1. Home
  2. Studien
  3. Woran anpassen?
Umwelt-Service 10. August 2008 Klima-Anpassung Woran anpassen?

Entscheidungen unter Unsicherheit sind für das unternehmerische Handeln alles andere als eine Seltenheit, doch jede weitere Unsicherheit macht vorausschauendes Handeln schwerer. Der Klimawandel und die Klimapolitik gehören zu jenen Unsicherheiten, die den Entscheidungssituationen einen neuen Parameter hinzufügen. Im Juni 2008 befragte die Forschungsstelle Ökonomie/Ökologie 185 Teilnehmer des IW-Umweltexpertenpanels, davon 120 Befragte aus Unternehmen und 65 aus Wirtschaftsverbänden und Kammern. Die Rücklaufquote erreichte erneut knapp 75 Prozent.

PDF herunterladen
Woran anpassen?
Umwelt-Service 10. August 2008 Klima-Anpassung

Woran anpassen?

Klima-Anpassung Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Entscheidungen unter Unsicherheit sind für das unternehmerische Handeln alles andere als eine Seltenheit, doch jede weitere Unsicherheit macht vorausschauendes Handeln schwerer. Der Klimawandel und die Klimapolitik gehören zu jenen Unsicherheiten, die den Entscheidungssituationen einen neuen Parameter hinzufügen. Im Juni 2008 befragte die Forschungsstelle Ökonomie/Ökologie 185 Teilnehmer des IW-Umweltexpertenpanels, davon 120 Befragte aus Unternehmen und 65 aus Wirtschaftsverbänden und Kammern. Die Rücklaufquote erreichte erneut knapp 75 Prozent.

Eine hauchdünne Mehrheit der Panelteilnehmer sieht die Unternehmen bereits jetzt vom Klimawandel betroffen; dies antworteten genau 51,1 Prozent. Ein weiteres knappes Drittel erwartet Auswirkungen des Klimawandels in den kommenden 10 Jahren. Nur wenige Befragte sehen ihre Produkte, ihre Produktion und ihre Standorte erst langfristig betroffen, und rund 8 Prozent sehen solche Auswirkungen überhaupt nicht auf sich zukommen. Hier sind kleinere Unternehmen überdurchschnittlich stark vertreten. Die hohe gegenwärtige Betroffenheit ist auch ein Hinweis auf die schon heute für Unternehmen folgenreichen klimapolitischen Maßnahmen.

In welcher Gestalt könnte der anthropogene Klimawandel Unternehmen in Deutschland betreffen? Sind es immer negative oder auch öfter positive Folgen? Für die Befragten des Umweltexpertenpanels gehen die stärksten Wirkungen von Stürmen und Starkregenereignissen aus, und zwar überwiegend negative. Starkregenereignisse können aber neben negativen auch positive Folgen haben wie das Auffüllen von Wasserreserven. Viel häufiger findet sich ein Sowohl-als-auch bei dem erwarteten Temperaturanstieg. Ausschließlich positive Folgen sieht auch hier nur eine Minderheit. Unternehmen der Bauindustrie profitieren vor allem von weniger Frosttagen. Mit größeren Veränderungen müssen nicht allein Land- und Forstwirtschaft sondern auch die Branchen, die ihre Produkte weiter verarbeiten, rechnen. Beim prognostizierten Rückgang der Niederschlagsmenge im Sommer fällt die Bilanz wieder negativer aus. Auf eine hinreichende Wasserverfügbarkeit sind viele Branchen angewiesen. Deutlich negativere Folgen werden mit einem häufigeren Auftreten von Hagel verknüpft, wenngleich auch hier einzelne Unternehmen Marktchancen sehen.

Fast die Hälfte der Unternehmen reagiert auf die erwarteten Folgen des Klimawandels: Maßnahmen geplant und oftmals bereits durchgeführt wurden von 46 Prozent der Unternehmen; weitere 18 Prozent haben mögliche Folgen identifiziert, planen aber noch keine Maßnahmen. Seltener wird von Diskussionen zu den Auswirkungen des Klimawandels berichtet, die zu dem Ergebnis führen, dass keine Maßnahmen erforderlich sind. Ein knappes Drittel der Befragten Unternehmensvertreter gibt schließlich an, dass in ihrem Unternehmen noch nicht über mögliche Folgen des Klimawandels diskutiert wurde. Dies sind vornehmlich kleine und mittlere Unternehmen. Aktiv sind die Unternehmen, die sich bereits heute von den Folgen des Klimawandels betroffen sehen. Diskussionen über Anpassungsmaßnahmen erübrigen sich dort, wo keine Auswirkungen des Klimawandels erwartet werden.

Ihrerseits unterstützen die Verbände ihre Mitgliedsunternehmen beim Thema Klimawandel. Auch hierzu liefert die aktuelle Panelwelle aufschlussreiche Daten: Die häufigste Unterstützung greift die Hauptfrage der Diskussion auf: Wie wird sich wann und wo das Klima verändern? Fast jeder zweite Verbandsvertreter nennt die Bereitstellung von Ergebnissen der Klimaforschung als eine Form der Unterstützung und antwortet damit auf eine rege Nachfrage. Ein gutes Drittel der Verbände und Kammern sammelt und verbreitet Best-Practise-Beispiele. Beinahe ebenso viele Wirtschaftsvereinigungen bieten Beratungen an. Jeder fünfte Verband organisiert Veranstaltungen zum Thema Klimawandel und Anpassung. Die Verbandsvertreter ergänzten, dass sie Netzwerkbildungen anregen und Unterstützung bei Forschungsfragen leisten.

PDF herunterladen
Woran anpassen?
Umwelt-Service 10. August 2008 Klima-Anpassung

Woran anpassen?

Klima-Anpassung Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Straßenverkehr in den Emissionshandel?
Umwelt-Service 8. April 2015 Klimaschutz

Straßenverkehr in den Emissionshandel?

Hohe Kraftstoffpreise und die Einführung von CO2-Emissionsgrenzwerten für Pkw haben in der EU den Trend zu verbrauchsärmeren Pkw befeuert. Die Hersteller sind inzwischen verpflichtet, die Emissionen der Neuwagenflotten bis zum Jahr 2021 von 130 Gramm CO2 pro Kilometer auf 95 Gramm zu senken. Das sind die schärfsten Grenzwerte der Welt. Mehr geht zwar immer, aber die Kosten für entsprechende technische Lösungen steigen mit jedem Gramm eingesparten CO2. So investieren die Hersteller größerer Fahrzeuge derzeit in die Elektrifizierung der Antriebsstränge.

Klimaschutz IW

Artikel lesen
Umwelt-Service 8. April 2015 Steinkohle

Strom weiterhin mit Steinkohle

Trotz Windkraft, Sonnenenergie und Biomasse leistet Steinkohle, deren Verbrennung mit CO2-Emissionen verbunden ist, weiterhin einen wichtigen Beitrag zu einer sicheren Stromversorgung. Die benötigte Steinkohle wird heute dank eines gut funktionierenden Steinkohleweltmarktes und flexiblen Transportwegen überwiegend aus dem Ausland bezogen.

Steinkohle IW

Inhaltselement mit der ID 8880