1. Home
  2. Studien
  3. KI in der Ausbildung bereits häufig im Einsatz
IW-Kurzbericht Nr. 47 22. Juli 2026 Paula Risius / Sarah Hornickel KI in der Ausbildung bereits häufig im Einsatz

Künstliche Intelligenz gehört in jedem zweiten Unternehmen bereits zum Arbeitsalltag. In der Ausbildung vermitteln sogar drei von vier Ausbilderinnen und Ausbildern KI als Thema oder Methode teilweise intensiv. In beiden Bereichen gibt es große Unterschiede nach Branchen.

PDF herunterladen
IW-Kurzbericht 47/2026
IW-Kurzbericht Nr. 47 22. Juli 2026 Paula Risius / Sarah Hornickel

KI in der Ausbildung bereits häufig im Einsatz

Paula Risius / Sarah Hornickel Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Künstliche Intelligenz gehört in jedem zweiten Unternehmen bereits zum Arbeitsalltag. In der Ausbildung vermitteln sogar drei von vier Ausbilderinnen und Ausbildern KI als Thema oder Methode teilweise intensiv. In beiden Bereichen gibt es große Unterschiede nach Branchen.

Künstliche Intelligenz (KI) findet in immer mehr Unternehmen Anwendung. In einer Befragung von 866 Unternehmen im Herbst 2025 gaben 49,6 Prozent der Personalverantwortlichen an, dass ihr Unternehmen derzeit Künstliche Intelligenz nutzt (IW-Personalpanel, 2025). In Dienstleistungsunternehmen ist KI bereits deutlich stärker im Einsatz als in Handwerk, Handel, Bauwirtschaft und dem Verarbeitenden Gewerbe.

Aufgrund der hohen Relevanz der Technologie hat die EU im Jahr 2024 eine Verordnung für die Nutzung von KI verabschiedet. Darin ist auch die Förderung von Kompetenzen für die Nutzung festgehalten: Unternehmen haben die Pflicht, Mitarbeitende zu schulen, die KI für berufliche Zwecke einsetzen. KI-Kompetenzen sollen einen verantwortungsvollen und sachkundigen Einsatz mit der Technologie ermöglichen (Bundesnetzagentur, 2025) und gehen mit einer intensiveren Nutzung einher.

Viele Ausbilderinnen und Ausbilder bereiten ihre Auszubildenden bereits auf die Nutzung von KI im Arbeitskontext vor. Das zeigt eine bundesweite Online-Befragung von 630 betrieblichen Ausbilderinnen und Ausbildern, die im Rahmen des vom Bundesbildungs- und Familienministerium (BMBFSFJ) geförderten Projekts Netzwerk Q durchgeführt wurde (siehe Risius et al., 2026). Insgesamt wurden vier Aspekte zur Vermittlung des Umgangs mit KI in der Ausbildung abgefragt. Außerdem wurde erhoben, ob Absprachen zur KI-Nutzung mit anderen Lernorten bestehen (siehe Abbildung). Demnach thematisieren 39,5 Prozent der Ausbilderinnen und Ausbilder bereits drei oder vier der abgefragten Aspekte der KI-Nutzung intensiv in der Ausbildung und weitere 35,2 Prozent zumindest ein oder zwei Aspekte. Zugleich geben aber auch 25,3 Prozent der Befragten an, ihre Auszubildenden bislang kaum auf den Umgang mit KI vorzubereiten.

Die Auswertung zeigt, dass der Umsetzungsstand bei der KI-Nutzung in der Ausbildung bislang noch recht heterogen ist. Dies dürfte auch mit den unterschiedlichen Nutzungsgraden der Technologie als Arbeitsinstrument in den Unternehmen zusammenhängen. Darauf deutet hin, dass 30,3 Prozent der Befragten angeben, dass ihre Auszubildenden in einem Tätigkeitsfeld lernen, in dem Arbeitsprozesse bereits mit KI gesteuert werden. Von diesen Befragten vermitteln 81,8 Prozent drei oder vier Aspekte intensiv, weitere 17,5 Prozent einen oder zwei Aspekte und nur 0,7 Prozent keinen einzigen.

