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Sonja Beer IW-Kurzbericht Nr. 45 27. Mai 2022 Chinesisch-russische Partnerschaft

China und Russland sind sich in den letzten Jahren immer nähergekommen, nicht nur politisch, sondern auch als Handelspartner. China ist der wichtigste Handelspartner Russlands. Russland hat in den letzten zehn Jahren vor allem seine Anteile an den gesamten chinesischen Energieimporten stark ausgebaut und zählt zurzeit zu einem der wichtigsten Energielieferanten Chinas.

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China und Russland sind sich in den letzten Jahren immer nähergekommen, nicht nur politisch, sondern auch als Handelspartner. China ist der wichtigste Handelspartner Russlands. Russland hat in den letzten zehn Jahren vor allem seine Anteile an den gesamten chinesischen Energieimporten stark ausgebaut und zählt zurzeit zu einem der wichtigsten Energielieferanten Chinas.

Starke politische Beziehungen

Vor dem Hintergrund des Ukraine-Kriegs sowie den Spannungen mit den USA und der EU rücken Russland und China immer enger zusammen. Die Partnerschaft, welche die beiden Nationen im Februar 2022 als „grenzenlose Freundschaft“ beschrieben haben, hat sich in den letzten Jahren intensiviert. Politisch und militärisch wollen sich die beiden Länder annähern und eine gemeinsame Front gegenüber dem Westen darstellen. Vor allem seit der russischen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim im Jahr 2014 und den Sanktionen des Westens gegen Russland, hat sich die Beziehung zwischen China und Russland weiter gefestigt. China verurteilte die vom Westen verhängten Sanktionen wegen des Ukraine-Kriegs und stimmte im April dieses Jahres gegen den Ausschluss Russlands aus dem Menschenrechtsrat der Vereinten Nationen. Die chinesischen Staatsmedien bezeichnen den russischen Krieg in der Ukraine weiterhin als „militärische Spezialoperation“.

Handelsbeziehungen gewinnen stark an Bedeutung

China und Russland sind in den letzten Jahren auch wirtschaftlich und handelspolitisch immer näher zusammengerückt. Russland ist ein wichtiger Lieferant für chinesische Importe von Öl, Gas, Kohle und landwirtschaftlichen Produkten. Obwohl Russland nicht zu den zehn wichtigsten Handelspartnern Chinas gehört, werden die Handelsbeziehungen zwischen beiden Ländern immer intensiver. Laut Daten von chinesischen Zollbehörden erhöhte sich das gesamte Außenhandelsvolumen des chinesischen Warenhandels (Ausfuhr und Einfuhr) mit Russland von rund 84 Milliarden US-Dollar im Jahr 2017 auf rund 147 Milliarden US-Dollar in 2021 – ein Anstieg von knapp 75 Prozent allein in diesen fünf Jahren. Ein Teil davon lässt sich durch die Preiseffekte erklären. Selbst im Vergleich zum Corona-Jahr 2020 betrug der Anstieg fast 30 Prozent gegenüber 2017. Der Warenhandel Chinas mit Russland machte 2,4 Prozent des gesamten Warenhandels Chinas im Jahr 2021 aus. Während des Besuchs des russischen Präsidenten Putin in Peking anlässlich der Olympischen Winterspiele im Februar 2022 kündigten die beiden Länder an, den bilateralen Handel auf 250 Milliarden US-Dollar bis zum Jahr 2024 erhöhen zu wollen.

Während China Telekommunikationsausrüstung, Kleidung, elektronische Geräte, Maschinen nach Russland exportiert, importiert es vor allem Energieprodukte, Metalle, Holz und landwirtschaftliche Erzeugnisse aus Russland. Im Zeitraum 2019 bis 2022 hat China sukzessiv Importe von Sojabohnen, Rindfleisch und Weizen aus allen Regionen Russlands genehmigt. Weitere Lebensmittelimporte Chinas aus Russland umfassen Fisch, Sonnenblumenöl und Rapsöl.

Allerdings ist die Abhängigkeit Russlands von China deutlich größer. Mit einem Anteil von knapp 18 Prozent am gesamten Außenhandel Russlands im Jahr 2020 war China der mit Abstand wichtigste Handelspartner Russlands. Die russischen Exporte nach China beliefen sich im gleichen Jahr auf knapp 50 Milliarden US-Dollar, was insgesamt 14,7 Prozent der gesamten russischen Exporte ausmachte. China ist somit das größte Exportziel Russlands geworden. Der Anteil Chinas an den gesamten russischen Exporten lag bei lediglich 5,3 Prozent im Jahr 2010. Die steigenden Anteile Chinas an den gesamten russischen Exporten gingen Hand in Hand mit den fallenden Anteilen der EU-Länder.

Aufstieg Russlands zu einem der wichtigsten Energielieferanten Chinas

China hat weltweit den größten Energieverbrauch und ist stark abhängig von ausländischen Energiequellen. Die Handelsbeziehungen im Energiesektor gewinnen immer mehr an Bedeutung und Russland gehört inzwischen zu den wichtigsten Energielieferanten Chinas. Die Importe von russischer Kohle, Öl und Gas sind in den letzten zehn Jahren stetig angestiegen (Abbildung).

