Nach der aktuellen Schnellschätzung des Statistischen Bundesamts ist die Wirtschaftsleistung in Deutschland im zweiten Quartal um 10,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal eingebrochen. Nachdem das Bruttoinlandsprodukt schon im ersten Quartal um zwei Prozent zurückgegangen war, kumuliert sich der Rückgang auf real 11,9 Prozent im Vergleich zu Ende 2019. Hinter den Zahlen stecken die wirtschaftlich normal verlaufende Zeit bis Mitte März, die harten Corona-Einschnitte im Frühjahr und erste Erholungstendenzen im Mai und Juni. Ab dem nächsten Quartal wird somit auch wieder Wachstum zu verzeichnen sein.

Noch keine nachhaltige Erholung

Auch wenn der Tiefpunkt der Krise durchschritten ist, kann von einer nachhaltigen Erholung noch keine Rede sein. Die deutsche Wirtschaft befindet sich immer noch inmitten der schwersten Rezession in der Geschichte der Bundesrepublik. Die Rückkehr zum Vorkrisenniveau wird deutlich langsamer vonstattengehen als der Einbruch im März und April. So lag der Umsatz der gewerblichen Wirtschaft im Juni immer noch 9,6 Prozent unter dem Vorkrisenwert aus dem Februar. Die Industrieproduktion lag im Mai ganze 22,5 Prozent niedriger als im Februar, die Autoindustrie verzeichnete ein Minus von 50 Prozent. Die für die deutsche Wirtschaft wichtigen Exporte sanken von Februar bis Mai um fast 27 Prozent, die Auftragseingänge der Industrie um fast 31 Prozent. 

Bedingungen für Investitionen verbessern

Die Bundesregierung hat mit ihrem Konjunkturprogramm ein Bündel von Maßnahmen beschlossen, um die Nachfrage anzukurbeln. Das hat zum Teil funktioniert: Das Verbrauchervertrauen hat sich wieder verbessert, die Konsumaussichten hellen sich auf. Unklar ist derweil, ob auch größere Summen investiert werden: Aktuelle Daten zur Automobil-Neuzulassung stehen noch aus. Im Juni haben die Bundesbürger etwa ein Drittel weniger neue Autos angemeldet als noch im Vorjahresmonat. „Das Konjunkturprogramm der Bundesregierung muss ergänzt werden“, sagt IW-Wissenschaftsleiter und Konjunkturexperte Hubertus Bardt. „Wir brauchen dringend bessere Wachstumsbedingungen. Nur mit neuen Investitionen am Standort Deutschland ist ein nachhaltiger Aufschwung möglich.“