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Tarifpolitik Pressemitteilung Nr. 48 28. November 2005

Bescheidenheit lohnt sich

Die Erhöhung der Mehrwertsteuer um 3 Prozentpunkte birgt ab 2006 Sprengstoff für die Tarifverhandlungen. Schon bisher haben die Gewerkschaften mit dem Hinweis auf gestiegene und steigende Preise den lohnpolitischen Verteilungsspielraum überstrapaziert.

So sind die Tariflöhne je Arbeitsstunde zwischen 1995 und 2004 um 20,3 Prozent gestiegen und damit deutlich schneller als die gesamtwirtschaftliche Produktivität, die nur um 16,6 Prozent zunahm. Dabei mussten in Westdeutschland die Papier verarbeitende Industrie sowie die Metall- und Elektro-Industrie mit 29 Prozent die größten Tariflohnzuwächse verkraften. In Ostdeutschland legten die Entgelte in der Chemischen Industrie mit 53 Prozent am stärksten zu.

Die Unternehmen haben darauf unter anderem reagiert, indem sie die übertariflichen Zulagen zurückgestutzt haben. Die Effektivlöhne stiegen damit allein in den vergangenen drei Jahren jeweils um 0,7 Prozent langsamer als die Tariflöhne. Vor allem aber haben Betriebe gerade weniger produktiven Mitarbeitern gekündigt. Um diesen Trend umzukehren, ist lohnpolitische Bescheidenheit gefragt: Nach Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln erhöht sich die Zahl der Erwerbstätigen und der von ihnen geleisteten Arbeitsstunden nach einem Jahr um jeweils 0,4 Prozent, wenn die Lohnerhöhungen um 1 Prozentpunkt hinter dem Produktivitätswachstum zurückbleiben. Dies entspricht einem Zuwachs von etwa 130.000 Erwerbstätigen oder 222 Millionen Arbeitsstunden.

Hagen LeschLohnpolitik und Beschäftigung in DeutschlandIW-Trends 4/2005

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