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IW-Kurzbericht Nr. 21 13. März 2026 Thomas Obst / Samina Sultan Megatrends in 2026: Chancenkontinent Afrika?

Geopolitische Spannungen werden auch das Jahr 2026 stark prägen. Deswegen strebt die EU danach, ihre Beziehungen zu diversifizieren. Der afrikanische Kontinent bietet hierfür viel Potenzial.

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IW-Kurzbericht 21/2026
IW-Kurzbericht Nr. 21 13. März 2026 Thomas Obst / Samina Sultan

Megatrends in 2026: Chancenkontinent Afrika?

Thomas Obst / Samina Sultan Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Geopolitische Spannungen werden auch das Jahr 2026 stark prägen. Deswegen strebt die EU danach, ihre Beziehungen zu diversifizieren. Der afrikanische Kontinent bietet hierfür viel Potenzial.

Schon jetzt ist die EU der wichtigste Handels- und Investitionspartner Afrikas. Das gilt es auszubauen, auch durch die Förderung der lokalen Wertschöpfung in Afrika.  

2025 war ein Jahr der Epochenbrüche. Weltweit zunehmender Protektionismus, insbesondere von großen Volkswirtschaften wie den USA oder China, haben die Weltwirtschaft belastet, zu Handelsumlenkungen geführt und strategisch wichtige Lieferketten unterbrochen. Vor allem die US-Handelspolitik setzt die regelbasierte Weltordnung unter Druck und führt zu einer Erosion multilateraler Normen. In diesem schwierigen Umfeld bemüht sich die Europäische Union (EU) intensiv darum, ihre Handelsbeziehungen zu diversifizieren. In der derzeitigen Weltlage gewinnt auch die Stärkung der Wirtschaftsbeziehungen zwischen der EU und den afrikanischen Staaten zunehmend an Bedeutung. In der Berichterstattung dominiert zwar meist der Ausbau der wirtschaftlichen Beziehungen Chinas zu afrikanischen Ländern wie Äthiopien oder Kenia. Aber in vielen Dimensionen ist die EU der mit Abstand wichtigste Wirtschaftspartner des afrikanischen Kontinents.

Wirtschaftliches Niveau hinkt hinterher

Im Durchschnitt ist die Wirtschaft südlich der Sahara seit 2000 jährlich mit etwas mehr als 4 Prozent gewachsen. Das ist eine der erfolgreichsten Wachstumsphasen. In Nordafrika lag das durchschnittliche reale Wirtschaftswachstum bei etwa 3,5 Prozent in den letzten 25 Jahren. Das darf allerdings nicht darüber hinwegtäuschen, dass die volkswirtschaftliche Größe Nordafrikas mit weniger als einer Billion US-Dollar im Jahr 2024 immer noch sehr klein ist. So liegt auch der Lebensstandard mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) pro Kopf von unter 4.000 US-Dollar in Nordafrika und weniger als 2.000 US-Dollar in den Ländern Subsahara-Afrikas im internationalen Vergleich sehr niedrig. Entsprechend schwach ist die inländische Kaufkraft. Nur wenige Länder wie Botswana (knapp 7.000 US-Dollar) oder Südafrika (knapp 6.000 US-Dollar) kommen auf höhere Werte im Jahr 2024, die mit aufstrebenden Volkswirtschaften wie beispielsweise Brasilien (10.000 US-Dollar) oder Vietnam (4.000 US-Dollar) vergleichbar sind.

Vielfältige Potenziale

Dabei ist das Potenzial riesig. Dazu trägt die im Vergleich zu anderen Regionen junge Bevölkerung bei. So gibt es Prognosen, dass die größte Zunahme an Beschäftigung in dieser Dekade in Afrika stattfinden wird, wenn sich der hohe Bevölkerungszuwachs mit hohem Wirtschaftswachstum verbinden lässt. Manches davon ist sicher noch ein Hoffnungswert. Denn der Aufbau einer kaufkräftigen und stabilen Mittelschicht – eine Voraussetzung für anhaltende Prosperitätszuwächse – scheiterte schon in vielen afrikanischen Staaten.

Darüber hinaus haben viele afrikanische Länder große Rohstoffvorkommen. Beispielsweise verfügt Zimbabwe über substanzielle Vorkommen von Chrom und Lithium. Für eine nachhaltige Entwicklungsdynamik ist es aber entscheidend, dass nachgelagerte Produktionsstufen und damit mehr Wertschöpfung vor Ort entstehen.  

Potenzial hat auch der große afrikanische Binnenmarkt. Laut dem jüngsten Afrika-Report der UNCTAD (2024) gibt es ein zusätzliches Handelspotenzial von 3,4 Billionen US-Dollar. Dazu muss die Afrikanische Union (AU) allerdings die kontinentale Freihandelszone vollenden, also Zölle und nichttarifäre Handelshemmnisse im innerafrikanischen Handel abbauen. Es wäre mit 1,3 Milliarden Menschen die größte Freihandelszone der Welt. Bisher beträgt der intrakontinentale Außenhandel zwischen den afrikanischen Staaten nur etwa 17 Prozent. Im europäischen Binnenmarkt liegt dieser bei knapp 55 Prozent. Weitere Meilensteine auf dem Weg zu einem afrikanischen Binnenmarkt wären Investitionen in die Verkehrs- und Technologieinfrastruktur, Bürokratieabbau und eine bessere Nutzung innovativer Finanzinstrumente. 
 

