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Sonja Beer IW-Kurzbericht Nr. 53 24. April 2020 Chinas Wirtschaft: Der lange Weg der Erholung

Die Corona-Pandemie hat die chinesische Wirtschaft im Januar und Februar stark getroffen. Obwohl sich die Situation in China in der letzten Zeit deutlich verbessert hat und von einer wirtschaftlichen Erholung gesprochen werden könnte, zeigt die Statistik für März 2020, dass sich die Wirtschaft Chinas immer noch fernab von der Normalität befindet.

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Der lange Weg der Erholung
Sonja Beer IW-Kurzbericht Nr. 53 24. April 2020

Chinas Wirtschaft: Der lange Weg der Erholung

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Die Corona-Pandemie hat die chinesische Wirtschaft im Januar und Februar stark getroffen. Obwohl sich die Situation in China in der letzten Zeit deutlich verbessert hat und von einer wirtschaftlichen Erholung gesprochen werden könnte, zeigt die Statistik für März 2020, dass sich die Wirtschaft Chinas immer noch fernab von der Normalität befindet.

Die Situation in China entspannt sich langsam. Laut chinesischen Behörden gibt es nur noch eine geringe Anzahl von Neuinfektionen. Die meisten Neuinfektionen stammen vermeintlich nur aus dem Ausland. Die chinesische Stadt Wuhan als Ursprung der Corona-Pandemie wurde nach fast drei Monaten Abriegelung wieder geöffnet. Auch die wirtschaftlichen Kennzahlen haben sich verbessert. Der Einkaufsmanagerindex für März sig­nalisiert eine positive Geschäftsentwicklung der Industrie im Vergleich zum Vormonat. Der Einkaufsmanager­index für das Verarbeitende Gewerbe stieg von seinem historischen Tiefstwert von 35,7 im Februar auf 52,0 Punkte im März und liegt somit leicht über der Expansionsschwelle von 50. Im Dienstleistungssektor ist eine ähnliche Situation wahrnehmbar: Der Februar-Wert von 29,6 Punkten stieg im März auf 52,3 Punkte. Trotz dieser positiven Anzeichen kann nicht von einer Normalisierung der chinesischen Wirtschaft gesprochen werden. Die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise sind nach wie vor stark.

Im ersten Quartal 2020 schrumpfte die Wirtschaft Chi­nas. Es ist ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts (BIP) um 6,8 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2019 zu verzeichnen. Es handelt sich um das erste Quartal mit negativen Zahlen seit dem Jahr 1976 und damit den schlimmsten Einbruch für Chinas Wirtschaft in der modernen Geschichte. Chinas Aussichten auf Wirtschaftswachstum scheinen im Vergleich zu der globalen Finanzkrise 2008/2009 geringer zu sein.

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    Die Abbildung zeigt die kumulierten Wachstumsraten gegenüber dem Vorjahreszeitraum von ausgewählten chinesischen Wirtschaftsindikatoren für den Zeitraum März 2019 bis März 2020. Die Daten für Januar und Februar wurden von dem chinesischen Statistikbüro zusammengefasst veröffentlicht:

    • Laut den Zahlen des chinesischen Statistikamts ging die chinesische Industrieproduktion im Zeitraum Januar bis einschließlich März um 8,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum stark zurück. Obwohl sich die chinesische Industrieproduktion im Zeit-raum Januar bis Februar im Vergleich zum Vorjahres- zeitraum noch weiter verringerte (13,5 Prozent), sind diese Zahlen weit entfernt von einer kumulierten Wachstumsrate von 5,7 Prozent, welche die chine- sische Industrieproduktion noch im Dezember 2019 gegenüber Dezember 2018 verzeichnen konnte.
    • Das Gleiche gilt für die Anlageinvestitionen, die ein Minus von 16,1 Prozent in den ersten drei Monaten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum aufwiesen.
    • Der Gesamtabsatz von Konsumgütern verzeichnete einen Rückgang von 19 Prozent im Zeitraum Januar bis einschließlich März 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Dies stellt auch keine große Verbesserung im Vergleich zu den Januar- und Februar-Werten dar (Rückgang von 20,5 Prozent im Vergleich zu Januar und Februar 2019). In den Monaten März 2019 bis Dezember 2019 lagen die kumulierten Wachstumsraten bei über 8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
    • Die Krise hatte auch große Auswirkungen auf die Immobilienmärkte. Die Immobilieninvestitionen im Zeitraum Januar bis einschließlich März brachen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 7,7 Prozent ein. Im Jahr 2019 entsprachen die monatlichen kumulierten Wachstumsraten einem Wert von über 10 Prozent.

