Wie sollte deshalb mit Querdenkern umgegangen werden? Argumentieren und handeln diese Menschen irrational? Wie lassen sich falsche Vorstellungen von der Realität aufklären und verändern?

Eine wichtige Erkenntnis ist, dass nicht alle Querdenker pauschal als Spinner behandelt werden sollten. Denn aus evolutionärer Perspektive ist es vorstellbar, dass eine hohe Sensibilität für Verschwörungen früher die Überlebenschancen verbesserte. Aus soziologischer und psychologischer Perspektive kann der Glaube an Verschwörungen helfen, besser mit Unsicherheit, Ambiguität und Kontrollverlust umzugehen. Verhaltensökonomische Erkenntnisse zu kognitiven Verzerrungen wie der Confirmation Bias, der Optimism Bias, der Truth Effect und der Overconfidence Bias können den Vertrauensverlust in Institutionen und Expertenmeinungen erklären. Gefordert ist somit ein differenzierter Umgang mit Querdenkern.

So hilfreich der Glaube an einfache Erklärungen kurzfristig für den Einzelnen sein mag, umso schädlicher ist dieser allerdings langfristig und generell für das Zusammenleben in einer Gesellschaft. Denn neben der Spaltung der Gesellschaft, die durch Filterblasen befeuert wird, droht der Rückfall in Zeiten vor der Aufklärung und vor den kritischen Rationalismus. Gegenmaßnahmen, die über eine Cancel Culture hinaus gehen, sind beispielsweise inklusive Kommunikation, Transparenz, Information und Aufklärung sowie nachvollziehbare, langfristige Strategien zur Überwindung der Krise. Dafür sind Politik, Medien und jeder Einzelne gefordert, in den Dialog mit denjenigen einzutreten, die (noch) nicht zu linken oder rechten Extrempositionen neigen.