1. Home
  2. Studien
  3. Fortschritte bei den familienpolitischen Zielen
Wido Geis-Thöne IW-Kurzbericht Nr. 59 14. September 2018 Fortschritte bei den familienpolitischen Zielen

In den letzten Jahren hat sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf deutlich verbessert und die Geburtenzahlen je Frau sind deutlich gestiegen. Hingegen zeigt sich bei den Kompetenzen von Schülern eine leichte Verschlechterung. Für die Familienpolitik heißt das, dass sie sich derzeit vor allem um bessere Bedingungen für das Aufwachsen der Kinder kümmern sollte.

PDF herunterladen
Fortschritte bei den familienpolitischen Zielen
Wido Geis-Thöne IW-Kurzbericht Nr. 59 14. September 2018

Fortschritte bei den familienpolitischen Zielen

IW-Kurzbericht

PDF herunterladen

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

In den letzten Jahren hat sich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf deutlich verbessert und die Geburtenzahlen je Frau sind deutlich gestiegen. Hingegen zeigt sich bei den Kompetenzen von Schülern eine leichte Verschlechterung. Für die Familienpolitik heißt das, dass sie sich derzeit vor allem um bessere Bedingungen für das Aufwachsen der Kinder kümmern sollte.

Was die Familienpolitik leisten muss und kann, hat sich stark verändert. War es in den 1960er- und 1970er-Jahren etwa noch der Normalfall, dass sich die Frauen spätestens nach der Geburt des ersten Kindes nur noch um die Belange der Familie kümmerten, streben sie in den letzten Jahrzehnten eine immer gleichberechtigtere Teilhabe am Arbeitsmarkt an. Damit hat auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf sehr stark an Bedeutung gewonnen. Vor diesem Hintergrund wurden vor allem in der zweiten Hälfte der 2000er-Jahre eine Reihe tiefgreifender familienpolitischer Reformen, wie die Einführung eines Betreuungsanspruchs für unter Dreijährige, auf den Weg gebracht. Zudem hat die Bundesregierung in dieser Zeit von einer Reihe namhafter Forschungsinstitute eine Gesamtevaluation der ehe- und familienpolitischen Leistungen durchführen lassen.

Ein wichtiges Ergebnis war, dass eine klare Definition der Ziele einer modernen Familienpolitik erfolgt ist. Diese sind die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die wirtschaftliche Stabilität von Familien, das Wohlergehen und eine gute Entwicklung von Kindern sowie die Erfüllung von Kinderwünschen (BMFSFJ, 2013). Hinzu kommt das Leitbild der Wahlfreiheit. Aus ihm lässt sich ableiten, dass die Familienpolitik Rahmenbedingungen schaffen sollte, die es einerseits möglichst allen Familien ermöglichen, ihr Leben entsprechend ihrer Wünsche zu führen, und andererseits keines der gängigen familiären Rollenmuster zu sehr begünstigen.

Anhand der genannten Ziele lässt sich feststellen, wie sich die Rahmenbedingungen für die Familien in Deutschland in den letzten Jahren entwickelt haben. Allerdings muss immer im Blick behalten werden, dass die beobachtbaren Veränderungen nicht allein auf die familienpolitischen Reformen zurückgehen.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist gegeben, wenn Personen mit Familienverantwortung entsprechend ihrer Wünsche und Bedürfnisse am Arbeitsmarkt aktiv werden können. Das besagt nicht unbedingt, dass auch möglichst alle Mütter und Väter mit möglichst großem Stundenumfang arbeiten müssen. Dennoch ist die Erwerbsbeteiligung von Müttern ein wichtiger Indikator für die Vereinbarkeit. Betrachtet man Frauen mit Kindern unter 15 Jahren, ist diese zwischen 2007 und 2016 um rund neun Prozentpunkte von 56,2 Prozent auf 65,2 Prozent gestiegen (Statistisches Bundesamt, 2008; 2017). Damit einhergehend hat sich der Unterschied zwischen Frauen und Männern bei der Erwerbsbeteiligung verringert und lag 2017 nur noch bei 7,4 Prozentpunkten (Abbildung).

Inhaltselement mit der ID 4583
Inhaltselement mit der ID 4584
Inhaltselement mit der ID 4586

Diese positive Entwicklung wird häufig mit dem Argument relativiert, dass die Mütter in Deutschland nur in geringem Umfang erwerbstätig werden könnten und deshalb die Teilzeitquoten bei ihnen sehr hoch seien. Dies stimmt zwar, allerdings ist der Anteil der in Teilzeit tätigen Frauen mit Kindern unter 15 Jahren trotz des starken Anstiegs der Erwerbsbeteiligung insgesamt zwischen 2007 und 2016 leicht von 72,9 Prozent auf 70,5 Prozent gesunken (Statistisches Bundesamt, 2008, 2017; eigene Berechnungen). Zudem muss konstatiert werden, dass sich der überwiegende Teil der Mütter derzeit gar keine Erwerbstätigkeit mit vollem Stundenumfang wünscht (Lietzmann/Wenzig, 2017).

