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IW-Kurzbericht Nr. 59 4. September 2026 Fabian Semsarha / Gero Kunath / Lydia Malin Internationale Fachkräfte dämpfen Beschäftigungsrückgang in Ostdeutschland

Der demografische Wandel trifft die ostdeutschen Flächenländer besonders stark. Internationale Fachkräfte leisten einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung und dämpfen den Beschäftigungsrückgang.

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IW-Kurzbericht 59/2026
IW-Kurzbericht Nr. 59 4. September 2026 Fabian Semsarha / Gero Kunath / Lydia Malin

Internationale Fachkräfte dämpfen Beschäftigungsrückgang in Ostdeutschland

Fabian Semsarha / Gero Kunath / Lydia Malin Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Der demografische Wandel trifft die ostdeutschen Flächenländer besonders stark. Internationale Fachkräfte leisten einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung und dämpfen den Beschäftigungsrückgang.

Im bundesweiten Vergleich arbeiten immer noch vergleichsweise wenige internationale Fachkräfte in den ostdeutschen Flächenländern – damit bleibt ein großes Potenzial für die wirtschaftliche Entwicklung der Region ungenutzt.

Wirtschaft wächst im Osten schneller, Beschäftigung langsamer

Die wirtschaftliche Entwicklung verlief in den ostdeutschen Flächenländern in den vergangenen zehn Jahren deutlich positiver als in Westdeutschland: In den Jahren 2015 bis 2019 wuchs das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) in den ostdeutschen Flächenländern (ohne Berlin) um 2,0 Prozent pro Jahr, während der Westen nur um 1,7 Prozent zulegte. Im Bundesdurchschnitt waren 1,8 Prozent zu verzeichnen (Statistische Ämter des Bundes und der Länder, 2026). Seit der Coronapandemie stagnierte das deutsche Wirtschaftswachstum weitestgehend und die schwache Konjunktur hinterlässt Spuren: In den Jahren 2020 bis 2025 betrug die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate des BIP nur 0,05 Prozent. Westdeutschland verzeichnete mit minus 0,01 Prozent sogar einen leichten Rückgang, während in den ostdeutschen Flächenländern die Wirtschaftsleistung jährlich immerhin um durchschnittlich 0,37 Prozent anstieg.

Trotz dieser wirtschaftlich positiven Entwicklung in Ostdeutschland stieg die Zahl qualifizierter Arbeitskräfte in sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung nur gering – während sie in Westdeutschland deutlich zulegte. Im Jahresdurchschnitt 2024/2025 (d. h. im Zeitraum zwischen Juli 2024 und Juni 2025) lag die Zahl qualifizierter Beschäftigter in den ostdeutschen Flächenländern nur um 3,0 Prozent höher als im Jahresdurchschnitt 2014/2015. In Westdeutschland waren es hingegen plus 14,6 Prozent. Vor allem die Alterung der Erwerbsbevölkerung belastete die Beschäftigungsentwicklung in den ostdeutschen Bundesländern zuletzt stark. Zwischen den Jahresdurchschnitten 2019/2020 und 2024/2025 sank die Beschäftigung am aktuellen Rand um 1,1 Prozent. Zum Vergleich: In Westdeutschland stieg die Zahl qualifizierter Beschäftigter im gleichen Zeitraum immerhin um 3,9 Prozent.

Internationale Fachkräfte bremsen Beschäftigungsrückgang

Die Wachstumsrate bei der Zahl qualifizierter Beschäftigter in den ostdeutschen Flächenländern nach Staatsangehörigkeit zeigt, dass internationale Fachkräfte aus EU- und Drittstaaten den Beschäftigungsrückgang seit 2014 deutlich gedämpft haben (Abbildung).

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Bis zum Jahr 2019 trugen vor allem Deutsche und EU-Bürger zum Beschäftigungsaufbau bei. Drittstaatsangehörige spielten nur eine nachgeordnete Rolle. Seit 2019 ist die Zahl qualifizierter Beschäftigter mit deutscher Staatsangehörigkeit in der Region rückläufig und ihr Wachstumsbeitrag zunehmend negativ. EU-Bürger leisteten zwar weiterhin einen positiven Beitrag, der allerdings aktuell ebenfalls deutlich abnimmt. Drittstaaten-Angehörige gewinnen dagegen an Gewicht: Am aktuellen Rand ist ihr Beitrag zur Beschäftigungsentwicklung deutlich positiv und höher als in früheren Jahren.

