1. Home
  2. Presse
  3. IW-Nachrichten
  4. Italienische Sorgen
Zeige Bild in Lightbox Italienische Sorgen
(© Foto: Luciano Mortula - Fotolia)
Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Euroländer IW-Nachricht 11. Juli 2011

Italienische Sorgen

Das Vertrauen in Italien schwindet. Die Risikoaufschläge auf die Zinsen für zehnjährige Staatsanleihen bewegen sich in Höhen wie noch nie seit Beginn der Währungsunion. Auslöser waren Zweifel, ob der konsequent sparende italienische Finanzminister im Amt bleiben würde. Jetzt könnte Ungemach drohen, weil es dieses Mal das drittgrößte Land der EU trifft. Dabei steht Italien wesentlich besser da als die anderen Krisenstaaten.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Zwei Rating-Agenturen haben vor kurzem gewarnt, dass sie die Bonitätsbewertung Italiens möglicherweise bald herabstufen würden. Um dagegenzuhalten, hatte der italienische Finanzmister erst vor einer guten Woche ein neues Sparpaket verkündet. Doch der italienische Ministerpräsident Berlusconi stand nicht voll hinter seinem Minister. In normalen Zeiten würde man dies als politisches Geplänkel abtun. Doch momentan sind die Finanzmärkte extrem nervös. Gerüchte über spekulative Attacken von US-Hedgefonds auf Italien heizen die Sorge der Anleger noch an. Daher halten sich Investoren beim Kauf von italienischen Staatsanleihen immer mehr zurück. Die Folge: Die Kurse der Papiere sinken und die Zinsen steigen in bedrohlichem Tempo.

Bei aller Sorge darf jedoch nicht vergessen werden, dass Italien wirtschaftlich besser dasteht als die anderen Sorgenkinder Griechenland und Portugal. Zwar ist der staatliche Schuldenstand mit rund 120 Prozent der Wirtschaftsleistung hoch. Doch das staatliche Haushaltsdefizit liegt „nur“ bei rund 4 Prozent der Wirtschaftsleistung. Das Land hat in der Krise nicht wie viele andere Staaten teure Konjunkturpakete geschnürt, sondern von Anfang an einen konsequenten Konsolidierungskurs beschritten. Die EU-Kommission hat Italien jüngst sogar gelobt, weil das Land schneller sparen will, als die EU es vorgibt.

Für dieses Jahr hat die OECD zudem ein BIP-Wachstum von 1,1 Prozent, für 2012 von 1,6 Prozent prognostiziert. Die Arbeitslosenquote beträgt lediglich rund 8,5 Prozent. Auch die Exporte entwickeln sich recht günstig. Darüber hinaus sparen die Italiener vergleichsweise viel, sodass sich das Land wesentlich weniger als Griechenland und Portugal im Ausland verschulden musste. Schließlich gelten auch die italienischen Banken als relativ gesund.

Die italienische Regierung muss nun drei Dinge tun: das neue Sparpaket schnell und konsequent verabschieden, weitere Strukturreformen in Gang setzen, um neues Wachstumspotenzial zu schaffen und – vor allem – tunlichst weitere politische Irritationen vermeiden.

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Wie gelingen Wiederaufbau und Strukturwandel?
Sandra Parthie Veranstaltung 10. November 2021

EU-Wirtschaft nach Corona: Wie gelingen Wiederaufbau und Strukturwandel?

Mit „NextGenerationEU” stellt die EU umfassende Zuschüsse und Darlehen für öffentliche Investitionen und Reformen in den Mitgliedstaaten bereit. Mindestens 37% sind davon für zukunftsweisende Investitionen und Strukturreformen zugunsten des Klimaschutzes ...

IW

Artikel lesen
Michael Hüther in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung Gastbeitrag 7. November 2021

Was tun gegen die Stagflation?

Der Staat muss die Wirtschaft mit Klimahilfen und Steuerentlastungen ankurbeln, schreibt IW-Direktor Michael Hüther in einem Gastbeitrag in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880