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Jürgen Matthes in der tz Interview 8. Januar 2016

Das China: Beben: Was es für die deutsche Wirtschaft bedeutet

Der Handel mit Aktien wurde im Reich der Mitte ausgesetzt, auch der Dax verlor massiv. Die Münchner Tageszeitung tz sprach mit IW-Ökonom Jürgen Matthes darüber, was passiert ist und wie die deutsche Wirtschaft reagiert.

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Warum diese Kurs-Achterbahn an Chinas Börsen?

Die Börsen haben immer wieder darauf reagiert, dass sich die Wachstumsaussichten in China verschlechtert haben. Es sind zudem Zweifel daran aufgekommen, wie das chinesische Wachstumsmodell die Transformation von einer industrie- und exportorientierten Wirtschaft hin zu einer stärker dienstleistungs- und konsumorientierten Wirtschaft meistert. Diese Unsicherheit wirkt sich an den Börsen aus.

Muss man sich denn ernsthaft Sorgen um China machen?

Das hängt sehr von der Perspektive ab. Ein Wachstum von etwa sieben Prozent wie im letzten Jahr ist natürlich für unsere Verhältnisse exorbitant hoch. Wenn man aber bedenkt, dass die chinesisichen Wachstumsraten noch vor Kurzem bei zehn Prozent oder darüber lagen, dann handelt es sich natürlich um eine deutliche Verlangsamung des Wachstums. Spannend werden die Zahlen fürs vierte Quartal des vergangenen Jahres – da wird sich zeigen, ob das Wachstum nicht sogar noch unter die Schwelle von 7 Prozent gesunken ist. Außerdem stellt sich die Frage, ob das Wachstum nicht generell langsamer ist und ob die offiziell gemeldeten Zahlen nicht zu hoch sind.

Welche Konsequenzen hat diese Situation für uns hier in Deutschland?

An der Börse ist das offensichtlich: In den letzten Monaten ging es für den Dax immer wieder rauf und runter. Diese größeren Schwankungen würde ich aber nicht überbewerten, solange es nicht zu einer tiefen Krise in China kommt. Viel gravierender sind die realwirtschaftlichen Auswirkungen, die über die Börsenkurse hinausgehen.

Was droht dort?

Wenn die chinesische Wirtschaft nicht mehr so stark wächst, spürt das natürlich die deutsche Exportwirtschaft. In der Phase, als es hier in Europa schlechter lief, haben die Exporte nach China die Absatzeinbußen in Europa kompensieren können. Jetzt sind die Vorzeichen umgekehrt. Zwar läuft es in China schlechter, aber die Märkte in Europa und den USA erholen sich.

Können die Einbrüche in China tatsächlich so kompensiert werden?

Gesamtwirtschaftlich gesehen durchaus. Die Exportanteile in die Europäische Union sind deutlich höher als die nach China. Wenn sich einzelne Unternehmen sehr auf China konzentriert haben, haben sie in dem Fall natürlich das Nachsehen gegenüber der Konkurrenz, die auf mehreren Absatzmärkten vertreten ist.

Für wie robust halten Sie die deutsche Konjunktur?

Wir haben ein konsumgetriebenes Wachstum auf Basis eines gut laufenden Arbeitsmarktes. Unterstützt wird das Ganze durch zwei Einmal-Effekte: den niedrigen Ölpreis und den Euro-Wechselkurs. Die Frage ist jetzt, wie die Investitionen reagieren, die schon in den vergangenen Jahren eher verhalten waren. Da sehen wir auch heuer kein echtes Anspringen der Investitionskonjunktur.

Die bayerischen Metallarbeitgeber nannten die konsumgetriebene Konjunktur als Scheinkonjunktur, die der Industrie nicht helfe. Ist da was dran?

Ja, die deutsche Industrie hängt natürlich eher am Export. Der Konsum treibt eher die Dienstleistungsbranche an – bei der Industrie bleibt da weniger hängen. Das Wachstum 2015 könnte sich – auch dank der Sondereffekte Ölpreis und Euro-Wechselkurs – teils als ein Konsum-Strohfeuer entpuppen.

Das Interview auf merkur.de

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