Die Lohnquote: ein statistisches Artefakt und seine Interpretationsgrenzen
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Die Lohnquote ist in Deutschland in den letzten beiden Jahren mit deutlich unter 70 Prozent auf einen der niedrigsten Werte seit Anfang der siebziger Jahre gefallen. Das ist allerdings auch eine normale Reaktion bei einer beginnenden wirtschaftlichen Erholung. Dieses verteilungspolitische Maß eignet sich jedoch aus einer Vielzahl von Gründen nicht, um die Einkommensposition der Arbeitnehmer und die des gesamten Arbeitsangebots einer Volkswirtschaft adäquat zu beschreiben. Die privaten Haushalte beziehen einen wachsenden Anteil ihres Einkommens aus Kapitalvermögen. Außerdem erfasst die Lohnquote nicht die vom Gewicht her bedeutender werdenden Arbeitseinkommen der Selbstständigen. Nicht zuletzt haben die hohen Lohnzuwächse in der Vergangenheit zwar einerseits dazu beigetragen, die Lohnquote zu stabilisieren. Andererseits hat die damit einhergehende Arbeitslosigkeit die Einkommensposition der Arbeitnehmer geschwächt.
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IW