Sommerzeit ist Ferienzeit. Für viele Familien startet damit der Sommerurlaub, der je nach Bundesland früher oder später im Sommer beginnen kann. Besonders beliebt sind Auslandsreisen in den Sommermonaten – trotz gestiegener Flugpreise, die je nach Bundesland stark variieren. Den gestiegenen Flugpreisen zum Trotz ist der Tourismus in Deutschland weiterhin auf einem stetig hohen Niveau.
Flugreisen: Preiseffekte in den Sommerferien
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Sommerzeit ist Ferienzeit. Für viele Familien startet damit der Sommerurlaub, der je nach Bundesland früher oder später im Sommer beginnen kann. Besonders beliebt sind Auslandsreisen in den Sommermonaten – trotz gestiegener Flugpreise, die je nach Bundesland stark variieren. Den gestiegenen Flugpreisen zum Trotz ist der Tourismus in Deutschland weiterhin auf einem stetig hohen Niveau.
Der Tourismus ist ein zentraler Pfeiler der deutschen Wirtschaft – nicht nur als Einnahmequelle durch internationale Gäste, sondern teilweise auch durch das Reiseverhalten der Deutschen selbst. Besonders in den Sommermonaten zieht es Millionen Bundesbürger ins Ausland. Diese Auslandsreisen haben erhebliche wirtschaftliche Effekte – sowohl im In- als auch im Ausland. In Deutschland profitieren vor allem Reiseveranstalter, Fluggesellschaften, Versicherungen und der Einzelhandel. Der Tourismus schafft und sichert hunderttausende Arbeitsplätze, insbesondere in der Dienstleistungsbranche (Kempermann/Lichtblau, 2020). Gleichzeitig steigt der Konsum an – von Reiseausrüstung über Hotelbuchungen bis hin zu gastronomischen Angeboten. Auch in den Zielländern führt der Tourismus zu Investitionen in Infrastruktur, etwa in Flughäfen, Straßen, Hotels und Freizeitangebote, was wiederum die lokale Wirtschaft stärkt und Arbeitsplätze schafft.
Im Jahr 2025 bleibt die Reiselust ungebrochen: Die meisten zieht es dabei ins europäische Ausland (52 Prozent), gefolgt von Urlaub in Deutschland (31 Prozent) und im außereuropäischen Ausland mit 17 Prozent (ADAC, 2025). Dabei kehrt der Tourismus in Deutschland nach dem pandemiebedingten Einbruch (Büchel/Engels, 2022; Bardt, 2020) wieder auf das Vor-Corona-Niveau zurück – den zunehmenden Preisen für den Flugverkehr in den letzten Jahren zum Trotz (Statistisches Bundesamt, 2025).
Preiseffekte in den Sommerferien
Wann es für die Familien mit schulpflichtigen Kindern in den Urlaub geht, entscheidet der Wohnort – schließlich ist der Sommerurlaub in Deutschland im jährlichen Wechsel nach Bundesländern gestaffelt. Am 28. Juni starteten mit Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen die ersten Bundesländer in den Sommerurlaub 2025. Am spätesten beginnen die Sommerferien in Bayern, wo sie vom 4. August bis zum 15. September 2025 andauern. Besonders beliebt für den Familienurlaub ist dabei der Ferienbeginn (FUR, 2024).
Für den Preis einer Flugreise müssen die Familien je nach Bundesland mehr oder weniger tief in die Tasche greifen (Tabelle). Die Daten zur Beurteilung der Preisaufschläge im Sommerurlaub wurden automatisiert über das Vergleichsportal Check24 erhoben. Hierfür wurden alle deutschen Flughäfen mit einem Passagieraufkommen größer als 100.000 betrachtet und alle Flugpreise in beliebte Urlaubsdestinationen (Athen, Kairo, Ibiza, Istanbul, Gran Canaria und Palma de Mallorca) gesammelt. Zur Berechnung der Preisaufschläge in Prozent wurde der Preis für Flüge in den ersten beiden Ferienwochen mit dem durchschnittlichen Preis zwei Wochen vor Beginn der Ferien verglichen. Für jedes Bundesland wurden hierzu jeweils acht Wochen vor den Referenzzeiträumen Daten extrahiert und der durchschnittliche Preis vor und innerhalb der jeweiligen Sommerferien berechnet.

