Es wird oft diskutiert, ob und wenn ja, welche Tätigkeiten durch Maschinen, Algorithmen oder digitale Geschäftsmodelle ersetzt und welche Risiken dadurch für Arbeit und Wohlstand entstehen werden. Bisherige Analysen deuten jedoch (noch) nicht auf eine breite Substitution von Arbeitskräften durch Roboter und Algorithmen hin (Burstedde/Schirner, 2019; Stettes, 2019) und zeigen vielfältige Chancen der Digitalisierung auf. Es findet allerdings ein laufender Wandel der nachgefragten beruflichen Qualifikationen und Kompetenzen statt. Burstedde und Schirner (2019) weisen darauf hin, dass neue Technologien zu einer Veränderung bestehender Berufsbilder führen, deren Tätigkeits- und Kompetenzprofile sich laufend an neue Anforderungen anpassen. Die Arbeitsnachfrage verändert sich naturgemäß schneller als sich die Qualifikations- und Kompetenzprofile der (noch verfügbaren) Arbeitskräfte anpassen. Dies ist eine wesentliche Ursache für den Fachkräftemangel, die zudem die Aus- und Weiterbildung einem zunehmenden Anpassungs- und Innovationsdruck aussetzt.
Damit gemessen werden kann, wie sehr der Fachkräftemangel die deutsche Wirtschaft bei der digitalen Transformation behindert, muss zunächst definiert werden, welche Berufe dafür benötigt werden. Das Ziel dieser Studie ist daher, die Gruppe der „Digitalisierungsberufe“ zu bestimmen, in denen eine ausreichende Anzahl von qualifizierten Arbeitskräften für eine erfolgreiche Gestaltung der Digitalisierung benötigt wird. Dazu wird zunächst definiert, was einen Digitalisierungsberuf kennzeichnet und welche Grundsätze der hier vorgenommenen Abgrenzung zugrunde liegen. Dabei kommt die Klassifikation der Berufe von 2010 (kurz: KldB; BA, 2020a) zur Anwendung. Anschließend werden die Methodik vorgestellt und darauf aufbauend Digitalisierungsberufe identifiziert. Eine kurze Zusammenfassung rundet die Analyse schließlich ab.