Insbesondere für pluralisierte, urbane und individualistisch geprägte Gesellschaften ist Vertrauen der wichtige Kitt des Zusammenhalts. Wenn dieses gering ausgeprägt ist, wird versucht mit Kontrollen und Alleingängen für vermeintliche Sicherheit zu sorgen. Das Vertrauen schwindet dadurch; insbesondere, wenn das Gefühl der Menschen wächst, dass entweder der wirtschaftliche Aufschwung nicht bei ihnen ankommt oder die Eliten in der Krise vor allem an sich denken. Manche Regionen fühlen sich zurückgelassen und der Eindruck entsteht, die Politik habe lediglich die Interessen einzelner Interessengruppen im Blick; das stärkt systemkritische Parteien.

Diese Studie stellt aktuelle Zahlen zum Vertrauen in Deutschland und Europa vor. Insgesamt belegt Deutschland Platz 7 von 20 untersuchten Ländern. Die skandinavischen Länder schneiden im internationalen Vertrauensvergleich dabei weiterhin am besten ab. Länder wie Griechenland und Italien hingegen, die in den letzten Jahren von der Wirtschaftskrise am stärksten betroffen waren, am schlechtesten. Doch auch das Vereinigte Königreich verzeichnet starke Vertrauensverluste, die unter anderem durch die andauernden Brexit-Debatten entstanden. Bei allen statistischen Schwierigkeiten, die ein solcher Index mit sich bringt, zeigt er – über die zufälligen und nicht beeinflussbaren Faktoren und Fallzahlen hinaus – welche Länder die aktuelle COVID-19 (Coronavirus SARS-CoV-2) Pandemie besser managen können als andere. In den skandinavischen Ländern sowie den Niederlanden, Deutschland und der Schweiz herrscht ein ausgeprägtes Klima des Vertrauens. Das politische System, das Wirtschaftssystem und die Gesellschaft sind – im Großen und Ganzen – zuverlässig. Auf Platz 1 des Vertrauensindex liegt Dänemark mit 91 von 100 möglichen Punkten. Deutschland liegt mit 74 Punkten auf Platz 7 – hinter den übrigen skandinavischen Ländern, den Niederlanden und der Schweiz. Die südeuropäischen Staaten Griechenland, Italien und Portugal landen am Ende des Rankings. Das Misstrauen gegenüber der Politik und der Regierung, aber auch gegenüber der Wirtschaft und der Gesellschaft sind hier besonders ausgeprägt. Vertraut wird nur im engen Verwandten- und Freundeskreis. Generalisiertes Vertrauen wird auch bislang eher bestraft. Das erschwert möglicher Weise die Zusammenarbeit bei der landesweiten Krisenbewältigung, in der Vertrauen so wichtig ist.

  • Vertrauen in die Notwendigkeit der Freiheitseinschränkung und die Beachtung zum Beispiel von Quarantäne-Maßnahmen, auch ohne Krankheitssymptome. Entscheidend ist hier somit das Vertrauen in die Mitmenschen, dass sie sich solidarisch verhalten und eine persönliche, drastische Einschränkung hinnehmen, um der Gesellschaft bei der Eindämmung der Epidemie zu helfen.
  • Vertrauen in die Fakten und Maßnahmen von Autoritäten. Der stete Verweis auf das Robert Koch-Institut ist dabei genau richtig, denn Universitäten und Forschungseinrichtungen genießen bei über 80 Prozent der Deutschen sehr große oder großes Vertrauen (vgl. Enste/Suling, 2020, 8). Die Bundesregierung genießt dieses Vertrauen hingegen nur bei rund 40 Prozent.