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(© Foto: fatihhoca/iStock)
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Axel Plünnecke in der Süddeutschen Zeitung Interview 14. August 2017

Bildungsmonitor 2017: Zwölf Milliarden Euro

Im Interview mit der Süddeutschen Zeitung verrät IW-Ökonom Axel Plünnecke erste Ergebnisse des Bildungsmonitors 2017. Er empfiehlt, mehr Geld in gerechte Bildung zu investieren, also in mehr Kitaplätze und eine bessere Qualität, mehr Ganztagsschulen und in eine bessere Integration von Flüchtlingskindern.

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Herr Plünnecke, diesen Donnerstag veröffentlichen Sie den Bildungsmonitor 2017. Was wird drinstehen?

Der Monitor misst ja Fortschritte im deutschen Bildungssystem. Seit seinem Start in 2004 gab es zunächst starke Verbesserungen, aber die Dynamik hat zuletzt nachgelassen - und das ist auch diesmal leider so. Angesichts der großen Aufgaben - Integration, Digitalisierung und demografischer Wandel - brauchen wir also dringend neue Impulse.

Das Besondere an Ihrer Analyse ist, dass sie die Bundesländer vergleicht. Welche stechen besonders hervor?

In den letzten Jahren lag Sachsen im Ranking deutlich vorn. Es versorgt seine Bürger weiterhin sehr gut mit Ganztagsschulen und beweist in allen Vergleichstests eine hohe Schulqualität. Auch aktuell verpassen nur sehr wenige Schüler die Mindeststandards. Aber in der Integration lässt Sachsen nach, und es fehlen Lehrer.

Wie steht Bayern da?

Bayern ist stark in der beruflichen Bildung und investiert seine Mittel sehr effizient, beim Ganztagsschulangebot sehen wir trotz Fortschritten weiterhin Defizite. Wo genau es im Ranking steht, kann jetzt noch nicht verraten werden.

Aber das Schlusslicht verraten Sie uns?

Na gut. Berlin bleibt hinten, rückt aber ran. Und die Hauptstadt hat auch Stärken! Sie ist sehr fit in der Forschung der Hochschulen und beim Forschernachwuchs. Berlins Sorgenkinder bleiben die Schulqualität, die Integration und die Bildungsarmut.

Ein wichtiges Kriterium in Ihren Analysen ist die Durchlässigkeit.

Ja, sie ist zweifach zentral: für die Gerechtigkeit und für das Wachstum. Ein Land, das Fachkräfte braucht, sollte junge Menschen möglichst unabhängig von ihrer sozialen Herkunft ausbilden. Da sind wir dann gleich beim Thema Zuwanderung: Die Quote der Schulabbrecher unter Migranten ist gestiegen, nicht gefallen. Natürlich auch wegen der vielen jungen Flüchtlinge.

Was schlagen Sie vor?

Mehr Qualität durch Vergleichsarbeiten und Schulautonomie, mehr Förderung in der Kita, mehr Ganztagsschulen. Letzteres bringt uns heute schon Fachkräfte, weil Eltern leichter arbeiten gehen können, und alles zusammen verbessert die Bildung des Nachwuchses. Wer in der Kita gut Deutsch lernt, profitiert stärker von der Schule, und wer auch nachmittags Bildungsanreize erhält, kann Nachteile der sozialen Herkunft noch besser ausgleichen.

Haben Sie kalkuliert, was das kostet?

Haben wir. Die Integration von Flüchtlingen von Kita über Schule bis Ausbildung veranschlagen wir mit jährlichen Mehrkosten von 3,5 Milliarden Euro. Weitere fünf Milliarden kostet es, mehr unter Dreijährige in den Kitas zu haben, wir sprechen hier von 100 000 Plätzen, und generell die Qualität zu erhöhen, wie durch mehr Erzieher.

8,5 Milliarden Euro im Jahr...

...Moment, die Ganztagsschule fehlt noch. Rund 70 Prozent der Eltern haben einen Bedarf. Hat der Staat die Kapazitäten entsprechend ausgebaut, wird der komplette Ganztagsschulbetrieb 2,7 Milliarden Euro teurer im Jahr. Außerdem sollten wir neue Studienplätze für 100 000 ausländische Studierende schaffen, macht etwa 0,8 Milliarden. Deutschland, vor allem der Osten, braucht diese Internationalisierung.

Können wir Kassensturz machen?

Zwölf Milliarden zusätzlich. Dabei geht es nicht pauschal um mehr Geld, sondern um gezielte Ausgaben, die Wachstum und Gerechtigkeit stärken.

Was steht noch auf Ihrer Agenda?

Wir empfehlen die Elternbeiträge für Kitas zu senken und die Kernzeiten abzuschaffen. Der erste Bildungsschritt, auf dem alles aufbaut, sollte jeden erreichen. Im Gegenzug könnte man am Ende der Bildungskette, im Studium, Gebühren nehmen, die später vom Gehalt gezahlt werden. Bildungsökonomisch wäre das sinnvoller als die jetzige Praxis.

Zum Interview auf sueddeutsche.de

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