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Gutachten 24. November 2025 Regina Flake / Anika Jansen / Sarah Pierenkemper Fachkräfte global gewinnen und regional binden

Die Fachkräftesicherung ist eine der zentralen Herausforderungen der Unternehmen in der Region Nordschwarzwald.

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Fachkräfte global gewinnen und regional binden
Gutachten 24. November 2025 Regina Flake / Anika Jansen / Sarah Pierenkemper

Fachkräfte global gewinnen und regional binden

Gutachten im Auftrag der Wirtschaftsförderung Region Nordschwarzwald im Rahmen des Projekts "Transformationsnetzwerk Nordschwarzwald" gefördert durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (BMWE)

Regina Flake / Anika Jansen / Sarah Pierenkemper Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Die Fachkräftesicherung ist eine der zentralen Herausforderungen der Unternehmen in der Region Nordschwarzwald.

Auch wenn die letzten zwei Jahre mit schwachem Wirtschaftswachstum und weltwirtschaftlichen Herausforderungen die Geschäftserwartungen von Unternehmen in Baden-Württemberg im deutschlandweiten Vergleich überdurchschnittlich stark getrübt haben (Grömling, 2025), bleibt der Bedarf an gut ausgebildetem Personal in der Region hoch. Im Jahresdurchschnitt 2024 blieben im Bezirk der Agentur für Arbeit Nagold-Pforzheim insgesamt 3.582 offene Stellen unbesetzt, für die rechnerisch keine passend qualifizierten Fachkräfte zur Verfügung standen. Dies entspricht 47,6 Prozent aller offenen Stellen in der Region (Stellenüberhangsquote). Damit ist der Fachkräftemangel in der Region überdurchschnittlich stark. Im Bundesdurchschnitt blieben lediglich etwa vier von zehn (39,2 Prozent) offenen Stellen ohne passend qualifizierten Arbeitslosen. Es ist damit zu rechnen, dass die demografische Entwicklung und vor allem der Renteneintritt der Babyboomer die Fachkräftesituation weiter zuspitzt. So wird geschätzt, dass Deutschland bis 2040 jedes Jahr eine Zuwanderung von 290.000 Personen benötigt, um das Erwerbspersonenpotenzial aufrechtzuerhalten (Kubis/Schneider, 2024).

Internationale Fachkräfte haben in den letzten Jahren mit dazu beigetragen, vakante Positionen in der Region Nordschwarzwald adäquat zu besetzen und dadurch deutlich an Bedeutung gewonnen. Sie werden auch zukünftig eine zunehmend wichtige Rolle spielen, die Wettbewerbsfähigkeit und Innovationskraft der Region aufrechtzuerhalten. Im Bezirk Nagold-Pforzheim hatte zuletzt jede fünfte Fachkraft (20,2 Prozent) keine deutsche Staatsangehörigkeit – ein deutlicher Anstieg im Vergleich zu 2013, als gut jede zehnte Fachkraft eine ausländische Nationalität hatte (11,6 Prozent). Der regionale Anteil an ausländischen Fachkräften liegt damit über dem Bundesdurchschnitt von 15,4 Prozent.

Die langfristige Sicherung von Fachkräften erfordert jedoch mehr als die erfolgreiche Anwerbung. Denn nach wie vor gibt es auch viele internationale Fachkräfte, die Deutschland wieder verlassen. Im Jahr 2023 kamen zwar 72.400 Menschen mit einem Aufenthaltstitel zur Erwerbstätigkeit nach Deutschland. Gleichzeitig verließen aber auch 20.565 Personen Deutschland, die einen Aufenthaltszweck für eine Erwerbstätigkeit hatten (BMI/BAMF, 2025).

Erste Ergebnisse des „Internationalen Mobilitätspanel von Migrant:innen in Deutschland (IMPa) zeigen, dass lediglich knapp 60 Prozent der Zugewanderten planen, dauerhaft in Deutschland zu bleiben. Erwerbstätige geben dabei häufiger an, nur vorübergehend in Deutschland bleiben zu wollen als Nichterwerbstätige oder Auszubildende. Besonders hoch ist das Abwanderungsrisiko in Branchen mit Fachkräfteengpässen, wie der IT sowie technische Dienstleistungen (Kosyakova et al., 2025).

