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Gutachten 7. Juli 2026 Leonie Graham / Maike Haag / Enno Kohlisch / Oliver Koppel Industrieposition in der Zukunft: Patentdynamik in zentralen Technologiebereichen

Im technologieübergreifenden Durchschnitt des Analysezeitraums 2000-2022 beläuft sich der Patentweltmarktanteil Deutschlands auf 18,7 Prozent. Anders ausgedrückt hatte mehr als jede sechste transnationale Patentanmeldung in diesem Jahrtausend ihren Ursprung am Forschungsstandort Deutschland.

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Industrieposition in der Zukunft: Patentdynamik in zentralen Technologiebereichen
Gutachten 7. Juli 2026 Leonie Graham / Maike Haag / Enno Kohlisch / Oliver Koppel

Industrieposition in der Zukunft: Patentdynamik in zentralen Technologiebereichen

Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung (Hrsg.)

Leonie Graham / Maike Haag / Enno Kohlisch / Oliver Koppel Institut der deutschen Wirtschaft (IW) Institut der deutschen Wirtschaft (IW)

Im technologieübergreifenden Durchschnitt des Analysezeitraums 2000-2022 beläuft sich der Patentweltmarktanteil Deutschlands auf 18,7 Prozent. Anders ausgedrückt hatte mehr als jede sechste transnationale Patentanmeldung in diesem Jahrtausend ihren Ursprung am Forschungsstandort Deutschland.

Jedoch ist dieser Anteilswert deutlich und nahezu kontinuierlich von 21,9 Prozent im Jahr 2000 auf 15,0 Prozent im Jahr 2022 gesunken. Eine differenzierte Analyse auf Ebene von 15 Technologiebereichen zeigt, dass sich dieser Befund in nahezu jedem einzelnen Bereich bestätigt. Deutschlands Stärken am Patentweltmarkt sind insbesondere von automobilaffiner Technologie geprägt, was im Falle des elektrifizierten Kfz-Antriebsstrangs und des autonomen Fahrens sehr zu begrüßen ist, im Fall des konventionellen Kfz-Antriebsstrangs jedoch als Indiz für die anhaltenden Herausforderungen des Strukturwandels zu interpretieren ist. In sämtlichen Bereichen der Digitalisierungstechnologie, darunter Halbleiter, Cybersecurity, Künstliche Intelligenz und Quantencomputing, schneidet Deutschland hingegen nur unterdurchschnittlich ab, ebenso bei Technologie aus dem Bereich der Lebenswissenschaften wie pharmazeutischer Technologie oder Biotechnologie. Erschwerend hinzu kommt, dass die Patentleistung des Forschungsstandorts Deutschland insgesamt sowie in vielen Technologiebereichen nicht nur relativ gemessen am Weltmarkt, sondern sogar absolut zurückgeht.

Nochmals verstärkt wird dieser kritische Befund, wenn ergänzend die Kontrollperspektive der Patente berücksichtigt wird. Rund 189.000 oder 29 Prozent aller transnationalen Patentanmeldungen, die im Zeitraum 2000-2022 am Forschungsstandort Deutschland hervorgebracht wurden, befinden sich aktuell im Besitz und damit unter der Kontrolle eines Global Ultimate Owners aus dem Ausland. Dem gegenüber stehen rund 102.000 transnationale Patentanmeldungen, die an einem ausländischen Forschungsstandort hervorgebracht wurden und aktuell von einem Global Ultimate Owner aus Deutschland kontrolliert werden. Per Saldo hat Deutschland folglich in gravierendem Ausmaß intellektuelle Eigentumsrechte an das Ausland verloren. Die differenzierte Analyse zeigt, dass nahezu jeder der 15 Technologiebereiche einen negativen Patentsaldo zu verzeichnen hat.

Im Bereich Verteidigung/Militär kommt der Forschungsstandort Deutschland über den gesamten Analysezeitraum auf einen unterdurchschnittlichen Patentweltmarktanteil in Höhe von 14,7 Prozent, am aktuellen Rand sogar nur auf 11,2 Prozent. Hier profitiert Deutschland jedoch zusätzlich von Innovationen, die von länderübergreifenden Konzernen (KNDS, Airbus Defence and Space, …) hervorgebracht werden und an denen Deutschland zumindest in Form geteilter Kontrollrechte partizipiert.

Rund 79 Prozent aller im Rahmen der vorliegenden Studie analysierten Patente wurden von Industrieunter nehmen angemeldet, für den Forschungsstandort Deutschland lag der Referenzwert sogar bei 83 Prozent. Die Ergebnisse sind folglich als repräsentativ für die deutsche Industrie zu interpretieren. Unter dem Strich ist Deutschland gut beraten, seine in Patenten resultierende Forschung und Entwicklung nachhaltig zu stärken und in relevanten Technologien, insbesondere aus den Bereichen Digitalisierung, Verteidigung/Militär und Lebenswissenschaften, einen deutlich höheren Grad technologischer Autarkie zu erzielen.

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