem von Erdgas, zur Erzeugung von Strom dem aktuellen IEA Outlook zufolge auch künftig absolut steigen. Die Nutzung von Öl wird stark rückläufig sein; der Einsatz fester Brennstoffe wird stagnieren. In den OECD-Ländern wird der Verbrauch von Öl und festen Brennstoffen für die Stromerzeugung sinken.

In den Entwicklungs- und Schwellenländern wird der Endenergiekonsum im Verkehrssektor weiterwachsen, während er in vielen Industriestaaten rückläufig sein wird. Ölprodukte werden auch künftig im Verkehrsbereich eine wichtige, aber zurückgehende Rolle spielen und werden zunehmend durch Strom und alternative Kraftstoffe ersetzt.

Aus geologischer Sicht gibt es bei nicht-erneuerbaren Energierohstoffen weltweit noch große Potenziale. Die Versorgungssituation für Braunkohle ist international gut. Deutschland ist aktuell noch weltweit größter Braunkohleförderer. Anders sieht es bei der Steinkohle aus, die zwar weltweit dank diversifizierter Lagerstätten und eines liquiden Kohleweltmarkts gut verfügbar ist, bei der Deutschland aber von ausländischen Lieferungen abhängig ist. Erdgasvorkommen sind in Deutschland kaum verfügbar, so dass der Bedarf vorrangig über Einfuhren gedeckt werden muss. Weltweit verfügt Erdgas jedoch über ein hohes verbleibendes Potenzial mit einer Vielzahl von Lieferländern. Dank Flüssiggas (LNG) sind die Abnahmeländer auch unabhängiger von Pipelinenetzen und den damit verbundenen relativ starren Lieferstrukturen geworden. Ähnlich wie beim Erdgas sieht es in Deutschland beim Erdöl aus, so dass hier eine hohe Importabhängigkeit – bei einem allerdings hoch liquiden Weltölmarkt – besteht. Besondere Bedeutung verbleibenden globalen Potenzials.

Die Größe und Struktur des Energieverbrauchs in Deutschland werden im Vergleich mit sechs anderen Ländern untersucht. Innerhalb von Europa sind das Frankreich, Italien und Großbritannien. Außerhalb Europas sind es Japan, die USA und China. Seit 2010 war der Primärenergieverbrauch in den sechs betrachteten Industrieländern stagnierend bis rückläufig, während er in China um gut ein Fünftel gestiegen ist. Es zeigen sich deutliche Unterschiede im jeweiligen nationalen Energiemix: Der Primärenergiebedarf ist in den betrachteten Ländern heute noch überwiegend fossil geprägt, auch wenn in einigen Ländern vermehrt erneuerbare Energien genutzt werden. Auch bei der Stromerzeugungsmenge zeigt sich eine gleichbleibende bis rückläufige Entwicklung in den sechs Industrieländern, während sie in China um gut die Hälfte gestiegen ist. In allen Ländern dieses Vergleichs werden fossile Brennstoffe in unterschiedlichen Zusammensetzungen zur Herstellung von Strom verwendet. In allen Ländern bis auf China spielt Erdgas als Brennstoff für die kommerzielle Wärmeerzeugung eine wichtige Rolle, allerdings zeigen sich Unterschiede in der Relevanz von Gas im Energiemix. Deutschland ist das einzige Land in diesem Vergleich, welches auch Braunkohle für die kommerzielle Produktion von Wärme einsetzt. Im Verkehrssektor setzen alle Länder bislang nahezu ausschließlich auf Erdöl und Erdölprodukte, bei zumeist wachsendem Verbrauch. Dabei hat der Endenergieverbrauch im Verkehrssektor seit 2010 mit plus 57 Prozent vor allem in China zugenommen, während er in Deutschland nur mäßig um9 Prozent gestiegen ist. Die USA, Frankreich und Großbritannienweisen ähnlich wie Deutschland eine geringe Zunahme des Konsums auf. In Japan und Italien ist der Verbrauch allerdings rückläufig.

Deutschland und die USA verwenden Braunkohle noch in nennenswerten Mengen, die fast ausschließlich aus einheimischer Produktion stammen. Beim Energieträger Steinkohle setzen die USA fast ausschließlich, aber auch China stark auf ihre einheimische Produktion zur Deckung der Steinkohlenachfrage – die anderen Länder müssen den überwiegenden Teil ihres Steinkohlebedarfs aus dem Ausland beziehen. Es bestehen hier hohe Importabhängigkeiten. Während Länder wie die USA komplett und China sowie Großbritannien im beträchtlichen Maße ihre inländische Nachfrage nach Erdgas aus einheimischer Produktion decken können, sind Länder wie Deutschland, Frankreich und Italien im erheblichen Maße von Erdgaseinfuhren abhängig. In Ländern wie Deutschland, Frankreich, Italien und Japan bestehen beim Erdöl hohe Importabhängigkeiten, aber es gibt häufig auch diversifizierte Bezugsstrukturen. Bei Erdölprodukten sieht die Situation anders aus: Alle Vergleichsländer besitzen erhebliche heimische Raffineriekapazitäten, so dass das inländische Angebot überwiegend aus einheimischer Herstellung stammt. Hier sind die Importabhängigkeiten niedrig bis moderat.

Mithilfe des Energie-Rohstoff-Risiko-Indexwerden die Versorgungsrisiken bei Energierohstoffen rohstoff- und länderspezifisch bewertet und verglichen. Dazu werden Importabhängigkeit, Länderrisiken bei Förderung und Bezug, Preisrisiken und die stoffliche Verfügbarkeit global und landesspezifisch mit geeigneten Indikatoren gemessen und über eine Indexierung vergleichbar gemacht.