Die anstehenden US-Präsidentschaftswahlen sind wegweisend. Sollte Donald Trump wiedergewählt werden, hat er im Bereich der Handelspolitik umfangreiche Zollerhöhungen – auch gegenüber der Europäischen Union (EU) – angedroht.
Was droht den transatlantischen Handelsbeziehungen unter Trump 2.0?
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Die anstehenden US-Präsidentschaftswahlen sind wegweisend. Sollte Donald Trump wiedergewählt werden, hat er im Bereich der Handelspolitik umfangreiche Zollerhöhungen – auch gegenüber der Europäischen Union (EU) – angedroht.
Die EU hat angekündigt, im Zweifel mit eigenen Vergeltungszöllen dagegenzuhalten. Daher werden in diesem Report, aufbauend auf einer Vorgängerstudie (Obst et al., 2024), die Auswirkungen einer möglichen zweiten Amtszeit Trumps von 2025 bis 2028 mit zwei Szenarien mithilfe des Global Economic Model von Oxford Economics simuliert. Szenario 1 beinhaltet eine Erhöhung der US-Zölle auf 10 Prozent auf alle US-Einfuhren und auf 60 Prozent auf US-Einfuhren aus China ab dem Jahr 2025. Die EU hält ihrerseits mit einem Vergeltungszoll von 10 Prozent auf Einfuhren aus den USA dagegen. In Szenario 2 vertiefen die USA und die EU den transatlantischen Handelskonflikt und erhöhen ihre gegenseitigen Importzölle jeweils auf 20 Prozent.
Die US-Wirtschaft würde je nach Szenario bereits im Jahr 2025 einen wirtschaftlichen Verlust in Höhe von rund 1,3 Prozent und 1,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) im Vergleich zum Basisszenario erleiden. Die negativen BIP-Effekte sind in den ersten beiden Jahren am stärksten, nehmen aber jeweils mit der Zeit ab. In Szenario 2 bleibt der BIP-Effekt in den USA mit –0,2 Prozent im Jahr 2028 negativ. In Szenario 1 kehrt die Wirtschaftsleistung fast wieder auf das Basisszenario zurück. Ein verstärkter transatlantischer Handelskonflikt wäre demnach auch für die US-Wirtschaft nochmals negativer. Die Auswirkungen sind zum Teil auf einen simulierten vorübergehenden Vertrauensschock infolge der Zollerhöhung in der kurzen Frist zurückzuführen, der sich vor allem auf die privaten Investitionen und den privaten Konsum negativ auswirkt. Die Tatsache, dass die Auswirkungen für die USA im Jahr 2028 eher begrenzt sind, liegt daran, dass die US-Einfuhren stärker zurückgehen als die US-Ausfuhren. Dies hat einen (zunehmend) positiven Effekt auf die US-Handelsbilanz, weswegen auch das US-Handelsbilanzdefizit weniger stark ansteigt als im Basisszenario. In absoluten Werten (in konstanten Preisen des Jahres 2017) würden die USA einem kumulierten Verlust an realem BIP in Höhe von rund 686 Milliarden US-Dollar in Szenario 1 und sogar einen Verlust von knapp 874 Milliarden US-Dollar in Szenario 2 im Zeitraum 2025 bis 2028 erleiden. Diese Werte sind nicht direkt mit nominalen Angaben zu Preisen des Jahres 2024 vergleichbar.
Die Auswirkungen für die EU-27 und Deutschland sind deutlich gravierender. Die großen Unterschiede zu den USA bestehen darin, dass die negativen BIP-Effekte insgesamt über den Zeitraum 2025 bis 2028 zunehmen und der negative Effekt auf die Nettoexporte und privaten Investitionen in Europa und Deutschland innerhalb der vier Jahre bestehen bleibt. Eine Erholungsphase wie in den USA tritt hier im Wesentlichen nicht ein. In Szenario 2 führen die gegenseitige Erhöhung der Handelszölle auf 20 Prozent im transatlantischen Handel zu einem BIP-Einbruch von 1,3 Prozent in der EU-27 und sogar von 1,5 Prozent in Deutschland, jeweils im Jahr 2028. Sowohl in den EU-27 als auch in Deutschland erklärt der starke und anhaltende Rückgang der privaten Investitionen mehr als zwei Drittel des negativen BIP-Effekts. In beiden Volkswirtschaften bleiben die negativen Auswirkungen auf den privaten Konsum aber insgesamt sehr begrenzt. Insgesamt kommen hier die länderspezifischen Strukturen der Volkswirtschaften zum Tragen. Während die USA eine große und daher auch relativ geschlossene Volkswirtschaft darstellen, ist die Exportnation Deutschland mit ihrem besonders hohen Offenheitsgrad anfälliger für globale Handelskonflikte und einer entsprechend schwächeren Weltwirtschaft. Die kumulierten BIP-Verluste (in konstanten Preisen des Jahres 2020) in Deutschland über den 4-
Jahreszeitraum belaufen sich auf etwa 127 Milliarden Euro in Szenario 1 und auf 180 Milliarden Euro in Szenario 2.
Trumps Androhung von Zollerhöhungen sind eine relevante Facette davon, wie sich weltweit die Einstellungen zum offenen Handel geändert haben. Auch das Verhalten Chinas stellt eine Herausforderung für den globalen Freihandel dar. Darauf müssen die EU und Deutschland mit einer robusteren Handelspolitik reagieren. Hierzu gehören in diesen geopolitisch angespannten Zeiten die glaubhafte Androhung und in letzter Konsequenz auch Anwendung von Vergeltungsmaßnahmen als realpolitisch notwendiges Element. So zeigen die vorliegenden Simulationen, dass, sollte die EU mit einer gleichwertigen Zollerhöhung reagieren, sich der BIP-Effekt für die USA ins Negative dreht. Für die EU und Deutschland wird er dagegen nur leicht negativer. Für die USA wäre demnach eine Gegenreaktion der EU deutlich schädlicher als für die EU. Die EU und Deutschland könnten also vergleichsweise glaubwürdig mit Vergeltung drohen. Somit könnte im besten Fall allein die Androhung von Vergeltungsmaßnehmen ausreichen, um die USA von einseitigen Zollerhöhungen abzuhalten. Um politische Erpressbarkeiten zu begrenzen, sollten zudem durch ein gezieltes De-Risking die kritischen Abhängigkeiten von Drittstaaten vermindert werden. Dies kann etwa durch den Ausbau von Freihandelsabkommen erreicht werden. Als weiterer Aspekt einer robusteren EU-Handelspolitik gilt es, sich vor Überkapazitäten und wettbewerbsverzerrenden Subventionen besonders vonseiten Chinas zu schützen. In diesem Bereich sind die Interessen der EU und der USA bis zu einem gewissen Grad kongruent. Transatlantische Koordinierung und Kooperation wären demnach hier in beiderseitigem Interesse.
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IW
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IW