Was die Familienpolitik leisten muss und kann, hat sich stark verändert. War es in den 1960er- und 1970er-Jahren etwa noch der Normalfall, dass sich die Frauen spätestens nach der Geburt des ersten Kindes nur noch um die Belange der Familie kümmerten, streben sie in den letzten Jahrzehnten eine immer gleichberechtigtere Teilhabe am Arbeitsmarkt an. Damit hat auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sehr stark an Bedeutung gewonnen. Vor diesem Hintergrund wurden vor allem in der zweiten Hälfte der 2000er-Jahre eine Reihe tiefgreifender familienpolitischer Reformen, wie die Einführung eines Betreuungsanspruchs für unter Dreijährige, auf den Weg gebracht. Zudem hat die Bundesregierung in dieser Zeit von einer Reihe namhafter Forschungsinstitute eine Gesamtevaluation der ehe- und familienpolitischen Leistungen durchführen lassen.

Ein wichtiges Ergebnis war, dass eine klare Definition der Ziele einer modernen Familienpolitik erfolgt ist. Diese sind die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die wirtschaftliche Stabilität von Familien, das Wohlergehen und eine gute Entwicklung von Kindern sowie die Erfüllung von Kinderwünschen (BMFSFJ, 2013). Hinzu kommt das Leitbild der Wahlfreiheit. Aus ihm lässt sich ableiten, dass die Familienpolitik Rahmenbedingungen schaffen sollte, die es einerseits möglichst allen Familien ermöglichen, ihr Leben entsprechend ihrer Wünsche zu führen, und andererseits keines der gängigen familiären Rollenmuster zu sehr begünstigen.

Anhand der genannten Ziele lässt sich feststellen, wie sich die Rahmenbedingungen für die Familien in Deutschland in den letzten Jahren entwickelt haben. Allerdings muss immer im Blick behalten werden, dass die beobachtbaren Veränderungen nicht allein auf die familienpolitischen Reformen zurückgehen.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist gegeben, wenn Personen mit Familienverantwortung entsprechend ihrer Wünsche und Bedürfnisse am Arbeitsmarkt aktiv werden können. Das besagt nicht unbedingt, dass auch möglichst alle Mütter und Väter mit möglichst großem Stundenumfang arbeiten müssen. Dennoch ist die Erwerbsbeteiligung von Müttern ein wichtiger Indikator für die Vereinbarkeit. Betrachtet man Frauen mit Kindern unter 15 Jahren, ist diese zwischen 2007 und 2016 um rund neun Prozentpunkte von 56,2 Prozent auf 65,2 Prozent gestiegen (Statistisches Bundesamt, 2008; 2017). Damit einhergehend hat sich der Unterschied zwischen Frauen und Männern bei der Erwerbsbeteiligung verringert und lag 2017 nur noch bei 7,4 Prozentpunkten (Abbildung).