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IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer
Michael Voigtländer im Handelsblatt Interview 25. Januar 2022

„Erheblicher Vertrauensverlust für Eigentümer”

Im Interview mit dem Handelsblatt wertet IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer den Stopp der Leistungen für energieeffiziente Gebäude als fatales Signal. Den größten Hebel für den Klimaschutz sieht er nicht im Neubau.

Am Montag hatte das Bundeswirtschafts- und Klimaschutzministerium (BMWK) die Neubauhilfe des Standards 55 endgültig gestoppt. Die Unterstützung des strengeren Standards 40 wurde vorläufig eingestellt. Michael Voigtländer hält das Förder-Aus für den Standard 55 für einen Fehler. Es handele sich dabei um einen ganz gut umsetzbaren Standard. „Vor zu hohen Standards sollten wir uns hüten.“

Herr Voigtländer, wie beurteilen Sie das vorläufige Förder-Aus für energieeffiziente Gebäude?

Das ist ein schlechtes Signal. Die Bundesregierung will doch, dass die Unternehmen bei der energetischen Sanierung Gas geben. Seit Jahren wird geklagt, dass zu wenig saniert wurde. Jetzt ist die Nachfrage hoch – und dann wird die Förderung gestoppt, weil man mit der Antragsflut nicht zurechtkommt. Das ist fatal.

„Je höher die Standards, desto teurer wird der Bau oder die Sanierung von Wohnungen”

Das Ministerium argumentiert, der KfW-Förderstandard 55 sei gängige Praxis und müsse darum nicht mehr gefördert werden. Falsch?

Ja. Es ist ein Standard, der ganz gut umsetzbar ist. Es ist doch so: Je höher die Standards, desto teurer wird der Bau oder die Sanierung von Wohnungen. Und das steht dann irgendwann nicht mehr im Verhältnis zu den CO2-Einsparungen. So ist es beim ehrgeizigeren KfW-Förderstandard 40: Die Kosten sind um ein Vielfaches höher, aber die weiteren Einsparungen bei den CO2-Emissionen vergleichsweise gering.

Der KfW-Standard 55 ist also keine Verschwendung von Steuergeldern?

Nein, dem Vorwurf schließe ich mich nicht an. Wir müssen einfach vorankommen beim Bau energieeffizienter Häuser und bei der Gebäudesanierung, bei der wir enorm im Rückstand sind. Die Verzögerungen durch das Aus beim Förderstandard KfW 55 und die Pause beim Förderstandard KfW 40 können wir uns nicht erlauben.

Ist der KfW-Standard 40 bei Bestandsgebäuden überhaupt realistisch?

Im Neubau ist es einfacher, höhere Standards zu erreichen. Im Bestand ist es mitunter sehr schwierig und vor allem sehr kostspielig. Auch darum war der 55-Förderstandard ein guter Zwischenschritt. Vor zu hohen Standards sollten wir uns hüten: Der größte Hebel, den wir im Gebäudesektor haben, liegt in der Sanierung der besonders schlecht gedämmten oder wenig sanierten Bestandsgebäude. Und je ehrgeiziger die politischen Vorgaben, desto weniger wird saniert, vor allem, wenn die Rahmenbedingungen nicht stimmen. Das Hin und Her ist für weitere große Investitionen jedenfalls nicht förderlich.

Wirtschaftsminister Robert Habeck bremst die neue Bauministerin Klara Geywitz, die für 400.000 neue Wohnungen pro Jahr sorgen soll, ziemlich aus.

Richtig. Das ist ein ganz schlechtes Signal und ein erheblicher Vertrauensverlust für Eigentümer und die Immobilienbranche. Die Regierung hätte besser erst eine neue Fördersystematik entwickelt und dann das Förder-Aus nach den alten Regelungen beschlossen.

Zum Interview auf handelsblatt.com

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