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Kohle ist nach wie vor Chinas größte Energiequelle. China hat seit 2011 mehr Kohle verbraucht als der Rest der Welt zusammen – im Jahr 2020 machte Kohle 56,8 Prozent des chinesischen Energieverbrauchs aus (China Power, 2022). Mit einem Handelsvolumen von 33,7 Milliarden Kilogramm war Russland der drittgrößte Kohlelieferant Chinas im Jahr 2020 (auf Basis von Daten der Datenbank UN Comtrade, die bis 2020 reicht). Während der mengenmäßige Anteil Russlands an den gesamten Kohleimporten Chinas im Jahr 2010 lediglich 7 Prozent betrug, lag er 2020 bei 16,4 Prozent. Nur aus Australien und Indonesien importierte China mehr Kohle im gleichen Jahr (38,1 und 27,4 Prozent).

China verhängte jedoch im Herbst 2020 einen inoffiziellen Boykott gegen die Einfuhr australischer Kohle, nachdem Australien Forderungen nach einer Untersuchung des Coronavirus-Ursprungs unterstützt hatte. Laut wertmäßigen Importdaten von chinesischen Zollbehörden, die auch für das Jahr 2021 verfügbar sind, importierte China Kohle im Wert von rund 1 Milliarde US-Dollar aus Australien im Jahr 2021, was den wertmäßigen Anteil Australiens an den gesamten Kohleimporten Chinas von mehr als 45 Prozent (2020) auf lediglich 3,8 Prozent reduzierte (2021). Sie werden durch höhere Eigenproduktion und steigende Importe aus Indonesien und Russland ersetzt. Russland erhöhte seinen wertmäßigen Anteil an den gesamten chinesischen Kohleimporten von 15 Prozent (2020) auf 26,1 Prozent (2021). Damit rückte Russland in kürzester Zeit auf Platz zwei der wichtigsten Kohlelieferanten Chinas.

Russland ist ebenfalls der zweitgrößte Öllieferant Chinas, knapp hinter Saudi-Arabien. Die mengenmäßigen Anteile beider Länder betrugen 15,4 und 15,7 Prozent der gesamten Rohölimporte Chinas im Jahr 2020. Der russische Anteil verzeichnete damit einen Anstieg von 9 Prozentpunkten gegenüber dem Jahr 2010, als er nur 6,4 Prozent betrug. Neben dem Schiffstransport spielte dabei die Ostsibirien-Pazifik-Pipeline, die im Jahr 2011 in Betrieb genommen wurde, eine große Rolle. Medienberichten zufolge stimmte im Februar 2022 der russische Energiekonzern Rosneft zu, 200.000 Barrel Rohöl pro Tag über zehn Jahre über die kasachisch-chinesische Pipeline an China zu liefern. Damit wird der Liefervertrag, der 2023 ausläuft, verlängert.

Russland ist zudem Pekings drittgrößter Gaslieferant. China bezog sein Gas im Jahr 2020 hauptsächlich aus Australien (mengenmäßiger Anteil von fast 25 Prozent) und Turkmenistan (17 Prozent). Jedoch hat sich der mengenmäßige Anteil Russlands an den gesamten Gasimporten Chinas in den letzten zehn Jahren mehr als verdoppelt: von 2,5 Prozent (2010) auf 6,7 Prozent (2020). Zurzeit existiert eine Gaspipeline „Kraft Sibiriens“, die 2019 in Betrieb genommen wurde. Eine neue Pipeline „Kraft Sibiriens 2“ ist seit September 2020 in Planung und könnte mehr russisches Gas nach China liefern. Laut Medienberichten umfasst ein neuer 30-Jahre-Liefervertrag mit China vom Februar 2022 zusätzliche 10 Milliarden Kubikmeter pro Jahr. China importiert auch das LNG-Gas aus Russland, das auf Schiffen transportiert wird. Neue Projekte sind in Planung, welche die eingeführten Mengen weiter erhöhen sollen.

China investiert auch viel in die Infrastruktur Russlands, vor allem in den Energiesektor. China stellte Russland zwischen 2000 und 2014 insgesamt 36,6 Milliarden Dollar an Darlehen und Zuschüssen zur Verfügung (Dreher et al., 2017). Damit war Russland der größte Empfänger chinesischer Auslandshilfe. Viele Projekte der chinesischen Belt-and-Road-Initiative in Russland konzentrieren sich auf fossile Brennstoffe.

Chinas Balanceakt: Wie geht es weiter?

Russland hofft darauf, die Sanktionen des Westens durch China abzufedern. Die Handelsbeziehung hat sich in den letzten Jahren intensiviert und kurz vor dem Ukraine-Krieg wurden neue wichtige Handelsabkommen abgeschlossen, was die wirtschaftlichen Verbindungen in den nächsten Jahren weiter intensivieren sollte.

Chinas Regierung steht jedoch vor einem schwierigen Balanceakt. Einerseits ist China Russlands größter politischer Verbündeter und hat sich auf die neuen Abkommen bewusst eingelassen. Andererseits möchte China wegen des Ukraine-Kriegs keinen Bruch mit dem Westen riskieren, der allerdings drohen würde, falls China nachweisbar und umfänglich die Sanktionen des Westens gegen Russland unterlaufen würde. Denn die USA und die EU sind Chinas wichtigste Handelspartner. Seit Beginn des Kriegs haben daher diverse chinesische Unternehmen ihre Russland-Geschäfte gestoppt, andere weigern sich, mehr russisches Öl zu kaufen. Ferner wenden sich manche chinesischen Banken von Russland ab.

Offiziell versucht China daher mit Blick auf den Ukraine-Krieg eine neutrale Position beizubehalten. Wie lange es China noch schafft, diesen Schaukelkurs zu fahren, bleibt abzuwarten.

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