Im Schnitt müssen die Kinder in Deutschland bis zum nächsten Spielplatz eine Wegstrecke von rund sechs Minuten zu Fuß zurücklegen und nur für 6,7 Prozent ist diese Strecke länger als 15 Minuten.
Erreichbarkeit von Spielplätzen im regionalen Vergleich
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Im Schnitt müssen die Kinder in Deutschland bis zum nächsten Spielplatz eine Wegstrecke von rund sechs Minuten zu Fuß zurücklegen und nur für 6,7 Prozent ist diese Strecke länger als 15 Minuten.
Allerdings ist die Lage in den dünnbesiedelten Regionen weit schlechter, sodass dort über Alternativen zum wohnortnahen Spielplatz nachgedacht werden muss.
Die Daseinsvorsorge stellt vor dem Hintergrund knapper Kassen eine zunehmende Herausforderung für die Kommunen dar. Gleichzeitig wird sie für den Zusammenhalt der Gesellschaft und die politische Stabilität des Landes immer wichtiger (Diermeier et al., 2026). Dabei haben Kinder besondere Anforderungen an die kommunale Daseinsvorsorge. Sie benötigen nicht nur Betreuungseinrichtungen und Schulen, sondern auch weitere kindgerechte Orte, an denen sie sich außerhalb der Schul- und Betreuungszeiten aufhalten, Bewegungserfahrungen sammeln, toben und laut sein können. Insbesondere wenn sie in beengten Wohnverhältnissen leben, erfüllt der Spielplatz in der Regel diese Funktionen. Bestehen Mängel bei der Infrastruktur für die Kinder, senkt das die Attraktivität von Städten und Gemeinden als Wohnort für Familien. So können die Einrichtungen der kommunalen Daseinsvorsorge für Kinder letztlich auch für die längerfristige Entwicklung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter und der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit einer Region eine substanzielle Rolle spielen.
Ist ein Spielplatz einmal eingerichtet, hängt es von der Intensität und Art der Nutzung ab, welche Folgekosten für die Kommunen entstehen. Wird er nur von einer beschränkten Zahl an Kindern besucht, die die Einrichtungen pfleglich behandeln, ist der Aufwand für die Instandhaltung im Normalfall sehr beschränkt. Im kommunalen Haushalt fallen dann regelmäßig nur kleinere Ausgaben, etwa für den Grünschnitt, an. Kommt es hingegen zu Fehlnutzungen bis hin zu Vandalismus, kann der Aufwand stark steigen; etwa ist dies der Fall, wenn der Sand im Sandkasten in sehr kurzen Abständen erneuert werden muss, um kleineren Kindern ein sicheres Spiel zu ermöglichen. Dabei dürfte sich ein großer Teil der betroffenen Spielplätze in dicht bebauten Wohnlagen befinden, wo sie als Aktivitätsorte für die Kinder an sich besonders wichtig sind. Im Schnitt plant die Stadt Köln mit Ausgaben von rund 13.000 Euro je Spielplatz für das Jahr 2026 (Köln, 2026). In kleineren Städten und Gemeinden dürften diese deutlich geringer sein, auch da dort die Spielplätze in der Regel kleiner sind.
Betrachtet man auf Basis einer eigenen Auswertung von OpenStreetMap-Datenauszügen zunächst, wie viele Kinder im Alter unter zehn Jahren sich in Deutschland rechnerisch einen Spielplatz teilen, kommt man auf eine Zahl von 63. Dieser Wert liegt gegenüber einer ersten Untersuchung zum Thema von Geis-Thöne/Wendt (2024) etwas höher, was auf eine verbesserte Datenbasis zurückgeht und nicht auf einen deutlichen Ausbau der Infrastruktur schließen lässt. Differenziert man nach Bundesländern, ist das Verhältnis in Mecklenburg-Vorpommern mit nur 38 Kindern je Spielplatz am günstigsten. Mit deutlichem Abstand folgen Niedersachsen und Thüringen mit je 51 Kindern je Spielplatz. Am ungünstigsten sind die Verhältnisse mit 94 Kindern je Spielplatz in Bremen und mit 81 Kindern je Spielplatz in Berlin. Eine weitere regionale Differenzierung zeigt, dass sich gerade in den dünnbesiedelten Regionen rechnerisch nur wenige Kinder einen Spielplatz teilen müssten. Allerdings könnte sich das Bild deutlich verändern, wenn man statt der Anzahl der Spielplätze ihre Gesamtfläche oder die Zahl der verfügbaren Spielgeräte je Kind in den Blick nehmen würde, was mit den verfügbaren Daten nicht möglich ist.
Für die Wegstrecken zu den Spielplätzen sind nicht die Autostraßen, sondern die teilweise erheblich kürzeren Fußgängerrouten relevant, da davon ausgegangen werden kann, dass diese in der Regel zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Spielgeräten wie Tretrollern zurückgelegt werden. Mit den ausgewerteten Daten lassen sich die entsprechenden Wegezeiten für einen Erwachsenen zu Fuß ermitteln. Familien mit kleineren Kindern dürften deutlich langsamer und größere Kinder mit Fahrrädern oder Tretrollern deutlich schneller sein.
