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Größter EU-Profiteur: Bulgarien (© Foto: iStock)
Markos Jung IW-Nachricht 18. Juni 2020

EU-Konjunkturpaket: An diese Länder zahlt die EU mehr als deren BIP einbricht

Die Europäische Kommission will einen Fonds in Höhe von 750 Milliarden Euro zur Bekämpfung der Corona-Krise aufsetzen. Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) hat ausgerechnet, in welcher Relation die zu erwartenden Transfers zum wirtschaftlichen Schaden der jeweiligen EU-Staaten durch die Krise stehen. Es zeigt sich: Einige Länder profitieren besonders – sie erhalten mehr Geld aus den Transfers als sie durch den Einbruch des BIP im Jahr 2020 verlieren.

Die Europäische Kommission hat ein Konjunkturpaket in Höhe von 750 Milliarden Euro vorgeschlagen, um die Folgen der Corona-Krise abzufedern. 400 bis 500 Milliarden Euro sollen als Transfers über den nächsten mehrjährigen Finanzrahmen von 2021 bis 2027 verteilt werden. Welche Länder wie viele Corona-Hilfen bekommen, wurde noch nicht offiziell verkündet. Im Raum steht, dass bei der Verteilung Indikatoren wie das Bruttoinlandsprodukt und die Arbeitslosenquote herangezogen werden.

Neun EU-Länder werden für 2020 überkompensiert

Das IW hat aufgrund von Schätzungen der Europäischen Kommission die wirtschaftlichen Schäden der einzelnen Länder den Transfers gegenübergestellt. Es zeigt sich: Wendet man den voraussichtlichen Verteilungsschlüssel an, erhalten einige Staaten – gemessen am jeweiligen BIP-Rückgang im Jahr 2020 – überproportionale Hilfen. Bulgarien wäre demnach größter Profiteur des Corona-Hilfspakets. Während die Wirtschaft des Landes laut Prognose der EU-Kommission in diesem Jahr voraussichtlich um rund sieben Prozent einbricht, erhält das Land Transfers in Höhe von 15 Prozent des BIP. Unterm Strich erhält das Land also rund acht Prozentpunkte mehr, als ihm verlorengeht – umgerechnet rund 4,8 Milliarden Euro.

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Neben Bulgarien würden auch Kroatien, Polen, Rumänien und Lettland – relativ zum BIP-Verlust – zu den fünf größten Profiteuren des Corona-Hilfspakets zählen. Irland, Frankreich, Belgien, die Niederlande und Deutschland liegen dagegen auf den letzten Plätzen. Sie erhalten zwar ebenfalls Milliardensummen aus dem Hilfsfonds, doch gemessen an der höheren Wirtschaftskraft und dem prognostizierten BIP-Rückgang 2020 fallen die Hilfen nicht so stark ins Gewicht. Deutschland erhielte knapp 29 Milliarden Euro, hätte aber bei einem von der EU-Kommission prognostizierten realen BIP-Rückgang von 6,5 Prozent wirtschaftliche Verluste von preisbereinigt 223 Milliarden Euro zu verkraften.

Insgesamt sind die Verluste für alle hoch

„Es ginge zu weit, die durch das EU-Paket überkompensierten Länder als Gewinner der Corona-Krise zu bezeichnen“, sagt IW-Experte Markos Jung. Insgesamt seien die wirtschaftlichen Folgen für alle Länder immens. Das IW rechnet damit, dass die deutschen Exporte im Jahr 2020 preisbereinigt um ein Viertel einbrechen. „Angesichts dessen wäre eine Stärkung der Konjunktur im gesamten EU-Binnenmarkt insbesondere für Deutschland wichtig“, sagt Jung. Allerdings müssten für einen starken konjunkturellen Impuls die Mittel recht bald fließen – tatsächlich sollen die Gelder aber erst in den kommenden Jahren zur Verfügung gestellt werden, ein Großteil erst ab 2023.

Die Rechnung berücksichtigt zudem nicht die ursprünglichen Wachstumsprognosen vom vergangenen Winter und mögliche wirtschaftliche Einbußen in den kommenden Jahren. Definiert man den finanziellen Verlust nicht nur als den jetzt prognostizierten BIP-Verlust für 2020, sondern als Differenz zwischen der neuen und der Vorkrisenprognose, erhöht sich der finanzielle Schaden deutlich. Zudem sind die Werte lediglich Bruttowerte. Künftige Rückzahlungen der für die Transfers aufzunehmenden Kredite aus dem mehrjährigen Finanzrahmen sind noch nicht einbezogen. Es ist zu erwarten, dass bevölkerungsreiche Länder wie Deutschland, Frankreich und Italien einen größeren Anteil der Hilfsgelder zurückzahlen, weil sie einen hohen Anteil des EU-Budgets stemmen.

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Matthias Diermeier / Florian Güldner / Markos Jung: Next Generation Solidarity – EU-Wachstumspaket statt Konjunkturhilfen

IW-Kurzbericht

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