    Zusammengefasst waren die wirtschaftlichen Einbrüche im Zeitraum Januar bis März 2020 immer noch sehr ausgeprägt, obwohl sich in manchen Bereichen Verbesserungen im Vergleich zu Januar und Februar 2019 ergaben. Insgesamt deuten alle Zeichen darauf hin, dass eine schnelle Erholung der chinesischen Wirtschaft eher unwahrscheinlich ist.

    Außenhandel im März weiter schwach

    Laut der Zollverwaltung in Peking ist der chinesische Außenhandel im März um 4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen. Im Januar und Februar belief sich der Rückgang auf 11 Prozent. Im März 2020 wurden insgesamt Waren im Wert von rund 185,1 Milliarden US-Dollar aus der Volksrepublik China exportiert. Gleichzeitig importierte China Waren im Wert von 165,2 Milliarden US-Dollar. China konnte im letzten Monat einen Handelsbilanzüberschuss von 19,9 Milliarden US-Dollar verbuchen. Die Exporte reduzierten sich im März um 6,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Importe gingen um 0,9 Prozent zurück. Obwohl diese Werte vielversprechender sind als die Januar- und Februar-Zahlen (Exporte waren um 17,2 Prozent und die Importe um 4 Prozent gegenüber den Vorjahresmonaten eingebrochen), kann von einer signifikanten Verbesserung nicht die Rede sein.

    Mit Bezug auf das erste Quartal ist der Außenhandel mit der Europäischen Union (EU) um 12,3 Prozent stark eingebrochen (Exporte: sogar um 16 Prozent). Für den Außenhandel mit Deutschland zeigen die Zahlen einen noch massiveren Einbruch von rund 15 Prozent. Die chinesischen Exporte nach Deutschland gingen um 20,1 Prozent und die Importe um 11 Prozent im Vergleich zum ersten Quartal 2019 zurück.


    Keine rasche Erholung zu erwarten

    Obgleich die langsame Erholung der Inlandsnachfrage die chinesische Wirtschaft bald wieder stützen dürfte, wird die schrumpfende internationale Nachfrage China weiter belasten. Auch wenn sich die Corona-Situation in China in letzter Zeit ein wenig entspannt zu haben scheint, sieht sich der Rest der Welt weiterhin mit ei- ner ernsten Situation konfrontiert. Das gilt vor allem für die EU und die USA als die wichtigsten Handelspartner Chinas. Da sie derzeit stark von der Pandemie betroffen sind, wird dies negative Auswirkungen auf die chinesischen Exporte haben.

    Laut der März-Umfrage der deutschen Außenhandelskammern (AHK) in China, bei der 300 deutsche in China ansässige Unternehmen befragt wurden, ist eine Rück- kehr zum Vorkrisenniveau noch nicht gegeben. Obgleich sich die Produktionskapazitäten und die interne Logistik sichtlich verbessert haben, stellen die auferlegten Reisebeschränkungen in Verbindung mit der Angst eines erneuten Ausbruchs, bestehenden Nachfragelücken, unterbrochenen globalen Lieferketten eine große Herausforderung dar. Zwei Drittel der befragten Unternehmen rechnen mit einem zweistelligen Umsatzrückgang im ersten Halbjahr. Bei einer Umfrage im Februar waren es 20 Prozent weniger Unternehmen.

    Eine aktuelle Umfrage des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbauer (VDMA) in China, die von 118 Mitgliedsfirmen beantwortet wurde, zeigt auch eine leichte Verbesserung der Lage vor Ort. Dennoch beurteilten rund 46 Prozent der im April befragten Unternehmen die Auswirkungen der Corona-Pandemie als sehr groß. Im Vergleich dazu waren es Anfang März circa 57 Prozent. Auch die Prognose des International Monetary Fund (IMF) lässt wenig Platz für Optimismus. Der IMF (2020) prognostiziert für China ein BIP-Wachstum von nur noch 1,2 Prozent im Jahr 2020. Vor der Corona-Krise lag die IMF-Prognose für das Jahr 2020 bei 6 Prozent.

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