Mit 74,9 Prozent verzeichnet das Bundesland Bremen den höchsten durchschnittlichen Preisaufschlag pro Flug in den Sommerferien. Während ein Urlaubsflug zwei Wochen vor den Sommerferien noch durchschnittlich 276 Euro kostet, muss für einen Flug in den Sommerferien ein Durchschnittspreis von 483 Euro gezahlt werden. Dabei ist zu berücksichtigen, dass vom Flughafen Bremen mit Istanbul und Palma de Mallorca nur zwei der betrachteten sechs Zielflughäfen angeflogen werden, und die höchsten Preisaufschläge für Flüge nach Istanbul zu beobachten sind. Gleichzeitig gibt es deutlich mehr Flüge von Bremen nach Istanbul als nach Palma de Mallorca.
Nach Bremen folgen die Bundesländer Nordrhein-Westfalen mit einem Aufschlag von 55 Prozent und Berlin mit fast 50 Prozent. Den geringsten Aufschlag verzeichnet das Bundesland Sachsen mit nur 4,5 Prozent höheren Preisen in den Sommerferien, wobei die durchschnittlichen Ticketpreise grundsätzlich bereits auf einem hohen Niveau mit über 400 Euro im Schnitt liegen. Der besonders niedrige Preisaufschlag lässt sich dadurch erklären, dass besonders häufig Palma de Mallorca von Leipzig und Dresden angeflogen wird, wofür die Preisaufschläge grundsätzlich niedrig sind. Schließlich schwanken die durchschnittlichen Preiseffekte von 12 Prozent für Palma de Mallorca bis 70 Prozent für Istanbul. In den Sommerferien sind Flüge nach Istanbul oft teurer als nach Palma de Mallorca, da unter anderem die Nachfrage durch Familienbesuche zusätzlich zum Urlaubsverkehr stark ansteigt.
Volkswirtschaftliche Betrachtung
Aus volkswirtschaftlicher Perspektive sind diese Preisaufschläge der marktwirtschaftliche Ausdruck von Angebot und Nachfrage. In den Sommerferien steigt die Nachfrage nach Flugreisen sprunghaft an – insbesondere von Familien mit schulpflichtigen Kindern, die nur in diesem Zeitraum verreisen können. Dem steht ein knappes und konstantes Angebot gegenüber. Fluggesellschaften und Flughäfen können ihre Kapazitäten nur sehr begrenzt ausweiten, weil beispielsweise die Anzahl der Flugzeuge, die Anzahl der Flugslots und das Personal (zum Beispiel für Sicherheit, Fluglotsen) nicht beliebig flexibel angepasst werden können. So wurde etwa in Folge der Corona-Pandemie ein erheblicher Fachkräftemangel im Flugverkehr deutlich, der nach wiedererstarktem Bedarf im Jahr 2022 zu zahlreichen Flugausfällen und steigenden Preisen führte (Burstedde/Koneberg, 2022). Je knapper das Angebot – vor allem bedingt durch die Anzahl der Flüge pro Tag für bestimmte Zielflughäfen – desto größer der marktwirtschaftliche Preiseffekt. Schließlich kalkulieren Fluggesellschaften oft so, dass sie in der umsatzstarken Hauptsaison Gewinne erzielen, um die schwächeren Monate auszugleichen – eine sogenannte Mischkalkulation. Gleichzeitig führen gestiegene Energie- und Betriebskosten dazu, dass die Ticketpreise insgesamt auf einem höheren Niveau liegen (Oven-Krockhaus/Albers, 2023).
Daneben könnte die Spitzenposition des Bundeslands Nordrhein-Westfalen auch zum Teil Ausdruck der Konkurrenz mit Nachfragern aus den benachbarten Beneluxländern sein. Die Ferienzeiten in NRW überschneiden sich stark mit denen in den Niederlanden und Belgien. Flughäfen wie Düsseldorf, Köln/Bonn oder Weeze bedienen auch niederländische und belgische Kundschaft – das könnte zu höheren Preisen führen. Ähnliches gilt für die südlichen Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg, in denen vor allem die Flughäfen München und Memmingen mit Nachfragern aus Österreich und der Schweiz konkurrieren.
Fazit
Der Tourismus ist nach dem Einbruch während der Corona-Pandemie wieder auf einem hohen Niveau, wobei besonders Auslandsreisen in den Sommermonaten beliebt sind – trotz gestiegener Flugpreise, die je nach Bundesland stark variieren. Diese Preisaufschläge sind Ausdruck von Angebot und Nachfrage, beeinflusst durch Ferienzeiten, begrenzte Flugkapazitäten, gestiegenen Betriebskosten und Konkurrenz aus Nachbarländern, was zu wirtschaftlichen Effekten im In- und Ausland führt.
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