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Markus Demary / Niklas Florian Taft IW-Report Nr. 31 26. Mai 2023 Die Energieabhängigkeit der Bankkredite

Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat die Vulnerabilität der Bundesrepublik Deutschland gegenüber russischen Energieimporten, insbesondere beim Erdgas, aufgezeigt.

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Die Energieabhängigkeit der Bankkredite
Markus Demary / Niklas Florian Taft IW-Report Nr. 31 26. Mai 2023

Die Energieabhängigkeit der Bankkredite

Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat die Vulnerabilität der Bundesrepublik Deutschland gegenüber russischen Energieimporten, insbesondere beim Erdgas, aufgezeigt.

Durch eine drohende Gasmangellage ist der Gaspreis massiv gestiegen, was vor allem die energieintensiven Unternehmen, die Erdgas für die Stromerzeugung, aber auch für die Erzeugung von Prozesswärme nutzen, vor große Herausforderungen gestellt hat. Wenn Kreditnehmer von stark steigenden Energiekosten betroffen sind, so stellt sich die Frage, inwieweit Risiken für Banken aus der Energiekrise entstehen.

Für diese Analyse definieren wir das Maß der Energiekreditlast. Diese Kennzahl verknüpft die Energieintensität einer Branche mit dem Kreditvolumen, das eine Bank oder Bankengruppe in ebendiese Branchen vergeben hat. Anschließend ist es möglich, die Energiekreditlast über die verschiedenen Branchen aufzusummieren. Auf diese Art und Weise erhalten wir eine Kennzahl, welche beschreibt, wie viel Energie hinter dem von einer Bank oder Bankengruppe finanzierten Kreditvolumen steht. Banken oder Bankengruppen mit einer höheren Energiekreditlast tragen damit im Falle einer Energiekrise ein höheres Kreditausfallrisiko in ihren Portfolios verglichen mit einer Bank oder Bankengruppe mit einer niedrigen Energiekreditlast.  

Die Analyse der Energiekreditlast hat gezeigt, dass die Kreditportfolios der Banken durch ihre Energieabhängigkeit durchaus anfällig für den Energiepreisschock sind. Daraus resultiert aber nicht notwendigerweise eine Warnung für die Finanzmarktstabilität. Dafür, dass aus der Energiekrise keine Bankenkrise resultieren wird, sprechen die folgenden Analyseergebnisse:

  • Zwar sind die Großbanken durch eine geringe Eigenkapitalrentabilität und geringe Eigenkapitalquoten im Vergleich zu den kleineren Banken gekennzeichnet, doch weisen sie bei den Energiekreditlasten nur moderate Werte auf.
  • Die Gaskreditlast ist vor allem auf die Regionalbanken, die Landesbanken und die Förderbanken fokussiert. Die Regionalbanken sind zwar größer als die Sparkassen und Kreditgenossenschaften, aber immer noch klein im Vergleich zu den Landesbanken und den Förderbanken. Die Eigenkapitalquoten der Landesbanken und Förderbanken sind aber vergleichsweise hoch, so dass diese unerwartete Verluste durchaus verkraften können.
  • Die Erdölkreditlast fokussiert sich vor allem auf die Zweigstellen der ausländischen Banken. Auch hier sind die Eigenkapitalquoten ausreichend hoch.
  • Die Steinkohlenkreditlast ist für alle Bankengruppen recht moderat.
  • Die Branchen mit einer hohen Energieintensität, vor allem aber einer hohen Gasabhängigkeit und Erdölabhängigkeit, weisen deutlich höhere Eigenkapitalquoten im Vergleich zu den weniger energieintensiven Branchen auf. Was hier im Gegensatz zu einer Schieflage zu erwarten ist, ist, dass die Unternehmen aufgrund von hohen Energiekosten ihren Standort verlagern werden.

Insgesamt kann somit nicht geschlussfolgert werden, dass aus der aktuellen Energiekrise eine Bankenkrise resultiert. Dazu gehört auch, dass das Bankensystem durch die Anpassung der Finanzmarktregulierung nach der Globalen Finanzmarktkrise aus den Jahren 2008 und 2009 deutlich robuster geworden ist und negative Schocks besser schultern kann. Dies hat sich bereits in der Covid-19-Krise gezeigt, als die Banken trotz Rezession und drohenden Unternehmensinsolvenzen recht stabil die Wirtschaft mit Krediten versorgen konnten.

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