Die ostdeutschen Flächenländer sind, weil immer mehr vor allem deutsche Babyboomer in Rente gehen, auf Zugewanderte und deren nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt angewiesen. Ohne Zuwanderung aus EU- und Drittstaaten läge die Beschäftigung im gesamten Betrachtungszeitraum um rund 191.000 qualifizierte Arbeitskräfte (5,3 Prozent) niedriger.

Zwischen den Bundesländern gibt es dabei deutliche Unterschiede: In Sachsen-Anhalt und Thüringen ist trotz Zuwanderung die Zahl der qualifizierten sozialversicherungspflichtig Beschäftigten um 6.448 beziehungsweise 12.207 Personen geschrumpft. In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg ging zwar die Zahl der deutschen Fachkräfte um 12.741 bzw. 800 zurück, ausländische Beschäftigte glichen diesen Rückgang jedoch nicht nur aus, sondern sorgten mit einem Zuwachs von 18.223 bzw. 49.933 Personen sogar für Beschäftigungswachstum. Sachsen verzeichnet als einziges ostdeutsches Flächenland nicht nur bei ausländischen Fachkräften einen Zuwachs (+67.317), sondern auch bei deutschen (+3.661).

Internationale Fachkräfte tragen insbesondere zur Fachkräftesicherung in Engpassberufen bei. Von allen derzeit in den ostdeutschen Flächenländern beschäftigten internationalen Fachkräften arbeiten knapp 160.000 in Engpassberufen – also in Berufen, in denen ein Fachkräftemangel besteht, wie bei Berufskraftfahrern und Ärzten, in der Pflege der Kraftfahrzeugtechnik, bei Köchen und im Gastroservice.

Beitrag ausländischer Fachkräfte wird unterschätzt

Der Beitrag von Fachkräften mit Einwanderungsgeschichte zur Stabilisierung des ostdeutschen Arbeitsmarkts dürfte größer sein, als amtliche Zahlen zeigen: Von 2015 bis 2025 wurden bundesweit rund 1,8 Millionen Menschen eingebürgert (Destatis 2026a), allein 2025 rund 332.500 (Destatis 2026b). Sie werden seither in der Beschäftigungsstatistik als Deutsche erfasst. Wegen des geringeren Zuwanderungsanteils dürfte der Effekt in Ostdeutschland jedoch schwächer ausfallen als in Westdeutschland.

Dreifache Belastung des Fachkräfteangebots in Ostdeutschland

Das Fachkräfteangebot in den ostdeutschen Flächenländern steht von mehreren Seiten unter Druck. Der Beschäftigungsrückgang unter deutschen Staatsbürgern ist vorwiegend auf das demografisch bedingte Ausscheiden aus dem Arbeitsmarkt zurückzuführen (Statistisches Bundesamt, 2026c). Verschärft wird die Lage durch die zuletzt wieder negative Binnenwanderung: Seit 2023 verzeichnen die ostdeutschen Flächenländer einen negativen Wanderungssaldo gegenüber Westdeutschland. Besonders Thüringen verlor 2024 per Saldo rund 3.600 Personen an westdeutsche Bundesländer (Destatis 2026d). Hinzu kommt, dass der Anteil zugewanderter Fachkräfte in den ostdeutschen Flächenländern im bundesweiten Vergleich weiterhin sehr niedrig ist und weiter sinken könnte.

Fazit

Ostdeutschland ist bereits heute auf internationale Fachkräfte angewiesen, um den Rückgang der Erwerbsbevölkerung zu dämpfen. Der Beitrag von Beschäftigten aus Drittstaaten hat kontinuierlich an Gewicht gewonnen und dürfte angesichts schwindender Zuwanderungspotenziale aus den klassischen EU-Herkunftsländern weiter zunehmen. Umso wichtiger ist es, sowohl den weiteren Zuzug als auch den Verbleib ausländischer Fachkräfte in Ostdeutschland aktiv zu fördern. Gemessen an den Hauptabwanderungsgründen von Migranten aus Deutschland bestehen Spielräume – auf staatlicher und gesellschaftlicher Seite – insbesondere bei Bürokratieabbau, am Wohnungsmarkt sowie bei der Bekämpfung von Diskriminierung und einem offeneren politischem Klima (Kosyakova et al. 2026). Eine effiziente Work-and-Stay-Agentur könnte bürokratische Hürden spürbar senken. Hinsichtlich Weltoffenheit und politischem Klima steht insbesondere für Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern mit den diesjährigen Landtagswahlen zentrale Weichenstellungen an, die mit über die künftige Zuwanderung und die Nutzung entsprechender Potenziale entscheiden dürfte. 
 

DOI: 10.67087/19.21468

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IW-Kurzbericht Nr. 59 4. September 2026 Fabian Semsarha / Gero Kunath / Lydia Malin

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