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(© Foto: iStock)
Hans-Peter Klös / Hilmar Schneider auf Focus online Gastbeitrag 1. Juli 2020

Der lange Corona-Schatten: So bedroht die Pandemie die Existenz vieler Deutscher

Arbeit ist für viele Menschen mehr als nur ein Broterwerb: Wer arbeitet, ist nicht nur seltener von Armut bedroht, sondern lebt nachweislich zufriedener, glücklicher und gesünder als andere. Die Corona-Pandemie bedroht nun viele Deutsche in ihrer Existenz – mit drastischen Folgen, schreiben IW-Wissenschaftsleiter Hans-Peter Klös und Hilmar Schneider vom IZA in einem Gastbeitrag für Focus online.

Die Corona-Pandemie hat deutliche Spuren am Arbeitsmarkt hinterlassen: Nachdem die Bundesagentur jahrelang gute Nachrichten veröffentlichte, gibt es nun wieder deutlich mehr Arbeitslose, deutlich mehr Insolvenzen und deutlich weniger Beschäftigung. Das wird sich nach und nach auch auf andere gesellschaftlich relevante Größen auswirken: Denn Arbeit ist für viele Deutsche längst viel mehr als nur ein Broterwerb. Tatsächlich beeinflusst Erwerbstätigkeit auch stark Zufriedenheit, Lebensqualität und sogar den Gesundheitszustand.

Arbeit ermöglicht Teilhabe und Anerkennung

Nie waren die Deutschen so zufrieden wie vor der Krise. Erwerbstätige Menschen sind dabei zufriedener als Arbeitslose. Und: Für die Zufriedenheit ist es deutlich wichtiger, dass Arbeit grundsätzlich vorhanden ist, weniger ausschlaggebend ist dagegen, welcher Art von Arbeit jemand nachgeht. Besonders Männer verknüpfen mit Arbeit auch immaterielle Faktoren, die letztendlich die Lebensqualität beeinflussen, beispielsweise Teilhabe, Anerkennung durch Kollegen und Vorgesetzte sowie soziale Kontakte. Zudem sind Berufstätige auch gesünder als Arbeitslose, sie sind psychisch seltener beeinträchtigt und resilienter.

Arbeit ist zugleich aber auch essenziell, um Armut vorzubeugen. Die Armutsgefährdungsquote in Deutschland lag 2018 bei Arbeitslosen bei knapp 70 Prozent, bei Erwerbstätigen dagegen unter zehn Prozent. Die Zahl derjenigen, die trotz einer Vollzeitstelle staatliche Hilfe brauchten, ist seit 2012 um 80.000 auf 122.000 (Juni 2019) zurückgegangen. Gleichzeitig ist Arbeit der wichtigste Faktor, um ein Vermögen aufzubauen. Viele Erwerbsunterbrechungen oder Wechsel zwischen abhängiger und selbstständiger Arbeit wirken sich dagegen eher negativ auf die Vermögensbildung aus.

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Angst vor Arbeitslosigkeit bedrückt

Vor der Corona-Krise war der deutsche Arbeitsmarkt in hervorragender Verfassung: Drei Viertel der Erwerbstätigen gaben 2018 an, dass sie sich keine Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen – das dürfte sich inzwischen geändert haben. Das hat Folgen: Schon die Angst, arbeitslos werden zu können, scheint Lebensqualität und Zufriedenheit ähnlich stark zu drücken wie tatsächliche Arbeitslosigkeit.

Darüber hinaus hat die Pandemie aber noch weitere Folgen, die längst noch nicht zu beziffern sind. Insbesondere Menschen mit Migrationshintergrund dürften es deutlich schwerer haben, in absehbarer Zeit wieder einen Job im Dienstleistungssektor zu finden. Arbeitslosigkeit könnte sich in den kommenden Jahren verfestigen – und auch die Langzeitarbeitslosigkeit könnte in den nächsten Monaten und Jahren ansteigen. Die Langzeitfolgen von Corona für den Arbeitsmarkt sind noch längst nicht absehbar.

Zum Gastbeitrag auf focus.de

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