Diese Entwicklung verdeutlicht unter anderem, dass Deutschland in einem immer stärkeren internationalen Wettbewerb um gut qualifizierte Fachkräfte steht, da andere Länder vor ähnlichen demografischen Herausforderungen stehen. Grundsätzlich ist zu beachten, dass bei einigen Personen die Zuwanderung von Beginn an temporär angelegt ist (zum Beispiel Teil einer internationalen Karriere oder Studienaufenthalt), während andere ursprünglich einen langfristigen Aufenthalt in Deutschland planten, sich aus unterschiedlichen Gründen jedoch für eine Rück- oder Weiterwanderung entscheiden. Diese Personen können mit einer erfolgreichen Willkommens- und Bleibekultur in Deutschland gehalten werden.

Eine etablierte Willkommens- und Bleibekultur, die neue Mitarbeiter:innen effektiv integriert, ihre Motivation stärkt und ihre Bindung an Unternehmen und die Region fördert, ist von zentraler Bedeutung. Nur wenn die Integration internationaler Fachkräfte nachhaltig gelingt, kann sie ein wertvoller Beitrag zur Fachkräftesicherung in Deutschland sein und ist den Unternehmen in der Region von Nutzen. Darüber hinaus zeigt sich, dass Herausforderungen bei der Integration die Unternehmen sogar von vornherein von der Rekrutierung von ausländischen Fachkräften abhalten können (Pierenkemper et al., 2023). Daher kommt der gelungenen Integration eine so hohe Bedeutung zu. Sowohl Unternehmen als auch die Politik können die Integration aktiv fördern. Um zielgerichtet Lösungen anzubieten, bedarf es einer Identifikation und Aufarbeitung der wesentlichen Herausforderungen, die bei der Integration entstehen können.

Dort setzt diese Publikation an und präsentiert Herausforderungen sowie Erfolgsfaktoren bei der Integration von internationalen Fachkräften aus Perspektive der Unternehmen. Unternehmen spielen eine Schlüsselrolle bei der Etablierung einer Willkommens- und Bleibekultur. Gleichzeitig hängt der Erfolg ihrer Maßnahmen natürlich auch von den institutionellen Rahmenbedingungen mit all ihren politischen und gesellschaftlichen Faktoren sowie von der Integrationsbereitschaft der zuwandernden Fachkräfte ab. Basierend auf empirischen Daten, wissenschaftlichen Studien sowie Interviews mit Expert:innen und Unternehmen wurden praxisorientierte Handlungsempfehlungen für Unternehmen im Nordschwarzwald entwickelt. Unternehmen, die Unterstützung bei der Etablierung einer Willkommens- und Bleibekultur wünschen n, können diese Empfehlungen nutzen. Unternehmen können schauen, welche ausgewählte(n) Maßnahme(n) am besten zu ihnen und den jeweiligen Rahmenbedingungen passen. Soweit möglich wurde in dieser Publikation an verschiedenen Stellen den regionalen Gegebenheiten der Region Nordschwarzwald Rechnung getragen.

Die Publikation gliedert sich in drei Teile: Zunächst wird die Ausgangslage und die spezifischen Rahmenbedingungen in der Region Nordschwarzwald beschrieben. Daraufhin werden die Herausforderungen bei der Integration von internationalen Fachkräften analysiert. Darauf aufbauend beschreibt der dritte Teil Handlungsempfehlungen und mögliche Lösungsansätze für Unternehmen. Für Unternehmen wurde zudem eine Übersicht über mögliche Maßnahmen in Form einer Checkliste aufbereitet. Hierbei ist zu beachten, dass es nicht darum geht, dass Unternehmen alle Maßnahmen umsetzen, sondern die für sich passendsten finden.

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