Der Begriff der Green Economy beschreibt das Zielbild, ökonomisches Wachstum mit Umwelt- und Klimaschutz sowie sozialer Gerechtigkeit zu verbinden.
Die deutsche Wirtschaft auf dem Weg zur Green Economy
Studie im Auftrag der Bertelsmann Stiftung (Hrsg.)
Institut der deutschen Wirtschaft (IW)
Der Begriff der Green Economy beschreibt das Zielbild, ökonomisches Wachstum mit Umwelt- und Klimaschutz sowie sozialer Gerechtigkeit zu verbinden.
Die deutsche Wirtschaft befindet sich auf dem Weg dorthin. Unternehmen in Deutschland entwickeln grüne Technologien, Produkte oder Dienstleistungen und neue Arbeitsplätze entstehen in Zukunftsfeldern wie erneuerbare Energien. Dafür suchen Unternehmen Beschäftigte mit technischen und ökologischen Kompetenzen, um ihre Nachhaltigkeits- und Klimaschutzanforderungen zu erfüllen. Die vorliegende Studie analysiert, wie sich die Personalbedarfe der Unternehmen mit Bezug zur Green Economy entwickeln. Dafür wird ein Datensatz zu Online-Stellenanzeigen in Deutschland aus den Jahren 2019 bis 2025 verwendet. Die Analyse zielt nicht darauf ab, Berufe, Branchen, Tätigkeiten, Kompetenzen oder Unternehmen pauschal als „grün“ einzuordnen. Stattdessen werden Stellen anzeigen identifiziert, die mindestens eine Tätigkeit oder entsprechende Kenntnisse beinhalten, die einen direkten Bezug zur Green Economy haben.
Wachsende Relevanz des Greening im deutschen Stellenmarkt – gerade in der Industrie
- Die Anzahl der Stellenanzeigen mit Green-Economy Bezug stieg zwischen 2019 und 2025 von 1,9 auf 2,9 Millionen. Das entspricht einem Anteil an allen Stellenanzeigen von 20,4 bzw. 29,1 Prozent.
- Die Relevanz der Green Economy ist innerhalb der Industrie mit einem Stellenanteil von 44 Prozent im Jahr 2025 noch höher. Dies zeigt, dass bereits weite Teile der deutschen Industrie spezialisiertes Personal suchen, das sie bei der grünen Transformation unterstützt.
Kreislaufwirtschaft am relevantesten, gefolgt von Umweltschutz und Emissionsminderung
- Mit 1,5 Millionen ausgeschriebenen Stellenanzeigen im Jahr 2025 ist der Teilbereich Kreislaufwirtschaft am relevantesten (15,6 Prozent aller Stellenanzeigen). Etwa 802.000 Stellenanzeigen lassen sich dem Bereich Umweltschutz und Emissionsminderung (8,1 Prozent) zuordnen, 420.000 der Verkehrswende (4,2 Prozent), 345.000 erneuerbaren Energien (3,5 Prozent), 340.000 Energieeffizienz (3,4 Prozent), 138.000 Natur- und Artenschutz (1,4 Prozent) und 71.000 Nachhaltigkeitsberichterstattung und Green Finance (0,7 Prozent). Oftmals werden Stellenanzeigen dabei nicht nur einem, sondern mehreren Teilbereichen zugeordnet.
- Die höchste Dynamik seit 2019 zeigt der Bereich Nachhaltigkeitsberichterstattung und Green Finance; die Stellenanzeigen nahmen bis zum Jahr 2025 um den Faktor 2,6 zu, obwohl sie am aktuellen Datenrand leicht rückläufig sind. Die zweitgrößte Dynamik besteht bei erneuerbaren Energien mit einem Faktor von 2,4. In allen Bereichen zeigt sich eine kontinuierlich positive Entwicklung mit Ausnahme der Verkehrswende, bei der die Personalbedarfe seit 2023 abflachten.
Hohe Personalbedarfe im Osten Deutschlands
- Viele Stellenanzeigen entstehen in Ostdeutschland, vor allem solche zur Kreislaufwirtschaft sowie zum Umweltschutz und Emissionsminderung. Im Zeitverlauf zeigt sich eine stabile, regional unterschiedlich starke Verankerung der Green Economy im deutschen Arbeitsmarkt.
- Stellenanzeigen zur Verkehrswende konzentrieren sich auf Automobilstandorte (vor allem in Süddeutschland); Bedarfe zur Energieeffizienz sind deutschlandweit verbreitet und zu erneuerbaren Energien stärker im Norden (Wind) bzw. Südosten (Solar). Natur- und Artenschutz prägt auch aufgrund der Küstennähe die Personalbedarfe im Nordosten, während das Thema Green Finance und Nachhaltigkeitsberichterstattung vor allem in Großstädten relevant ist (unter anderem aufgrund hier ansässiger Firmenzentralen).
Leitprinzipien der Green Economy sind bereits fest in den Stellenanzeigen vieler deutscher Unternehmen verankert. Dies deutet darauf hin, dass es im Eigeninteresse der Unternehmen liegt, die grüne Transformation trotz geopolitischer Unsicherheiten und wirtschaftlicher Herausforderungen aktiv voranzutreiben und die Green Economy zunehmend als strategische Chance für Innovation, Wettbewerbsfähigkeit und langfristige Kostenvorteile zu begreifen.
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