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EU wichtigster Handelspartner Afrikas

Im Außenhandel der EU mit Afrika gab es in den vergangenen zehn Jahren einen lediglich leichten Aufwärtstrend (siehe Abbildung). So lagen die europäischen Exporte nach Afrika 2015 bei rund 144 Milliarden Euro. Im Jahr 2024 waren es rund 166 Milliarden Euro, also nur rund 15 Prozent mehr. Diese moderate Entwicklung dürfte auch durch Preiseffekte getrieben sein. Bei den europäischen Importen aus Afrika ist die Entwicklung dynamischer. So sind diese seit 2015 um rund 60 Prozent auf 190 Milliarden Euro im Jahr 2024 gestiegen. Damit hatte die EU ein Handelsdefizit gegenüber Afrika in Höhe von 23 Milliarden Euro. Vor 2021 hatte sie im betrachteten Zeitraum immer einen kleinen Handelsüberschuss erzielen können.

Exportseitig machen Maschinen und Geräte mit rund 23 Prozent den Hauptteil aus (European Commission, 2025). Mineralische Produkte stehen für fast 50 Prozent der europäischen Importe aus Afrika. Die EU ist mit deutlichem Abstand vor China der wichtigste Handelspartner Afrikas. Sie stand im Jahr 2024 für 28 Prozent der afrikanischen Importe und fast 35 der afrikanischen Exporte. China kommt auf einen Anteil von 21 Prozent bei den Importen und knapp 15 Prozent bei den Exporten. Für die EU selbst steht der Handel mit Afrika hingegen für lediglich 7,7 Prozent aller Extra-EU-Importe und 6,4 Prozent aller Extra-EU-Exporte.  

Die Handelsbeziehungen der EU mit Afrika werden durch eine Reihe von Abkommen erleichtert. So bestehen mit 19 afrikanischen Ländern Präferenzabkommen und für die meisten Staaten in Afrika greifen weitere Erleichterungen wie die „Alles außer Waffen“-Regelung. Über 90 Prozent der afrikanischen Exporte in die EU unterliegen dadurch keinen Zöllen.

Die deutschen Exporte nach Afrika sind zwischen 2015 und 2024 um gerade einmal 10 Prozent gestiegen, auf insgesamt 26 Milliarden Euro. Damit ist der Zuwachs der deutschen Exporte nach Afrika noch schwächer als der für die EU insgesamt. Die deutschen Importe aus Afrika sind hingegen schneller gestiegen als für die EU als Ganzes. 2015 lagen sie noch bei rund 18 Milliarden Euro. Bis 2024 sind sie um fast 75 Prozent auf 32 Milliarden Euro gewachsen. Südafrika macht dabei den größten Anteil aus. So stand das Land im Jahr 2024 für fast 35 Prozent der deutschen Exporte nach Afrika und für nahezu 40 Prozent der deutschen Importe aus dem Kontinent. Andere wichtige afrikanische Handelspartner Deutschlands sind außerdem Ägypten, Marokko und Tunesien.

Zurückhaltung bei Investitionen

Laut Daten der UN haben die weltweiten Investitionsströme nach Afrika 2024 einen Rekord erreicht (UNCTAD, 2025). So lagen diese 2024 bei 97 Milliarden US-Dollar, was einer Steigerung um 75 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht. Der starke Anstieg geht allerdings insbesondere auf ein großes Städtebauprojekt in Ägypten zurück.

Bei den Direktinvestitionsbeständen in Afrika, die das längerfristige Engagement ausländischer Kapitalgeber besser widerspiegeln, liegt die EU erneut mit rund 239 Milliarden Euro Im Jahr 2023 an erster Stelle (Europäischer Rat / Rat der EU, 2025). Die EU fördert Investitionen auf dem Kontinent auch gezielt durch das Global Gateway Investitionspaket mit Mitteln in Höhe von mindestens 150 Milliarden Euro bis 2027. Die deutschen Direktinvestitionsbestände haben sich 2023 laut der Deutschen Bundesbank auf knapp 13 Milliarden Euro belaufen. Zwar hat sich ihr Wert damit seit 2010 um rund 41 Prozent erhöht, aber trotzdem entsprechen sie lediglich 0,8 Prozent der weltweiten Direktinvestitionsbestände deutscher Unternehmen im Ausland.

Eine Ursache für diese Zurückhaltung dürfte das nach wie vor schwierige Investitionsumfeld sein. So schneiden viele afrikanische Staaten bei Indikatoren wie der politischen Stabilität, der regulatorischen Qualität oder auch der Korruption vergleichsweiße schlecht ab. Daher sieht etwa die UN deutlichen Handlungsbedarf in diesen Bereichen (UN, 2025).

Fazit und Handlungsempfehlungen

Gerade in Zeiten der zunehmenden geopolitischen Spannungen ist ein vertiefter wirtschaftlicher Austausch der EU mit Afrika eine Möglichkeit, auf Kooperation statt Konfrontation zu setzen. Mehr noch, er kann deutliche positive Wohlstandseffekte auf beiden Seiten hervorbringen. Zwar war die Entwicklung beim gemeinsamen Handel im letzten Jahrzehnt eher verhalten. Das liegt in der geringen Wirtschaftskraft des afrikanischen Kontinents begründet, aber auch an bestehenden Handelshürden. Diese zu beiderseitigem Vorteil abzubauen, wäre ein lohnendes Kooperationsfeld. Der starke Anstieg der weltweiten Direktinvestitionen deutet das Potenzial Afrikas an. Dafür gilt es, die 54 Länder des Kontinents als Wirtschaftspartner wahrzunehmen. Die Förderung der lokalen Wertschöpfung in afrikanischen Erzeugerländern unterstützt nicht nur die notwendige Industrialisierung Afrikas, sie trägt außerdem zu den Diversifizierungsbemühungen der EU bei. 

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