Eine Analyse mit Daten des European Social Survey aus 14 europäischen Ländern zeigt, dass der gewerkschaftliche Netto-Organisationsgrad – also der Anteil der abhängig Beschäftigten, die Mitglied einer Gewerkschaft sind – im Jahr 2023 zwischen 5,6 Prozent (Ungarn) und 72,3 Prozent (Schweden) lag.
Gewerkschaftlicher Organisationsgrad im europäischen Vergleich: Eine Analyse auf Grundlage des European Social Survey 2023
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Eine Analyse mit Daten des European Social Survey aus 14 europäischen Ländern zeigt, dass der gewerkschaftliche Netto-Organisationsgrad – also der Anteil der abhängig Beschäftigten, die Mitglied einer Gewerkschaft sind – im Jahr 2023 zwischen 5,6 Prozent (Ungarn) und 72,3 Prozent (Schweden) lag.
In fast allen untersuchten Ländern kam es seit 2016 zu einem Rückgang der gewerkschaftlichen Verankerung. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass sich auch in den durch multiple exogene Schocks geprägten Krisenjahren ab 2020 keine Trendumkehr vollzogen hat. Eine differenzierte Betrachtung der gewerkschaftlichen Mitgliederstrukturen zeigt, dass diese Entwicklung vor allem auf die geringe Mobilisierung von Beschäftigten in kleinen Betrieben, von „atypisch“ Beschäftigten, von Beschäftigten mit Migrationshintergrund sowie von jüngeren Arbeitnehmern zurückzuführen ist. Die Geschlechterunterschiede in der gewerkschaftlichen Mobilisierung sind in einigen europäischen Ländern rückläufig. Aufgrund des überproportionalen Anteils älterer Kohorten in den Gewerkschaften und der geringen Organisationsneigung jüngerer Beschäftigter droht künftig ein weiterer Rückgang der gewerkschaftlichen Verankerung, sofern es den Gewerkschaften nicht gelingt, ihre Mobilisierungsdefizite zu beheben.
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