Wirtschaftliche Stabilität von Familien

Die wirtschaftliche Lage der Familien in Deutschland lässt sich am besten an ihrem Einkommen festmachen. Setzt man das mittlere Einkommen von Haushalten mit Kindern ins Verhältnis zum entsprechenden Wert für alle Haushalte, zeigt sich zwischen 2007 und 2016 eine leicht positive Entwicklung von 98,6 Prozent auf 99,8 Prozent (Eurostat, 2018; eigene Berechnungen). Gleichzeitig ist allerdings auch die Armutsgefährdungsquote bei ihnen leicht von 12,6 Prozent auf 13,5 Prozent gestiegen (Eurostat, 2018). Betrachtet man nur die „Normfamilie“ mit zwei Eltern und zwei Kindern, ist die Armutsgefährdungsquote von 7,9 Prozent auf 7,8 Prozent gesunken und das mittlere Einkommen von 101,6 Prozent auf 104,5 Prozent des Werts für alle Haushalte gestiegen (Eurostat, 2018; eigene Berechnungen).

Gute Entwicklung von Kindern

Das Wohlergehen von Kindern lässt sich nur schwer empirisch erfassen. Im Kontext der Gesamtevaluation wurde hauptsächlich mit einem Indikator von UNICEF gearbeitet (BMFSFJ, 2013), der seitdem aber nicht mehr weitergeführt worden ist. Auch liegen keine anderen Statistiken vor, die einen umfassenden Blick auf das kindliche Wohlergehen geben und regelmäßig erhoben werden.

Daher kann an dieser Stelle nur auf die Entwicklung der schulischen Kompetenzen der Kinder eingegangen werden. Die PISA-Tests zeigen hier bei den 15-Jährigen eine kontinuierliche Verbesserung in den drei Bereichen Lesen, Mathematik und Naturwissenschaften bis zum Jahr 2012. In der neuesten Erhebung 2015 lagen der Durchschnittswert für das Lesen auf demselben wie 2012 und die Werte für Mathematik und Naturwissenschaften etwas niedriger (OECD, 2016). Zudem deutet die IGLU-Studie, die letztmalig 2016 erhoben wurde, bei den Kindern im Grundschulalter auf einen leichten Rückgang der Leseleistungen hin (Hußmann et al., 2017). Grund hierfür dürfte zwar vor allem eine Veränderung der Schülerschaft aufgrund der Zuwanderung der letzten Jahre sein. Dennoch muss die Familienpolitik zusammen mit der Bildungspolitik auf ein noch entwicklungsförderndes Umfeld für die Kinder hinarbeiten.

Erfüllung von Kinderwünschen

Bei der Erfüllung von Kinderwünschen stellt sich, ähnlich wie bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf, das Problem, dass dieses Ziel nicht unbedingt impliziert, dass möglichst viele Kinder geboren werden sollten. Dennoch sind die Geburtenzahlen je Frau der zentrale Indikator hierfür, da die von Eltern in Befragungen genannte durchschnittliche Kinderzahl höher als die realisierte Geburtenrate ist. Die Geburtenrate ist seit 2010 stark gestiegen (Abbildung) und hat den Wertebereich von 1,3 bis 1,4 verlassen, in dem sie sich zuvor über mehrere Jahrzehnte fast durchgehend bewegt hatte.

Zusammengenommen deuten diese Ergebnisse darauf hin, dass sich die Lage der Familien in Deutschland in den letzten Jahren verbessert hat, im Hinblick auf die Bedingungen des Aufwachsens der Kinder aber nach wie vor Handlungsbedarf besteht.

PDF herunterladen
Fortschritte bei den familienpolitischen Zielen
Wido Geis-Thöne IW-Kurzbericht Nr. 59 14. September 2018

Wido Geis-Thöne: Fortschritte bei den familienpolitischen Zielen

IW-Kurzbericht

PDF herunterladen

Teilen Sie diesen Artikel:

oder kopieren Sie den folgenden Link:

Der Link wurde zu Ihrer Zwischenablage hinzugefügt!

Mehr zum Thema

Artikel lesen
Brexit und deutsch-britischer Außenhandel
Berthold Busch IW-Kurzbericht Nr. 31 14. Juni 2016

Britische Abstimmung über den Verbleib in der EU: Brexit und deutsch-britischer Außenhandel

Deutschland und das Vereinigte Königreich unterhalten enge Handelsverflechtungen. Bei den Ausfuhren ist das Land drittgrößter Abnehmer deutscher Waren. Bei den deutschen Importen steht es an neunter Stelle. Ein Brexit würde die Handelsverflechtungen belasten, ...

IW

Artikel lesen
Holger Schäfer / Jörg Schmidt IW-Kurzbericht Nr. 5 17. Januar 2017

Arbeitszeitwünsche von Frauen und Männern

Frauen und Männer haben unterschiedliche Präferenzen hinsichtlich des Umfangs ihrer Arbeitszeit. Eine Auswertung des Sozio-oekonomischen Panels (SOEP) verdeutlicht, dass die Vereinbarkeit von Familie und Beruf eine zentrale Ursache für divergierende ...

IW

Inhaltselement mit der ID 8880