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Zeige Bild in Lightbox Brexit-Gegner demonstrieren für die Rückkehr in die EU
Eine klare Mehrheit hält den Austritt inzwischen für einen wirtschaftspolitischen Fehler. (© Gettyimages)
IW-Nachricht 19. Juni 2026 Jürgen Matthes / Samina Sultan

Zehn Jahre Brexit: Verlustgeschäft für Großbritannien und Deutschland

Nach Schätzungen ist die britische Wirtschaftsleistung um bis zu acht Prozent gesunken – und die deutschen Exporte ins Vereinigte Königreich sind seit 2016 um gut sieben Prozent eingebrochen, wie Berechnungen des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zeigen.

Sechs bis acht Prozent reale Wirtschaftsleistung – so viel kostet der Brexit das Vereinigte Königreich laut einer Stanford-Studie. Die Brexit-Kampagne hatte noch ganz anderes versprochen: weniger EU-Beiträge, weniger Regulierung und neue globale Handelschancen. Dass das ein Luftschloss war, haben Ökonomen schon damals klar benannt. Heute sehen es die Briten auch so: Eine klare Mehrheit hält den Austritt inzwischen für einen wirtschaftspolitischen Fehler.

Ob die Entscheidung genauso gefallen wäre, hätten die Briten gewusst, wie unruhig die Geopolitik im folgenden Jahrzehnt werden würde? So viel darf man zumindest vermuten: Wann immer neue Zölle aus Washington ins Haus flattern, China seine ökonomischen Daumenschrauben anzieht oder Lieferketten zerbrechen, dürfte so mancher in London der alten Verhandlungsposition nachtrauern. Selbst die erhoffte Wiederbelebung der „Special Relationship" mit den USA gelang nicht: Gemessen an den effektiven Zollsätzen ist ihr Handelsdeal mit den USA nur marginal besser als der EU-US-Deal. 

Deutsche Exporte ins Königreich brechen ein

Doch der Brexit ist nicht nur für die britische Wirtschaft nach hinten losgegangen, sondern hat auch den deutsch-britischen Handel spürbar gedämpft. So waren die deutschen Ausfuhren in das Vereinigte Königreich in den zehn Jahren vor dem Brexit-Referendum von 2006 bis 2015 noch um fast 38 Prozent gestiegen – deutlich stärker als die Exporte in die übrigen EU-Staaten, die in diesem Zeitraum um rund 20 Prozent wuchsen. In der Dekade danach hat sich das Blatt jedoch gewendet: Zwischen 2016 und 2025 sanken die deutschen Ausfuhren in das Vereinigte Königreich um rund sieben Prozent. An einer generell schwachen Exportentwicklung lang das nicht. Im Gegenteil: Die deutschen Exporte in die übrige EU nahmen in diesem Zeitraum um 41 Prozent zu – und damit deutlich stärker als in der Dekade zuvor. 

Deutschland würde von der Rückkehr Großbritanniens in die EU profitieren

Wenn jenseits des Ärmelkanals inzwischen wieder über den Austritt vom Austritt nachgedacht wird, also einem Beitritt zur EU oder zumindest dem Binnenmarkt, wäre das im Interesse Deutschlands. Denn auch Berlin kann in einer geopolitisch unruhigen Welt über jeden verlässlichen Partner dankbar sein. Das Vereinigte Königreich ist da besonders wichtig, weil es wirtschaftlich bedeutsam und zudem sicherheitspolitisch stark ist. Hinzu kommt: Innerhalb der EU wären die Briten eine Stimme der wirtschaftlichen Vernunft und damit ein Gegengewicht gegen protektionistische und bürokratische Anwandlungen anderer EU-Mitgliedsstaaten.

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