Im Fokus der politischen Diskussion in Deutschland und Europa steht regelmäßig die Frage nach dem Umgang mit wirtschaftlichen Abhängigkeiten von China und wie diese aufgelöst werden können – und das nicht erst, seitdem die stark gestiegenen Energiepreise in Folge des russischen Angriffskriegs Anfang des Jahres 2022 gegen die Ukraine zu erheblichen wirtschaftlichen Verwerfungen geführt haben.
Strategische Abhängigkeiten bei wichtigen Arzneimitteln von China
Gutachten im Auftrag von Pro Generika e. V.
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Im Fokus der politischen Diskussion in Deutschland und Europa steht regelmäßig die Frage nach dem Umgang mit wirtschaftlichen Abhängigkeiten von China und wie diese aufgelöst werden können – und das nicht erst, seitdem die stark gestiegenen Energiepreise in Folge des russischen Angriffskriegs Anfang des Jahres 2022 gegen die Ukraine zu erheblichen wirtschaftlichen Verwerfungen geführt haben.
So kommen Studien zur Situation in Deutschland zu dem Ergebnis, dass sich die Problematik potenziell kritischer Importabhängigkeiten von China seit Jahren verschärft: Aktuell liegen hohe Importabhängigkeiten nicht nur bei Produkten der elektrischen und elektronischen Erzeugnisse und des Maschinenbaus vor, sondern insbesondere in der Warenkategorie der chemischen und verwandten Produkte. Der überwiegende Teil dieser von hohen Importabhängigkeiten betroffenen chemischen Produkte betrifft den pharmazeutischen Bereich, wie Fieber-, Schmerz- und Narkosemittel oder ihre Vorprodukte (Matthes, 2024). Für Deutschland und Europa wird die Abhängigkeit von China und anderen Ländern in der Versorgung mit kritischen Arzneimitteln zunehmend zu einer Herausforderung. Die Relevanz der Abhängigkeit von Wirkstoff- und Arzneimittellieferungen aus China zeigt sich insbesondere darin, dass Arzneimittellieferengpässe in der deutschen und europäischen Versorgungslandschaft kein erst seit kurzem auftretendes Phänomen sind. Bereits seit Beginn der 2010er Jahre wurde die Problematik fehlender Medikamente in der Politik und Öffentlichkeit thematisiert, ohne dass diesen Engpässen zu dieser Zeit spezifische geopolitische Krisen zugrunde lagen (Louloudi et al., 2023). Die zunehmenden geopolitischen Spannungen erhöhen die Relevanz der Abhängigkeit zusätzlich. Entsprechend haben sich Arzneimittellieferengpässe zu einem zentralen Thema in den Gesundheitssystemen Europas entwickelt, welches die Europäische Union (EU) zuletzt mit dem Critical Medicines Act mithilfe von Maßnahmen zur Stärkung der heimischen Arzneimittelproduktion angehen will (Deutsches Ärzteblatt, 2025).
Noch in den 1980er Jahren galt Deutschland, neben den USA und Japan, als Apotheke der Welt und Europa weltweit als wichtigster Entwicklungs- und Produktionsstandort für Pharmazeutika. Doch seitdem änderte sich dieses Gefüge sukzessive – im generischen Bereich sogar grundlegend: Die chinesische Regierung begann, gezielt in die Herstellung von Arzneimitteln und ihrer Wirkstoffe zu investieren, um zunächst vor allem den inländischen Bedarf mit Arzneimitteln zu decken und potenzielle Überschüsse zu exportieren. So entstanden unter anderem große Produktionsanlagen für die Herstellung antibiotischer Erzeugnisse in China, welche mittlerweile vielfach zu den wichtigsten Zulieferern weltweit zählen (Francas und Kirchhoff, 2023). Daneben beförderten auslaufende Patente bei Blockbustern bei gleichzeitig austrocknenden Innovationspipelines, der stetige Übergang von der chemischen hin zu biotechnologischen Wirkstoff- und Arzneimittelproduktion, vor allem aber wachsende regulatorische Hürden und der steigende Kostendruck auf insbesondere Generika in den westlichen Gesundheitssystemen die Entstehung erheblicher Abhängigkeiten von Zulieferungen pharmazeutischer Erzeugnisse aus China (Kirchhoff und Koppel, 2025). Zwar ist davon auszugehen, dass aus China kaum Endprodukte in Form von Fertigarzneimitteln direkt in die deutsche und europäische Versorgung gelangen. Vielmehr wird gelten, dass Abhängigkeiten vor allem aufgrund von Zulieferungen Chinas über die verschiedenen pharmazeutischen Wertschöpfungsstufen an Wirkstoff- und Fertigarzneimittelhersteller weltweit zu Abhängigkeiten führen.
Die vorliegende Studie analysiert die Problematik strategischer Abhängigkeiten bei Arzneimitteln von Zulieferungen aus China und gibt Antworten auf folgende Leitfragen:
- In welchem Ausmaß bestehen in der heimischen Arzneimittelproduktion und -versorgung aktuell Importabhängigkeiten von China und wie konnte es zu diesen kommen? Strategische Abhängigkeiten: Wie verletzlich ist Europa?
- Welche Zielsetzungen verfolgen China auf der einen Seite, Deutschland und die EU auf der anderen Seite bei der Entwicklung und Produktion unterschiedlicher Arzneimittelgruppen? Welche Strategien wurden und werden in diesem Zusammenhang verfolgt?
- Besteht die Gefahr, dass China bestehende Abhängigkeiten Deutschlands und der EU von Zulieferungen pharmazeutischer Güter zur Durchsetzung eigener politischer Ziele gegen Europa einsetzen könnte? Lassen sich in diesem Zusammenhang Szenarien identifizieren, welche eine solche Gefahr erhöhen?
- Was bedeuten diese Erkenntnisse für die zukünftige Gestaltung der hiesigen Arzneimittelentwicklung und -produktion sowie für die zukünftige Sicherstellung unserer Arzneimittelversorgung?
Strategische Abhängigkeiten bei wichtigen Arzneimitteln von China
Gutachten im Auftrag von Pro Generika e. V.
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Fünf Hebel für mehr Produktivität
Wie lässt sich die stagnierende Produktivität wieder in Fahrt bringen? Die Kurzstudie „Fünf Produktivitätshebel für Deutschland" im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen analysiert fünf zentrale Handlungsfelder (Digitalisierung, Künstliche Intelligenz, Innovation, Bürokratieabbau und öffentliche Investitionen) und quantifiziert deren Wirkung auf die gesamtwirtschaftliche Produktivität. Grundlage sind internationale ökonometrische Studien sowie Benchmarkvergleiche. Die Ergebnisse machen deutlich: Die Potenziale sind greifbar, es fehlt jedoch an konsequenter Umsetzung.
IW
IHK Arbeitsmarktradar Bayern 2026
Der IHK Arbeitsmarktradar zeichnet ein detailliertes Bild des bayerischen Arbeitsmarktes für das Jahr 2029. Dafür werden die Trends der Jahre 2018 bis 2024 fortgeschrieben.
IW