Fachkräfteengpässe nehmen weiter zu.

Im Jahr 2017 haben sich die Fachkräfteengpässe bundesweit noch einmal verschärft. Mit 72 Prozent aller offenen Stellen sind fast drei Viertel aller Vakanzen in Engpassberufen ausgeschrieben. Mehr als die Hälfte dieser Vakanzen entfallen auf Berufe, die bereits seit fünf Jahren oder länger Engpässe aufweisen. Der andauernde Fachkräftemangel erfasst somit immer mehr Berufe und Regionen.

Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) haben großen Bedarf an Fachkräften mit Berufsausbildung.

67 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten arbeiten in KMU. Dabei zeigen sich Unterschiede nach Qualifikationsniveau: Während Fachkräfte mit Berufsausbildung mit 70 Prozent überproportional häufiger in KMU arbeiten, sind nur 56 Prozent der Akademiker in KMU beschäftigt. Folglich haben KMU besonders großen Bedarf an Fachkräften mit Berufsausbildung. Zu den typischen KMU-Berufen gehören besonders viele handwerkliche Berufe, wie etwa in der Kältetechnik und der Hörgeräteakustik, aber auch in der Altenpflege. Alle drei Berufe gehören bereits seit mehreren Jahren zu den Berufen mit den stärksten Engpässen.

Sieben von zehn Stellen in KMU-typischen Berufen sind in Engpassberufen ausgeschrieben.

Insbesondere in Berufen, die typisch für KMU sind, hat sich die Fachkräftesituation in den letzten Jahren drastisch verschärft. Waren 2012 in KMU-typischen Berufen etwa vier von zehn Stellen in Engpassberufen ausgeschrieben, waren es zuletzt sieben von zehn Stellen. Bei Berufen, die typisch für Großunternehmen sind, waren 2012 sieben und 2017 neun von zehn Stellen in Engpassberufen ausgeschrieben. Nachdem die Situation in Großunternehmen schon lange angespannt ist, haben nun auch KMU zunehmend mit Engpässen zu kämpfen. Dabei sind für KMU nicht nur die KMU-typischen Berufe eine Herausforderung. Auch KMU, die Fachkräfte für in Großunternehmen typischen Berufen suchen, haben es bei der Fachkräftesuche durch die Konkurrenz schwer. Zudem ist eine Verlagerung der Berufe festzustellen: Während sich die Diskussion um den Fachkräftemangel lange um Akademiker wie Ingenieure und Informatiker drehte, rückt der Mangel an Fachkräften mit Berufsausbildung immer stärker in den Fokus.

Unternehmen fällt es zunehmend schwerer, ihre Ausbildungsstellen zu besetzen.

Im Ausbildungsjahr 2016/2017 blieben 48.900 Stellen unbesetzt. Darin noch nicht enthalten sind die Angebote von Betrieben, die ihre Stellen nicht (mehr) der Arbeitsagentur melden. Vor zehn Jahren gab es noch 80.000 ausbildende Kleinstbetriebe mit maximal neun Beschäftigten mehr als heute, obwohl die Gesamtzahl der Kleinstbetriebe sogar leicht gestiegen ist. Ein wesentlicher Grund für diese Entwicklung ist, dass kleine Unternehmen bei der Suche nach Auszubildenden am häufigsten leer ausgehen. Bei Großunternehmen ist zwar nicht die Zahl der Ausbildungsbetriebe gesunken, aber die Zahl der Auszubildenden je Ausbildungsbetrieb um 18 Prozent.

KMU sollten ihre Attraktivität als Arbeitgeber und Ausbilder stärken.

Obwohl der Fachkräftebedarf so hoch wie nie ist, wird deutlich weniger ausgebildet. Dies liegt zum einen an der abnehmenden Zahl der Schulabgänger und zum anderen am Trend zu Abitur und Studium. Die niedrigeren Ausbildungszahlen sowie die hohen Übernahmequoten nach der Ausbildung machen es für Unternehmen schwieriger, ausgebildete Fachkräfte extern auf dem Arbeitsmarkt zu rekrutieren. Umso wichtiger ist es, dass auch KMU in den Aufbau und Ausbau ihrer Arbeitgebermarke investieren, um so als Ausbildungsbetrieb sichtbar zu sein und die eigene Ausbildungsaktivität aufrechterhalten zu können.

Unternehmen steigern das Ausbildungsangebot in Berufen mit Fachkräfteengpässen.

Positiv zu verzeichnen ist, dass sich das Ausbildungsangebot in Ausbildungsberufen, für die auf dem Arbeitsmarkt Fachkräfteengpässe bestehen, deutlich besser entwickelt als in Berufen ohne Engpässe. In Berufen ohne aktuelle Fachkräfteengpässe ist das Angebot an Ausbildungsstellen seit 2012 um 9,3 Prozent gesunken. In Berufen, in denen schon seit 2011 ohne Unterbrechung starke Fachkräfteengpässe vorliegen, ist das Ausbildungsangebot im gleichen Zeitraum hingegen um 13,4 Prozent gestiegen. Unternehmen reagieren auf Fachkräfteengpässe also bereits mit einer deutlichen Ausweitung des Ausbildungsangebots.

In Engpassberufen bleiben weniger Ausbildungsstellenbewerber unversorgt.

Diese Erhöhung des Ausbildungsangebots insgesamt geht zwar mit einer steigenden Anzahl von unbesetzten Ausbildungsstellen einher, der Anteil unbesetzter Ausbildungsstellen ist in den Engpassberufen jedoch weiterhin deutlich geringer als in den Berufen ohne Engpässe. Damit gelingt die Besetzung von Ausbildungsstellen in Engpassberufen wie auch in den Jahren zuvor überproportional gut. Unternehmen schaffen es somit, für Bewerber attraktiv zu sein und diese gut zu integrieren. Somit nutzen Unternehmen die Bewerberpotenziale in Engpassberufen besser als in anderen Berufen. Betriebliche Ausbildung ist nach wie vor der zentrale Weg zur Fachkräftesicherung auch für KMU.

Politik und Wirtschaft sollten breiter für duale Ausbildung und deren Perspektiven werben.

Von einem Rückzug der Unternehmen aus der Ausbildung kann somit generell nicht die Rede sein. KMU haben aber zunehmende Schwierigkeiten, ihre angebotenen Ausbildungsplätze und offenen Stellen für qualifizierte Fachkräfte zu besetzen. Daher benötigen insbesondere KMU noch mehr Unterstützung bei der Werbung für eine duale Berufsausbildung und bei der Erschließung neuer Zielgruppen, wie beispielsweise Geflüchtete und Menschen mit Lernschwierigkeiten. Hierbei unterstützen die Bundesagentur für Arbeit, das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie sowie weitere Akteure mit Fördermaßnahmen. Zudem leistet die Allianz für Aus- und Weiterbildung einen wichtigen Beitrag, die Sichtbarkeit der Ausbildung zu steigern.