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IW-Report Nr. 57 14. November 2025 Alexander Burstedde / Paula Risius / Hubertus Bardt Wehrpflichtsdebatte: Attraktivität der Bundeswehr entscheidend

Deutschland sieht sich mit einer verschärften Bedrohungslage konfrontiert. Infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine wurde bereits eine „Zeitenwende“ ausgerufen. Die Steigerung der Verteidigungsfähigkeit beinhaltet auch einen deutlichen Personalaufbau bei der Bundeswehr.

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Für den personellen Aufwuchs ist vor allem der Verbleib zentral.
IW-Report Nr. 57 14. November 2025 Alexander Burstedde / Paula Risius / Hubertus Bardt

Wehrpflichtsdebatte: Attraktivität der Bundeswehr entscheidend

Alexander Burstedde / Paula Risius / Hubertus Bardt Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Deutschland sieht sich mit einer verschärften Bedrohungslage konfrontiert. Infolge des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine wurde bereits eine „Zeitenwende“ ausgerufen. Die Steigerung der Verteidigungsfähigkeit beinhaltet auch einen deutlichen Personalaufbau bei der Bundeswehr.

Die Zahl der Soldaten und Reservisten in Deutschland soll sich bis 2035 von aktuell etwa 230.000 auf 460.000 verdoppeln. Aus den heute knapp über 180.000 Soldaten sollen dann 260.000 werden. Um diese Sollstärke zu erreichen, möchte die Bundesregierung die Zahl der Freiwillig Wehrdienst Leistenden (Schreibweise der Bundeswehr) deutlich erhöhen. Zentral für die Verteidigungsfähigkeit ist die Zahl der einsatzbereiten Soldaten und Reservisten, die aus dem Freiwilligen Wehrdienst hervorgehen. Je nachhaltiger diese Rekrutierung gelingt, desto weniger Freiwillige werden benötigt.

Aus ökonomischer Perspektive ist entscheidend, möglichst wenig Personen für den Wehrdienst einzuplanen, die an anderer Stelle produktiver tätig sein könnten. Die Fragestellung der vorliegenden Analyse ist also: Wie kann die Verteidigungsfähigkeit so erhöht werden, dass die volkswirtschaftliche Leistungsfähigkeit möglichst wenig beeinträchtigt wird? Die Studie berechnet dazu Szenarien für den personellen Aufwuchs der Bundeswehr auf Basis unterschiedlicher Annahmen zur Zahl der Freiwilligen und zur Attraktivität des Diensts. Auf Basis des bisherigen Rekrutierungserfolgs der Bundeswehr und den Erfahrungen aus Schweden dürfte, die mit dem Neuen Wehrdienst geplante Erhöhung auf 40.000 Freiwillige jährlich bis 2031 nicht ausreichen, um die Sollstärke zu erreichen. In diesem Basisszenario würde die Zahl der Soldaten und Reservisten bis 2035 um knapp 50 Prozent steigen und bis 2040 um etwa 65 Prozent. Eine Verdopplung erfordert eine Verringerung der Abbrüche, und dass sich mehr Menschen für eine Verpflichtung als Soldat auf Zeit entscheiden. In einem entsprechend optimistischen Szenario mit attraktivem Dienst könnte das Plus bis 2035 knapp 80 Prozent betragen und die Sollstärke bis 2039 erreicht werden. Um die Sollstärke schon wie gewünscht im Jahr 2035 zu erreichen, müsste die Zahl der Freiwillig Wehrdienst Leistenden schneller und deutlicher erhöht werden, bis auf 50.000 im Jahr 2029. Mit mehr Freiwilligen kann der Aufwuchs also beschleunigt werden, für seine Nachhaltigkeit ist jedoch die Attraktivität des Diensts ausschlaggebend.

Eine Wehrpflicht würde viele Menschen zum Wehrdienst verpflichten, die weder Soldaten noch Reservisten werden wollen – mit geringen längerfristigen Effekten für die Verteidigungsfähigkeit, aber hohen Kosten. Aus Gründen der Wehrgerechtigkeit könnte eine Wehrpflicht einen Ersatzdienst ähnlich dem früheren Zivildienst nach sich ziehen, was noch mehr junge Menschen vom Arbeitsmarkt fernhalten und somit die Kosten noch deutlich erhöhen würde. Um den personellen Aufwuchs der Bundeswehr kostengünstig zu gestalten, geben wir folgende Handlungsempfehlungen:

  • Aus ökonomischer Sicht ist es ratsam, den Wehrdienst so attraktiv zu gestalten, dass der Aufwuchs auf freiwilliger Basis gelingen kann. Die benötigten Soldaten und Reservisten sollten aus der kleinstmöglichen Zahl an Freiwillig Wehrdienst Leistenden gewonnen werden. Dafür sollten sich Bundeswehr und Politik darauf konzentrieren, die Attraktivität des Diensts zu steigern.
  • Eine Wehrpflicht oder allgemeine Dienstpflicht wäre sehr teuer. Solange sie im Raum steht, könnte sie zudem die Bemühungen um mehr Attraktivität verringern. Der geplante Zielkorridor sollte deshalb auch Attraktivitätsmerkmale wie Abbruch- und Erstverpflichtungsquoten beinhalten und nicht einseitig auf eine Erhöhung der Einstellungen kurzfristig Wehrdienstleistender abzielen.
  • Der angestrebte hohe Einstiegssold lässt sich mit der Wehrgerechtigkeit begründen. Es könnte jedoch sinnvoll sein, die Auszahlung stärker an ein Durchhalten zu knüpfen, wie es in Schweden der Fall ist. Damit könnten unerwünschte Mitnahmeeffekte reduziert und die hohen Abbruchquoten gesenkt werden.
  • Beginn und Ende des Wehrdiensts sollten von den Wehrdienstleistenden so gewählt werden können, dass sie möglichst nahtlose Übergänge in Bildung und Erwerbstätigkeit ermöglichen.
  • Der Freiwillige Wehrdienst sollte nicht deutlich länger sein, als es zur Gewinnung von Soldaten auf Zeit und aktiven Reservisten notwendig ist. Hier könnte es sinnvoll sein, diesbezüglich weniger aussichtsreiche Freiwillig Wehrdienst Leistende vorzeitig in Ausbildung, Studium oder Erwerbstätigkeit zu vermitteln.
  • Die Bundeswehr braucht mehr Flexibilität, um allen motivierten und geeigneten Soldaten eine Verlängerung ihres Diensts zu ermöglichen.
  • Eine Ausweitung der Wehrpflicht auf Frauen erscheint wenig zielführend. Vielmehr sollte die Bundeswehr konsequent ihren Weg weiter gehen, die Bundeswehr auch für Frauen zu einem attraktiven Arbeitsumfeld zu machen.
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