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Michael Grömling / Jürgen Matthes IW-Kurzbericht Nr. 8 23. Januar 2017 Deutsche Unternehmen sehen den Brexit gelassen

Das Vereinigte Königreich (UK) will zwar aus dem Binnenmarkt austreten, mit einem umfassenden Freihandelsabkommen aber einen weitgehenden Zugang zu den EU-Absatzmärkten behalten. Es ist jedoch fraglich, ob sich die Europäische Union darauf einlässt. Die Brexiteers behaupten, dass vor allem deutsche Unternehmen, die sich um ihre Exporte in das UK sorgen, auf weiche Kompromisse zugunsten der Briten drängen, um weiterhin möglichst ungehindert Handel treiben zu können. Eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) stellt diese Sichtweise jedoch infrage.

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Das Vereinigte Königreich (UK) will zwar aus dem Binnenmarkt austreten, mit einem umfassenden Freihandelsabkommen aber einen weitgehenden Zugang zu den EU-Absatzmärkten behalten. Es ist jedoch fraglich, ob sich die Europäische Union darauf einlässt. Die Brexiteers behaupten, dass vor allem deutsche Unternehmen, die sich um ihre Exporte in das UK sorgen, auf weiche Kompromisse zugunsten der Briten drängen, um weiterhin möglichst ungehindert Handel treiben zu können. Eine Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW Köln) stellt diese Sichtweise jedoch infrage.

Das IW Köln hat im Oktober und November 2016 rund 2.900 Firmen in West- und Ostdeutschland zu ihren Erwartungen über die Auswirkungen des bevorstehenden Brexits auf Exporte, Investitionen, Beschäftigung, Personalplanung und Produktionsprozesse befragt. Dabei ergab sich Folgendes: Mehr als 90 Prozent der befragten Unternehmen sehen keine starken Auswirkungen des Brexits auf die genannten Geschäftstätigkeiten. Sie stehen demnach dem Brexit deutlich gelassener gegenüber, als viele Brexiteers vermuten. Die britische Verhandlungsposition scheint somit deutlich weniger stark zu sein.

Die Umfragedaten ermöglichen vielfältige Einsichten in die Betroffenheit der deutschen Wirtschaft durch den Brexit (Tabelle). Am stärksten betroffen sind die Exportperspektiven in das UK. Knapp 10 Prozent der befragten Firmen erwarten hier mittelfristig (ab 2018) starke Beeinträchtigungen aufgrund der Abwertung des britischen Pfunds. Mit starken negativen Auswirkungen auf Investitionen und Beschäftigung rechnen nur 2 bis 3 Prozent der Unternehmen. Die Auswirkungen auf Exporte und Investitionen werden im Folgenden differenziert.

Wechselkursbedingte Exporteinbußen werden eher von Unternehmen erwartet, die stärker in den Außenhandel eingebunden sind:

  • Bei der Branchenunterscheidung sehen 14 Prozent der Firmen aus der Industrie starke und 36 Prozent leicht negative Auswirkungen, während es bei den Dienstleistern jeweils nur 5 und 18 Prozent sind.
  • Ähnlich sind die Divergenzen zwischen den west- und ostdeutschen Betrieben.
  • Besonders starke Unterschiede existieren mit Blick auf die Unternehmensgröße: Von den Großunternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten erwarten rund 20 Prozent eine starke und rund 40 Prozent eine leichte wechselkursbedingte Exportbeeinträchtigung. Von den kleinen und mittleren Betrieben fühlen sich nur rund 8 Prozent stark und rund 26 Prozent leicht betroffen.

Doch nur 2 Prozent der befragten Großunternehmen gehen trotz der exportseitigen Betroffenheit davon aus, dass der Brexit ihre Investitionen stark beeinträchtigen wird. Über alle Firmenkategorien hinweg zeigen sich bei den stärkeren Investitionsauswirkungen bemerkenswert geringe Unterschiede. Bei den leichten Beeinträchtigungen der eigenen Investitionstätigkeit wird wiederum die erwähnte Differenzierung sichtbar: eine relativ höhere Betroffenheit der Industrie (19 Prozent), der westdeutschen Firmen (16 Prozent) und der Großunternehmen (21 Prozent).

Doch der Brexit kann die deutsche Wirtschaft auch positiv beeinflussen. Knapp ein Viertel der Firmen erwartet, dass die eigene Geschäftstätigkeit durch Umlenkungseffekte zulasten der britischen Wirtschaft profitiert. Das ist sogar ein etwas höherer Anteil als bei der Antwortkategorie Investitionsbeeinträchtigung. Zum Beispiel könnten bisherige EU-Käufer britischer Waren aufgrund von neuen EU-Importhemmnissen nach dem Brexit nicht länger UK-Produkte kaufen, sondern Produkte deutscher Firmen nachfragen. Derartige Umlenkungseffekte sehen Industriefirmen (27 Prozent) eher als Dienstleister (21 Prozent). Die Unterschiede bei den übrigen Firmenkategorien sind relativ gering.

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Michael Grömling / Jürgen Matthes: Deutsche Unternehmen sehen den Brexit gelassen

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Michael Grömling / Jürgen Matthes: German companies relaxed about Brexit

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