Inhaltselement mit der ID 15547
Inhaltselement mit der ID 15548

Kritischer Umgang und Nutzung von KI als Lernmedium an erster Stelle

Die befragten Ausbilderinnen und Ausbilder gehen in unterschiedlicher Intensität auf die verschiedenen Aspekte ein. Mit 56,9 Prozent geben die Befragten am häufigsten an, einen kritischen Umgang mit KI-generierten Inhalten zu thematisieren (Summe „trifft zu“ und „trifft eher zu“). Weitere 53,4 Prozent ermutigen die Auszubildenden, KI zum Lernen zu nutzen. Damit stärken die Ausbilderinnen und Ausbilder beim Thema KI vorrangig die Selbstlernkompetenz von Auszubildenden im Sinne einer Lernbegleitung. Hierzu passend bewerten acht von zehn Ausbilderinnen und Ausbildern die Förderung von eigenständigem Lernen als gute Strategie, um Auszubildende erfolgreich zu begleiten (Risius et al., 2026).


Demgegenüber ist der Anteil der Befragten, die mit den Auszubildenden in Grundzügen besprechen, wie KI funktioniert (44,0 Prozent) sowie welche ethischen und rechtlichen Aspekte zu beachten sind (41,5 Prozent), etwas geringer. Auffällig ist, dass die Behandlung von KI in den meisten Fällen ohne Rücksprache mit anderen Lernorten erfolgt: Nur gut jeder fünfte Ausbilderinnen und Ausbilder (21,0 Prozent) gibt an, dass Absprachen zur KI-Nutzung in der Ausbildung mit anderen Lernorten bestehen. Insbesondere Berufsschulen könnten hier eine größere Rolle spielen, vor allem für kleine und mittlere Unternehmen.

Mit Blick auf die Unternehmensgröße unterscheiden sich die Antworten der Ausbilderinnen und Ausbilder lediglich darin, dass jene aus großen Unternehmen ihren Auszubildenden häufiger die (theoretischen) Grundzüge der Funktionsweise von KI nahebringen. Bei Betrachtung nach Branchen fällt auf, dass Ausbilderinnen und Ausbilder aus wirtschaftsnahen Dienstleistungsunternehmen KI weitaus stärker in der Ausbildung verankern als Ausbilderinnen und Ausbilder anderer Branchen: 45,0 Prozent der Befragten aus diesem Wirtschaftsbereich geben an, alle vier Aussagen seien (eher) zutreffend. Darin spiegelt sich, dass die KI-Nutzung in wirtschafts- und gesellschaftsnahen Dienstleistungsunternehmen generell bereits eine höhere Verbreitung hat und infolgedessen auch stärker in der Ausbildung thematisiert wird. Dies betrifft auch die Absprachen mit anderen Lernorten. 40,8 Prozent der Befragten aus wirtschaftsnahen Dienstleistungsunternehmen geben an, Absprachen mit anderen Lernorten zu haben, wohingegen es bei Ausbilderinnen und Ausbildern im Verarbeitenden Gewerbe (18,0 Prozent), in der Metall- und Elektroindustrie (15,8 Prozent), im Groß- und Einzelhandel (13,6 Prozent) und im Öffentlichen Dienst (16,3 Prozent) deutlich weniger Befragte sind. Lediglich unter Ausbilderinnen und Ausbildern in gesellschaftsnahen Dienstleistungsunternehmen ist der Anteil der Befragten, denen zufolge Absprachen mit anderen Lernorten bestehen, mit knapp drei von zehn Ausbilderinnen und Ausbildern (29,8 Prozent) ebenfalls vergleichsweise hoch.

