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IW-Kurzbericht Nr. 21 26. Februar 2025 Samina Sultan Indien: Hoffnungsschimmer für den deutschen Export?

Das deutsche Exportmodell ist in den letzten Jahren zunehmend unter Druck geraten. Ein Lichtblick ist da die Entwicklung in Indien. So konnten die deutschen Ausfuhren nach Indien in den letzten fünf Jahren um 5 Milliarden Euro zulegen, während die nach China um 6 Milliarden Euro gesunken sind.

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Hoffnungsschimmer für den deutschen Export?
IW-Kurzbericht Nr. 21 26. Februar 2025 Samina Sultan

Indien: Hoffnungsschimmer für den deutschen Export?

Samina Sultan Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Das deutsche Exportmodell ist in den letzten Jahren zunehmend unter Druck geraten. Ein Lichtblick ist da die Entwicklung in Indien. So konnten die deutschen Ausfuhren nach Indien in den letzten fünf Jahren um 5 Milliarden Euro zulegen, während die nach China um 6 Milliarden Euro gesunken sind.

Die erste Reise der neuen Europäischen Kommission führt nach Indien. Damit wird die Bedeutung der Beziehung zwischen der Europäischen Union (EU) und Indien unterstrichen. Ziel ist es, eine neue strategische EU-Indien-Agenda aufzusetzen. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Verhandlungen um ein Freihandelsabkommen (FHA). Seit 2007 wurde bereits längere Zeit ohne Erfolg verhandelt. Beide Seiten haben im Jahr 2022 einen neuen Anlauf gestartet sowie einen EU-Indien Trade and Technology Council ins Leben gerufen. Nur mit den USA unterhält die EU ansonsten noch solch ein Kooperationsforum, um die bilaterale Koordination sowohl im Handel als auch bei der Technologieregulierung zu verbessern.

Den neuen Anlauf für das FHA erschwert, dass Indien als relativ protektionistisch gilt. In den bisher neun Runden ist noch kein Durchbruch gelungen. Neben hohen Zollschranken schützt Indien den heimischen Markt durch nicht-tarifäre Handelshemmnisse. Jedoch ist es den EFTA-Staaten (Island, Liechtenstein, Norwegen, Schweiz) letztes Jahr gelungen, Indien von einem Handelsabkommen zu überzeugen. Das dürfte auch daran gelegen haben, dass die EFTA-Staaten sich in dem Vertrag dazu verpflichtet haben, im Gegenzug für eine Marktöffnung Indiens ihre Direktinvestitionen dort um 100 Milliarden US-Dollar in den nächsten 15 Jahren zu erhöhen. Indien kann also durchaus vom Freihandel überzeugt werden. In Zeiten, in denen sich die Beziehungen zu unseren beiden wichtigsten Handelspartnern, USA und China, eintrüben, wären engere Handelsbeziehungen zu Indien umso wertvoller.

Gegengewicht zu China?

Besonders im Zuge der Verringerung der Abhängigkeit von China und des De-Risking kommt Indien eine prominente Rolle zu. Denn das Land ist mittlerweile das bevölkerungsreichste der Welt und bietet damit auch einen großen Markt. Die Beziehung zwischen China und Indien ist ambivalent. Einerseits ringen beide in einer zunehmend multipolaren Welt um die Vorreiterrolle im globalen Süden und trugen bis vor kurzem immer wieder Grenzstreitigkeiten aus. Andererseits haben sie sich zuletzt wieder etwas angenähert. Zudem sind beide Mitglieder im BRICS-Bündnis und positionieren sich damit auch als Gegengewicht zu den G7-Industriestaaten. Während China seit der Coronapandemie mit wirtschaftlichen Problemen zu kämpfen hat, ist Indien dynamisch gewachsen, auch wenn sich das Wachstum jüngst abgeschwächt hat. Dies bietet – bei allen Problemen, mit denen das riesige Land zu kämpfen hat – Chancen für den deutschen Handel.

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Chance für den deutschen Export

China strebt immer mehr danach, ausländische Konkurrenten aus dem heimischen Markt zu drängen und setzt stattdessen verstärkt auf den Export der eigenen Überkapazitäten. Infolgedessen ist der deutsche Export in das Land seit 2019 um 6,3 Prozent gesunken. Im selben Zeitraum sind die deutschen Ausfuhren nach Indien dagegen um durchschnittlich 42 Prozent gestiegen (siehe Abbildung). Zwar entfällt auf China im Jahr 2024 weiterhin ein Anteil von 5,8 Prozent an den gesamten deutschen Ausfuhren – auf Indien nur 1,1 Prozent –, jedoch ist der chinesische Anteil seit 2019 zurückgegangen, während der indische gewachsen ist. In absoluten Zahlen sind die deutschen Ausfuhren nach Indien von 11,9 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf 16,9 Milliarden Euro im Jahr 2024 um insgesamt 5 Milliarden Euro gestiegen. Im gleichen Zeitraum sind die deutschen Exporte nach China von knapp 96 Milliarden Euro im Jahr 2019 auf knapp 90 Milliarden Euro im Jahr 2024 um 6 Milliarden Euro gesunken.

Schaut man auf die einzelnen industriellen Güterzweige, konnte der deutsche Export nach Indien in den letzten fünf Jahren durchweg zweistellig zulegen. Bei Kraftwagen und Kraftwagenteilen beträgt der Anstieg seit 2019 sogar 88,5 Prozent, während die deutschen Kraftwagenausfuhren nach China um 19 Prozent sanken. Auch bei Gütern, bei denen ein Exportwachstum nach China zu verzeichnen ist, wie Gummi- und Kunststoffwaren, ist der Zuwachs nach Indien immer noch deutlich größer. Bei Maschinen legten die deutschen Exporte nach Indien um 42,8 Prozent zu. Das entspricht in absoluten Zahlen einem Anstieg um rund 1,3 Milliarden Euro, während der Absatz in China um rund 0,7 Milliarden Euro gefallen ist, was einem Rückgang um 3,9 Prozent entspricht.

Fazit

Auch wenn Indien derzeit noch einen vergleichsweise kleinen Anteil der deutschen Exporte abnimmt, ist es einer der wenigen großen Wachstumsmärkte – trotz der bestehenden Handelshemmnisse. Mit einem FHA würden die Beziehungen zu Indien noch einmal gestärkt. Daher sollte die EU dies mit vollem Engagement vorantreiben und sich dabei kompromissbereit in ihrer Handelsstrategie zeigen. Das wäre auch ein wichtiger Schub für das kränkelnde deutsche Exportmodell.

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