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(© Foto: Johan Ramberg/iStock)
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Michael Hüther in der Wirtschaftswoche Gastbeitrag 27. Mai 2016

Gleiche Chancen, nicht gleiches Gehalt

Wir brauchen in Deutschland mehr Chancengleichheit. Die Ungleichheit aber wird das nicht einebnen, schreibt IW-Direktor Michael Hüther in der Wirtschaftswoche.

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Auch wenn die empirische Basis für die These, die Mittelschicht sei geschrumpft, beim DIW erodiert, wird man nicht behaupten können, alles sei gut. Der Beschäftigungsaufbau der letzten Jahre drängt die Frage auf, warum angesichts dessen die Mitte nicht stärker geworden ist. Wohlfeil erscheint der Hinweis, dass es an Chancengerechtigkeit - gedeutet als Chancengleichheit - mangele. Deshalb müsse durch das Steuer- und Transfersystem umverteilt werden. Was eingängig klingt, hat einen Haken: Die Erwartung, Chancengleichheit führe zu einer höheren Gleichverteilung der Markteinkommen, ist nicht gut begründet. Denn grundsätzlich - so der Philosoph Hermann Lübbe - ist zu beachten, dass Chancengleichheit individuelle Unterschiede freisetzt und somit egalisierte Beteiligungsgelegenheiten erst recht ökonomische, soziale und kulturelle Differenzierungen verursachen. Wer Chancengleichheit als Gerechtigkeitsideal anpreist, darf nicht der Illusion unterliegen, so die Verteilung der Einkommen zu nivellieren.

Die soziale Marktwirtschaft trägt dem Rechnung, indem sie über die Wettbewerbspolitik dafür sorgt, dass Marktmacht bekämpft wird. Das kann eine Ungleichheit der Einkommen zur Folge haben, die ist dann aber fairen Bedingungen entsprungen. Das ändert nichts an den guten Gründen für Chancengleichheit. Denn wenn die Chancenverteilung fair ist, dann ist die Orientierung an der Leistung ebenso leichter zu vermitteln wie die Gewährung des Grundsicherungsbedarfs. Tatsächlich kann sich Deutschland da sehen lassen. Seit 2000 hat sich der Effekt des sozioökonomischen Hintergrundes der Familien auf die Bildungserfolge der Kinder verringert. Unter Armutsgefährdeten machen sich heute 33 Prozent große Sorgen um ihre wirtschaftlichen Verhältnisse, vor zehn Jahren waren es 50 Prozent. Aus den Verbesserungen sollten wir für die Lösung verbliebener Probleme lernen, nicht aus Fehldeutungen und darauf beruhender Skandalisierung.

Zum Artikel auf wiwo.de

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