Im Durchschnitt erreichen die Kinder im Alter unter 10 Jahren in Deutschland den nächstgelegenen Spielplatz innerhalb von rund 6,1 Minuten. Differenziert man nach Ländern, liegt der Wert in Berlin mit 3,3 Minuten am niedrigsten, gefolgt von Hamburg und Bremen mit jeweils 4,1 Minuten sowie Hessen mit 5,2 Minuten. Am längsten sind die Kinder im Durchschnitt in Mecklenburg-Vorpommern mit 11,9 Minuten, in Brandenburg mit 9,4 Minuten und in Sachsen-Anhalt mit 9,2 Minuten unterwegs. In einer noch kleinräumigeren Betrachtung auf Kreisebene liegen die durchschnittlichen Wegezeiten im Landkreis Freyung-Grafenau in Bayern mit 18,6 Minuten, in der Uckermark in Brandenburg mit 18,0 Minuten und im Eifelkreis Bitburg-Prüm in Rheinland-Pfalz mit 17,6 Minuten am höchsten (siehe Abbildung).
Verändert man die Perspektive, erreicht die Hälfte der Kinder im Alter unter zehn Jahren in Deutschland den nächstgelegenen Spielplatz in höchstens 4,1 Minuten, bei 75 Prozent sind es höchstens 6,6 Minuten und bei 90 Prozent höchstens 11,2 Minuten. Der Höchstwert liegt allerdings bei 241,6 Minuten. Dabei handelt es sich um eine Strecke, die für die Kinder eindeutig nicht mehr zu bewältigen ist.
Bis zu welchem Punkt dies im Alltag sinnvoll möglich ist, hängt bis zu einem gewissen Grad von ihrem Alter ab. Zu beachten ist dabei, dass die Wegstrecken jeweils zweimal zurückgelegt werden müssen. So dürfte die Grenze für die wohnortnahe Verfügbarkeit eines Spielplatzes im Bereich eines Fußwegs von 10 bis 15 Minuten liegen. Innerhalb von 10 Minuten erreichen deutschlandweit 88,0 Prozent der Kinder einen Spielplatz. Allerdings gilt dies in Brandenburg nur für 73,8 Prozent und in Mecklenburg-Vorpommern für 74,9 Prozent der Kinder. Innerhalb von 15 Minuten erreichen mit einem Anteil von 93,3 Prozent deutschlandweit fast alle Kinder einen Spielplatz, in Mecklenburg-Vorpommern sind es aber nur 80,7 Prozent und in Brandenburg 84,5 Prozent. Wählt man eine kleinräumigere Perspektive, liegen die Anteile im Landkreis Freyung-Grafenau in Bayern nur bei 54,4 Prozent, im Eifelkreis Bitburg-Prüm in Rheinland-Pfalz bei 60,1 Prozent und im Landkreis Passau in Bayern bei 64,4 Prozent (Abbildung). Die Schwelle von 75 Prozent unterschreiten insgesamt 19 Landkreise und die Schwelle von 90 Prozent 165 Landkreise.
Prinzipiell sollten alle Kinder Zugang zu einem wohnortnahen Spielplatz haben. Jedoch gibt es vorwiegend im sehr dünn besiedelten ländlichen Raum Wohnlagen, wo die erwartbare Nutzung der Spielplätze so gering ist, dass die Kosten für die Einrichtung und den Betrieb kaum gerechtfertigt wären und nach Alternativen für die Kinder gesucht werden muss. Ist die wohnortnahe Verfügbarkeit eines Spielplatzes für alle Kinder gesichert, muss nicht darauf hingearbeitet werden, die Wegstrecken zu minimieren. Viel wichtiger ist, dass die Spielplätze ihre Funktionen dauerhaft vollumfänglich erfüllen und für die Kinder ansprechend sind.
Der regionale Bestand an Spielplätzen wurde aus den Einträgen in den OpenStreetMap-Datenauszügen der Geofabrik generiert (Geofabrik GmbH, 2026), Diese wurden mit Stand 12.04.2026 unter Verwendung des Tags „leisure=playground“ ausgewertet. Als privat gekennzeichnete Spielplätze wurden dabei nicht mitberücksichtigt. Damit bleiben vorwiegend Einrichtungen im Umfeld größerer Mehrfamilienhäuser außer Acht. Ebenfalls gilt dies für Kunden-, Vereins-, Kasernen- sowie gebührenpflichtige Spielplätze. Als Bezugsgrößen wurden die Zahlen der Kinder im Alter unter zehn Jahren in kleinräumigen Einheiten mit einer Gitterstruktur von 100 Metern Länge und Breite verwendet. Diese basieren auf den Ergebnissen des Zensus 2022 (Zensus 2022, 2026). Die Erreichbarkeiten zu Fuß wurden mit der „Open Source Routing Machine“ (OSRM) (Luxen/Vetter, 2011) basierend auf dem OpenStreetMap-Abbild der Geofabrik berechnet. Als Ausgangspunkte für die Wege zu den Spielplätzen wurden die Mittelpunkte der Demografie-Gitterzellen mit einer Größe von 100 Metern Länge und Breite verwendet.
DOI: 10.67087/19.21257
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