Die aktuelle Befragung zum ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex (ISI) revidiert zu einem guten Teil die vermutete Trendwende in der Immobilienbranche aus dem letzten Quartal. Die Lage wird zwar insgesamt noch als robust wahrgenommen und kann sogar leicht auf den Wert von 21,9 steigen (+0,3 Punkte).
Aktuelle Ergebnisse des ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex (ISI): Immobilienwirtschaft kommt ohne Schwung aus der Sommerpause
Gutachten im Auftrag des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss e.V.
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Die aktuelle Befragung zum ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex (ISI) revidiert zu einem guten Teil die vermutete Trendwende in der Immobilienbranche aus dem letzten Quartal. Die Lage wird zwar insgesamt noch als robust wahrgenommen und kann sogar leicht auf den Wert von 21,9 steigen (+0,3 Punkte).
Die Erwartungen geben aber wieder nach und sinken um 4,1 Punkte auf 24,8 Punkte. Das Immobilienklima erreicht damit einen Wert von 23,4. Während diese Eintrübung für die Branche insgesamt noch moderat ist, sind die Werte für einige der separat ausgewiesenen Segmente deutlich negativer. Dies liegt vor allem daran, dass in einigen der aufgrund kleiner Fallzahlen nicht explizit betrachteten Segmente, wie Handel oder Logistik, die Stimmungslage besser ist als bei Projektentwicklern oder im Büromarkt. Die Stimmungslage in der Immobilienwirtschaft folgt insgesamt der auch gesamtwirtschaftlich unbefriedigenden Lage und spiegelt die Unzufriedenheit mit der Bundesregierung wider. Die Ergebnisse im Einzelnen:
- Im Bürosegment ist die Einschätzung der Lage wieder auf das Niveau des 1. Quartals 2025 zurückgefallen. Die Geschäftslage liegt nun bei 11,9 Punkten (-21,4 Punkte), die Erwartungen bei 27,4 Punkten (+2 Punkte) und das Immobilienklima bei 19,5 Punkten (-9,8 Punkte). Die zunehmend schwächere Arbeitsnachfrage wirkt sich mittlerweile auch auf das Dienstleistungssegment aus, was auch Rückwirkungen auf den Büromarkt hat. Allerdings bleiben die Unternehmen mit Blick auf die nächsten 12 Monaten überwiegend optimistisch.
- Auch im Wohnsegment wird die Lage wieder schlechter eingeschätzt, die Einbußen sind aber weniger stark als im Bürosegment. Die Geschäftslage sinkt auf 31,4 Punkte (-2,6 Punkte) und die Erwartungen sinken auf 17,4 Punkte (-9,2). Damit liegt das Immobilienklima bei 24,3 Punkten (-6,0 Punkte). Grundsätzlich rechnen die Unternehmen weiter mit steigenden Mieten und auch Preisen. Ernüchterung ist aber hinsichtlich der Reformprojekte eingetreten. So sind geplante Vereinfachungen beim Bauen oder bei Sanierungen bislang nicht auf der politischen Agenda.
- Bei den Projektentwicklern hat sich in besonderer Weise die Stimmung wieder gedreht. Nach dem starken Zuwachs im letzten Quartal ist die Geschäftslage mit einem Wert von -7,6 Punkten wieder ins Negative gerutscht (-24,5 Punkte). Auch die Erwartungen haben sich deutlich verschlechtert, bleiben mit einem Wert von 30,2 Punkten aber noch auf einem hohen Niveau (-11,2 Punkte). Das Immobilienklima erreicht nun den Wert von 10,5 Punkten (-18,4 Punkte). Insgesamt zieht die Immobiliennachfrage wieder an, aber die Zuwächse sind auf einem sehr überschaubaren Niveau, welches nicht ausreicht, um die Unternehmen mehrheitlich in eine befriedigende Geschäftslage zurückzubringen. Die Branche erwartet mehr Rückenwind, etwa durch Reformen bei den KfW Programmen, die bislang aber ausgeblieben sind.
- Die aktuelle Sonderfrage dreht sich diesmal um die Zufriedenheit mit der Bundesregierung nach den ersten 100 Tagen. Nicht einmal ein Drittel der befragten Unternehmen sind zufrieden mit der Bundesregierung, die überwiegende Mehrheit der Befragten ist eher unzufrieden. 10 Prozent gaben sogar an, sehr unzufrieden zu sein. Ursächlich hierfür dürfte sein, dass viele in dem Koalitionsvertrag vorgesehene Maßnahmen noch nicht in der Umsetzung sind. Auch bezüglich des Wohnungsbau-Turbos sind die Befragten eher skeptisch. Nur rund 5 Prozent erwarten, dass das Gesetz in seiner jetzigen Form den Wohnungsmarkt entspannen würde, ein Fünftel erwartet, dass sich hiermit die Baulandverfügbarkeit erhöht. Die überwiegende Mehrheit sieht keinen signifikanten Fortschritt durch den Wohnungsbau-Turbo.
Seit dem Jahr 2014 befragt das IW vierteljährlich deutsche Immobilienunternehmen nach ihrer Geschäftslage. Seit 2020 wird die Befragung in Kooperation mit dem Zentraler Immobilien Ausschuss e.V. (ZIA) erstellt und unter dem Namen ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex (ISI) veröffentlicht. Der Index liefert zeitnahe Informationen über die Lage und Erwartungen von Immobilienunternehmen, also Bestandshalter von Immobilien, Finanzierer und Dienstleister von Immobilien und Projektentwicklern. Die Abfrage der Geschäftsführer und leitenden Angestellten hinsichtlich ihrer Einschätzung der Geschäftslage und Erwartungen dient zur aktuellen und prospektiven Beurteilung der konjunkturellen Entwicklung und zur Erhöhung der Transparenz des deutschen Immobilienmarktes. Subindizes für die vier wichtigsten Teilmärkte (Büro, Handel, Wohnen, Projektentwickler) zeigen ein differenziertes Bild der Stimmungslage im deutschen Immobilienmarkt. Das Unternehmenspanel der Befragung hat mittlerweile eine Größe von gut 400 Firmen.
Die Befragung ist als klassische Konjunkturumfrage konzipiert, in der die individuellen Einschätzungen der Geschäftsführer und Vorstände für ihre einzelnen Unternehmen abgefragt werden. Neben den beiden klassischen Fragen zur Lage und den Aussichten des eigenen Unternehmens, werden auch Fragen zu den Preis- und Mietentwicklungen, den Bestandsveränderungen sowie beispielsweise den Finanzierungsbedingungen gestellt. Die Zusammenführung der Einzelergebnisse zur Lage und den Aussichten erfolgt nach der Saldenmethode, bei der die prozentualen Anteile der drei Antwortkategorien aller Umfrageteilnehmer (gut, neutral, schlecht) saldiert werden. Dabei wird der Anteil der negativen Antworten von dem Anteil der positiven Antworten abgezogen, während der Anteil der neutralen Antworten für den Saldo keine Rolle spielt. Das Ergebnis wird auf Basis von Größenklassen gewichtet, um den unterschiedlichen Unternehmensgrößen Rechnung zu tragen. Durch dieses Vorgehen entstehen gewichtete und aggregierte Salden für die aktuelle Geschäftslage und die Geschäftserwartungen für die nächsten 12 Monate.
Aktuelle Ergebnisse des ZIA-IW-Immobilienstimmungsindex (ISI): Immobilienwirtschaft kommt ohne Schwung aus der Sommerpause
Gutachten im Auftrag des ZIA Zentraler Immobilien Ausschuss e.V.
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
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