Dringender Bedarf bei Absprachen mit anderen Lernorten

Die Befragung zeigt somit insgesamt deutlichen Nachholbedarf bei der Kooperation und Absprache zwischen Betrieben und anderen Lernorten, insbesondere der Berufsschule. Das duale System ist darauf ausgerichtet, dass die Auszubildenden ihre Handlungskompetenzen an allen Lernorten – vor allem im Ausbildungsbetrieb und der Berufsschule sowie in überbetrieblichen Lehrwerkstätten im Handwerk – entwickeln. Dementsprechend sollten die Lernorte auch zur KI-Technologie ein kohärentes Lernkonzept verfolgen, um die Auszubildenden auf die Anforderungen vorzubereiten (vgl. Rott/Schmidt-Hertha, 2024). Dabei kommt den Berufsschulen die Rolle zu, die theoretischen Grundlagen einer handlungskompetenten KI-Nutzung im Beruf zu vermitteln. Dafür könnten sie Betriebe stärker in ihre didaktische Jahresplanung und die Gestaltung des Themas KI einbeziehen. Ein Zusammenwirken der Lernorte ist vonnöten, um die Auszubildenden auf den verantwortungsvollen und sachkundigen Einsatz von KI vorzubereiten. Ein regelmäßiger Austausch zwischen Betrieb und Berufsschule kann die Grundlage bieten, KI systematisch in Lernprozesse zu integrieren und anwendungsorientiertes KI-Wissen im Betrieb stärker mit pädagogisch-didaktischen Ansätzen in der Berufsschule zu verzahnen (vgl. Gössling/Vötsch, 2025).

Ausbilderinnen und Ausbilder könnten dafür regelmäßig mit Berufsschullehrern und anderen Bildungsverantwortlichen in Rücksprache gehen, gemeinsame KI-Nutzungsregeln vereinbaren und voneinander und miteinander lernen (vgl. Schley, 2022). Dies ist zudem von Bedeutung, weil bereits viele junge Menschen KI nutzen: 49,0 Prozent der 16- bis 24-Jährigen in Deutschland nutzten im Jahr 2025 bereits generative KI – beruflich, privat oder im (Aus-) Bildungskontext (Eurostat, 2025).

Angesichts der rasanten KI-Entwicklung und der Anforderungen des AI Acts der EU ist der Aufbau und die kontinuierliche Weiterentwicklung von KI-Kompetenzen nicht nur in der Ausbildung, sondern auch in der Weiterbildung unerlässlich. Dabei können insbesondere der Wissenstransfer und der Austausch auch mit anderen Unternehmen wichtige Impulse liefern. Neben Vernetzung bietet die Kollaboration ebenfalls einen Mehrwert: Gerade für KMU schaffen die gemeinsame Nutzung kostenintensiver Infrastruktur und die Zusammenarbeit an unternehmensübergreifenden Projekten neue Möglichkeiten.
 

DOI: 10.67087/19.21377

PDF herunterladen
IW-Kurzbericht 47/2026
IW-Kurzbericht Nr. 47 22. Juli 2026 Paula Risius / Sarah Hornickel

KI in der Ausbildung bereits häufig im Einsatz

Paula Risius / Sarah Hornickel Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Mehr zum Thema

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Typische Männer- und Frauenberufe
iwd 2. Juni 2026 Andrea Hammermann

Typische Männer- und Frauenberufe

Ob in der Ausbildung oder im Studium – Frauen und Männer entscheiden sich jeweils nach wie vor häufig für bestimmte Berufe. Maßnahmen, um die Geschlechterklischees bereits in der Schule aufzubrechen, sind auch aus wirtschaftlicher Perspektive begrüßenswert.

Andrea Hammermann iwd

Artikel lesen
Audio 23. April 2026 Axel Plünnecke im VDI-Podcast

MINT: „Es gibt noch viele Potenziale, die nicht erschlossen sind“

Wie groß ist das Potenzial von Frauen im Ingenieurwesen – und was bremst es noch aus? IW-Ökonom Axel Plünnecke spricht im VDI-Podcast „Technik aufs Ohr“ über eine neue Studie von VDI und IW.

Axel Plünnecke im VDI-Podcast IW

Mehr zum Thema

Inhaltselement mit der ID 8880