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Michael Grömling in der Fuldaer Zeitung Gastbeitrag 11. Januar 2019

Entschleunigung in Deutschland

Nach dem starken Expansionsjahr 2017 und dem guten Start in das Jahr 2018 hat die Konjunkturdynamik hierzulande merklich nachgelassen, schreibt IW-Konjunkturexperte Michael Grömling in einem Gastbeitrag in der Fuldaer Zeitung.

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Die Probleme in der Automobilbranche durch die Verzögerungen bei einem neuen Prüfverfahren haben die Moderation im Sommer 2018 erheblich verstärkt. Das nachlassende Konjunkturtempo erklärt sich jedoch vorwiegend aus der schwächeren Gangart der Weltwirtschaft. Dies bremst über die schwächeren Auslandsgeschäfte der deutschen Industrie die konjunkturelle Dynamik.

Eine Rezession droht der deutschen Wirtschaft nach gegenwärtiger Bewertung der Daten und Risiken nicht. Dies zeigt auch die Konjunkturumfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Demnach gehen gut 38 Prozent der befragten Unternehmen davon aus, dass ihre Produktion in diesem Jahr höher ausfallen wird als 2018. Dagegen erwarten gut 14 Prozent einen Rückgang. Der Anteil der Optimisten ist allerdings im Jahresverlauf 2018 um 13 Prozentpunkte zurückgegangen, der Anteil der Pessimisten um 6 Prozentpunkte gestiegen.

Für diese zurückgeschraubte Erwartungshaltung der Unternehmen kommen mehrere Argumente in Betracht:

  • Die Unsicherheiten durch den Protektionismus der USA und die Gegenreaktionen der betroffenen Länder – insbesondere von China.
  • Das Wiederaufflammen von Finanzmarktverwerfungen durch die Staatsverschuldung Italiens sowie infolge des Austritts des Vereinigten Königreichs (UK) aus der Europäischen Union. Eine erneute Finanzmarktkrise kann die konjunkturelle Dynamik in Europa empfindlich stören oder im schlimmsten Fall abwürgen.
  • Sollte sich beim Brexit ein Scheitern des Austrittsabkommens („No-Deal“) einstellen, dann würde auch die deutsche Wirtschaft über Zölle, Grenzkontrollen und die zunächst hohe rechtliche Unsicherheit beim Handel zwischen der EU und dem UK beeinträchtigt werden.
  • Auch erratische Schwankungen der Öl- und Rohstoffpreise können die Nachfrage- und Angebotsseite der Volkswirtschaft belasten und bei stark anziehender Inflation den geldpolitischen Handlungsbedarf erhöhen – mit insgesamt restriktiven Auswirkungen.

Diese Risiken wirken bereits über die damit verbundene Verunsicherung dämpfend auf die Wirtschaftserwartungen der Unternehmen – auch wenn die Risiken nicht eintreten. Die Weltwirtschaft wird voraussichtlich auf einem abgeschwächten Expansionskurs bleiben und dies hält auch den deutschen Außenhandel in der Spur. Allerdings bleiben die deutschen Exporte hinter dem globalen Handelstempo zurück, weil sich die weltweite Nachfrage nach Investitionsgütern abgeschwächt hat. Die leichte Euro-Abwertung kann dies nicht ausgleichen, zumal die inländische Kostenentwicklung die Wettbewerbsfähigkeit nicht begünstigt.

Die Erholung bei den Unternehmensinvestitionen hat im Gefolge der wachsenden globalen Verunsicherung und der zunächst schleppenden Weltkonjunktur wieder nachgelassen. Der Investitionszyklus reißt hierzulande nicht ab. Die IW-Konjunkturumfrage signalisiert allerdings eine nachlassende Investitionsneigung – trotz der nach wie vor guten Finanzierungsbedingungen und der insgesamt gut ausgelasteten Kapazitäten. Die Bauinvestitionen werden mehr und mehr von den Aktivitäten im Geschoßwohnungsbau und von staatlicher Seite durch Infrastrukturmaßnahmen angetrieben. Bei weiterhin günstigen Finanzierungsbedingungen wird vor allem die Baunachfrage in den Ballungsräumen die Bauwirtschaft begünstigen.

Die gute Beschäftigungs- und Einkommensentwicklung sorgt auch im Jahr 2019 für eine gute Konsumkonjunktur. Gleichwohl wirkt die leicht anziehende Inflation etwas dämpfend auf die Kauflaune.

Die Konjunktur wird sich entschleunigen. In Stagnationsnähe kommt die deutsche Wirtschaft nicht, aber das Wachstum fällt 2019 mit nur noch 1,2 Prozent sehr verhalten aus. Dies findet auch seinen Niederschlag am Arbeitsmarkt. Die Beschäftigung wird weiter ansteigen und die Arbeitslosigkeit wird weiter zurückgehen. Die Bewegungen werden aber auch hier gemächlicher.

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