2025 beziehen 1,1 Millionen Personen eine Altersrente, obwohl sie das gesetzliche Renteneintrittsalter noch nicht erreicht haben. Das geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hervor. Der Trend zur Frührente setzt sich damit fort.
Babyboomer: Nur 37 Prozent gehen regulär in den Ruhestand
Im Jahr 2025 haben die 1958 geborenen Babyboomer das gesetzliche Rentenalter erreicht. Nur 37 Prozent von ihnen bezogen ihre Rente erst ab dem regulären Zeitpunkt mit 66 Jahren. Mehr als die Hälfte des Jahrgangs bezog vorzeitig eine Altersrente. So hörten 27 Prozent nach mindestens 45 Versicherungsjahren ohne Abschläge auf, 18 Prozent mit Abschlägen. Weitere sieben Prozent gingen aufgrund einer Schwerbehinderung vorzeitig in Rente. Sechs Prozent wechselten mit Erreichen des gesetzlichen Rentenalters vom Bezug einer vollen Erwerbsminderungsrente in die Altersrente.
Rentenrecht macht den vorzeitigen Ausstieg attraktiv
Damit setzt sich der Trend zur Frührente fort: 2025 waren zusätzlich 1,1 Millionen Menschen der Jahrgänge 1960 bis 1963 in Altersrente, obwohl sie die Regelaltersgrenze noch nicht erreicht hatten. Von Jahrgang zu Jahrgang sinkt zwischen 1954 und 1958 der Anteil derer, die ihre Altersrente erst mit Erreichen der Regelaltersgrenze beginnen. Zugleich steigt der Anteil derer, die mit Abschlägen früher in Rente gehen. Die Anhebung der Altersgrenze verfehlt damit ihr Ziel: Von 2012 bis 2025 stieg das gesetzliche Renteneintrittsalter um 14 Monate, das durchschnittliche Rentenzugangsalter dagegen nur um acht Monate.
Der Grund: Das Rentenrecht macht den vorzeitigen Ausstieg attraktiv. Wer 45 Versicherungsjahre erreicht hat, kann zwei Jahre vor Erreichen der Regelaltersgrenze ohne Abschläge aufhören. Wer 35 Jahre versichert war, darf ab 63 mit Abschlägen gehen. Seit dem Wegfall der Hinzuverdienstgrenze im Jahr 2023 nutzen aber immer mehr Menschen die Möglichkeit, danach unbegrenzt zur Rente hinzuzuverdienen.
Frührente beschränken, um Wachstum zu ermöglichen
Der Druck auf die Sozialsysteme und den Arbeitsmarkt wächst damit. Die Alterssicherungskommission hat daher empfohlen, die abschlagsfreie Frührente nach 45 Versicherungsjahren zu streichen und das Zugangsalter für langjährig Versicherte von 63 auf 64 Jahre anzuheben. Die Vorschläge der Alterssicherungskommission zur weiteren Anhebung der Regelaltersgrenze über 2031 hinaus sind im Vergleich zur Anhebung seit 2012 moderat. „Entscheidend ist jetzt, nicht noch mehr Arbeitskräfte vorzeitig gehen zu lassen, die Deutschland dringend braucht. Ohne die Einschränkungen bei der Frührente setzt sich die jüngste wirtschaftliche Krise in den nächsten Jahren fort“, sagt IW-Arbeitsmarktexpertin Stefanie Seele.
Zur Methodik: Für die IW-Auswertung wurde der Rentenversicherungsbestand in der Vollerhebung zum Stichtag 31.12.2025 für Deutschland ausgewertet. Im Rentenbestand des Jahrgangs 1958 sind 45 Prozent als Regelaltersrentner geführt. 17 Prozent dieser Gruppe wechselten jedoch aus einer vollen Erwerbsminderungsrente in die Regelaltersrente, bezogen also schon vorher eine Rente. Rechnet man sie heraus, bleiben 37 Prozent. Drei Prozent des Jahrgangs erhielten keine gesetzliche Altersrente. Zu den Babyboomern zählen die geburtenstarken Jahrgänge 1954 bis 1969.
Auch 2025: 1,1 Millionen Babyboomer beziehen vorzeitig ihre Rente
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Auch 2025: 1,1 Millionen Babyboomer beziehen vorzeitig ihre Rente
2025 bezogen knapp 7 Millionen Babyboomer eine Altersrente. 12 Millionen folgen bis Mitte der 2030er Jahre.
IW
Reformen: Abschlagsfreie Rente beizubehalten ist nicht zielführend
Die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren soll abgeschafft werden, so sieht es zumindest das Reformprogramm der Bundesregierung vor. Doch die SPD protestiert. IW-Direktor Michael Hüther ist von der Position der SPD überrascht und übt scharfe Kritik.
IW